ARD-Sonntagskrimi Der Münster-»Tatort« im Schnellcheck

Volkshochschule trifft Mittelaltermarkt: Der Münster- »Tatort« über die brutale Herrschaft der Wiedertäufer kommt behäbig daher – vielleicht auch deshalb, weil er unter Corona-Bedingungen entstanden ist.
Pause vom Mittelalter: Vaddern und Sohn Thiel (Claus D. Clausnitzer und Axel Prahl) beim Angeln

Pause vom Mittelalter: Vaddern und Sohn Thiel (Claus D. Clausnitzer und Axel Prahl) beim Angeln

Foto: Thomas Kost / WDR

Das Szenario:

Hölzerne Dialoge in eisernen Rüstungen. Auf einer Burg will eine Schaustellerfamilie die »Täufer Experience« veranstalten – eine Freiluftveranstaltung, bei dem das Schreckensregime der Wiedertäufer im Münster des 16. Jahrhundert als Mitmachspektakel aufgeführt werden soll. Doch bevor die Darsteller Klagegesänge anstimmen und sich gegenseitig künstliche Gliedmaßen abschlagen können, wird das Familienoberhaupt tot in Ritterrüstung im Burggraben gefunden. Bei den Untersuchungen versuchen sich Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) gegenseitig mit ihrem Wissen über die Wiedertäufer zu übertreffen.

Der Clou:

Volkshochschule trifft Mittelaltermarkt. In den windschiefen Ritterburgkulissen referieren die Ermittler, nun ja, Funfacts und historische Daten über die radikal-protestantische Bewegung, die Münster bis 1534 in einen düsteren Exzess stürzte. Aber leider wird dieser düstere Exzess eben überhaupt nicht ausgeschmückt. Das sonst dem Morbiden so zugeneigte Team des Münster-»Tatort« lässt sämtliche Vorlagen für eine schwarzhumorige Entfesselung, die der Folter- und Frömmigkeitsterror der Wiedertäufer bereithält, ungenutzt.

Kommt gleich der »Moonwalk«? Die Ermittler untersuchen das Mordopfer

Kommt gleich der »Moonwalk«? Die Ermittler untersuchen das Mordopfer

Foto: Thomas Kost / WDR

Das Bild:

Ein Schädel in den Händen von Professor Boerne. Es ist eine Kunststoffattrappe, die von der Theatertruppe in einer Enthauptungsszene eingesetzt wird. Der Professor beschwert sich, dass die Fetzen am Hals nicht so aussehen, als sei der Kopf wirklich abgeschlagen worden. Recht hat er.

Der Dialog:

Kommissar Thiel kommt aus der Burg zurück, wo er die Hinterbliebenen des verstorbenen Familienoberhaupts vernommen hatte, und wird von seinem neuen Assistenten Schrader empfangen:

Schrader: »Wie war die Familie?«

Thiel: »Kopflos. Enthauptet.«

Der Song:

»Bad« von Michael Jackson : Läuft, als Professor Boerne aus ermittlungstechnischen Gründen die Eisenrüstung anzieht, in der das Opfer zu Tode kam. Der unvermeidliche »Moonwalk«, den er mit Panzerung aufführt, kommt dann aber sehr ritterrostig daher.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Diese Münster-Folge wurde als eine der ersten Corona-»Tatorte« nach dem ersten Lockdown unter strengen Hygienebedingungen gedreht – vielleicht wirkt das Spektakel über die blutrünstigen Wiedertäufer-Zeiten deshalb so aseptisch.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Es lebe der König!«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

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