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Saar-"Tatort": "Ohren werden doch eh überbewertet!"

Foto: ARD/ Manuela Meyer

ARD-Sonntagskrimi Der neue Saar-"Tatort" im Schnellcheck

Gehörlos meint nicht sprachlos. In diesem misslungenen Saar-"Tatort" hat Kommissar Stellbrink erhebliche Probleme, sich zwischen Gebärdensprache und Lippenlesen zurechtzufinden.

Das Szenario:

Mord in der Gehörlosen-Community in Saarbrücken. Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) lärmt rum, lernt Gebärdensprache und macht ein paar umständliche Selbstexperimente in Sachen Gehörlosigkeit.

Der brutalste Moment:

Wenn SM-Sex schief läuft: Gleich zu Anfang sehen wir ein Paar auf Amphetaminen beim Würgesex, der bei der Frau einen Herzinfarkt zur Folge hat. Auftakt für ein Erpresserstück, das auf verworrene Weise in die Gehörlosenszene führt.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Einem größerem Publikum vermitteln, dass gehörlos nicht sprachlos meint. Ein "Tatort" also mit hehrem Integrationsauftrag - der leider nicht erfüllt wird. Die Verantwortlichen vertrauen nicht dem Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten, die ein Gehörlosen-Krimi bereithalten könnte.

Der beste Satz:

"Ohren werden doch eh überbewertet!" Ein wunderbarer Satz, im "Tatort" in Gebärden gesprochen von einer gehörlosen Hip-Hop-Tänzerin und dann für die Ermittler und das hörende Fernsehpublikum durch eine Übersetzerin in Laute gefasst.

Der Plausibilitätsfaktor:

Sehr gering. Zwar haben hier Gehörlosen-Interessenvertreter ihr Wissen beigesteuert und unter den Schauspielern sind viele Gehörlose - eine schlüssige Geschichte mit authentischen Figuren ist dabei aber nicht herausgekommen.

Die Bewertung:

2 von 10 Punkten. Wer wirklich in die Welt von Gehörlosen eintauchen will und in ihre Konflikte mit den Hörenden, der schaue sich lieber noch mal Caroline Links noch immer mustergültiges Melodram "Jenseits der Stille" aus dem Jahr 1996 an.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Totenstille", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

cbu
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