ARD-Sonntagskrimi Der Stuttgart-»Tatort« im Schnellcheck

Schaudern, zaudern, morden: Dieser »Tatort« aus Täterperspektive folgt einem Karrierejuristen, der einen Obdachlosen anfährt und ihn sterben lässt. Krimi-Drama mit »Hamlet«-Verweisen.
Die Kommissare Lannert (Richy Müller, l.) und Sebastian Bootz (Felix Klare) mit Zeugin aus der Waschstraße (Tatjana Nekrasov): »Shakespeare!«

Die Kommissare Lannert (Richy Müller, l.) und Sebastian Bootz (Felix Klare) mit Zeugin aus der Waschstraße (Tatjana Nekrasov): »Shakespeare!«

Foto:

Benoît Linder / SWR

Das Szenario:

Bürgerliches Glück, mörderisch optimiert: Nach einem langen Arbeitstag fährt der Anwalt Ben Dellien (Nicholas Reinke) einen Obdachlosen am Straßenrand nieder – und lässt ihn dort nach einem Moment des Schauderns und Zauderns sterbend zurück. Obwohl der Jurist nach der Fahrerflucht alle Spuren in der Waschstraße zu beseitigen versucht, stehen bald die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) vor der Haustür. Um die Spuren zu verwischen und ihr Luxuseigenheimleben zu sichern, hecken der täppische Anwalt und seine tatkräftige Ehefrau weitere kriminelle Machenschaften aus.

Der Clou:

Sein oder sein lassen? Das ist hier die Frage. In diesem »Tatort« wird aus »Hamlet« zitiert, und der Karriereanwalt leidet passenderweise unter einer Entscheidungsschwäche, die so groß ist wie die des Shakespeare'schen Superzauderers. Dafür gruppieren sich um ihn herum drei Frauen, die handeln: die hochschwangere Gattin, die knallhart für ihn lügt. Die Nachbarin aus der Waschanlage, die die Polizei abwimmelt. Die Kollegin, die ihm zur Verteidigung den besten Rechtsverdreher der Stadt vermittelt.

»Tatort«-Szene mit Tatjana Nekrasov und Nicholas Reinke: Sein oder sein lassen?

»Tatort«-Szene mit Tatjana Nekrasov und Nicholas Reinke: Sein oder sein lassen?

Foto: Benoît Linder / SWR

Das Bild:

Vater, Mutter, Cop: In einer Szene, sieht man, wie der Anwalt und seine Frau mit dem Neugeborenen aus dem Krankenhaus zu ihren beiden anderen Kindern ins Eigenheim zurückkehren. Ein einziges Staunen, Streicheln und Liebkosen – das dann von den beiden Kommissaren auf heißer Spur zerstört wird. In diesem über weite Strecken aus Täterperspektive erzählten »Tatort« erscheinen die Ermittler oft wie düstere Eindringlinge, die das fragile Familienglück zu zerstören drohen.

Der Dialog:

Die Kommissare grübeln mit dem Gerichtsmediziner über den Fall, als eine erste Spur auftaucht, die zu dem Anwalt führt.

Lannert: »Delliens Versicherung hat wohl einen Anfangsverdacht wegen Versicherungsbetrug. Sie wollen Einsicht nehmen in unseren Unfallbericht.«

Bootz: »Wie bitte?«

Lanndert: »Eine Mitarbeiterin der Anwaltskanzlei hatte denen schon einen Schaden gemeldet, noch bevor Herr Dellien seinen Wagen zu Schrott gefahren hat.«

Gerichtsmediziner: »Von so betörter Furcht ist Schuld erfüllt, dass, sich verbergend, sie sich selbst enthüllt.«

Bootz: »Was?«

Gerichtsmediziner: »Shakespeare!«

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Psychologisch starker Krimi über Phlegma, das zum Verbrechen wird, und Schuld, die sich selbst entlarvt.

Die Analyse:

Lesen Sie hier bitte weiter!

»Tatort: Der Mörder in mir«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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