ARD-Sonntagskrimi Der Odenthal-"Tatort" im Schnellcheck

Back in Kohl-Country: Lena Odenthal trifft nach fast 30 Jahren im tristen Westen der Pfalz ihre alte Liebe wieder, es knistert und kracht wie ehedem. Ein "Tatort", der die Zeit anzuhalten scheint.

Benoit Linder/ SWR

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Das Setting:

Die Hügel der Westpfalz, gefilmt wie die Berge Nevadas. Der tiefste Westen der alten Bundesrepublik, inszeniert wie für einen Western. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) kehrt nach fast 30 Jahren in diesen verlassenen Winkel zurück, weil ein Streifenpolizist im Dienst erschossen worden ist. Sie trifft auf ihren alten Lover, den Polizisten Stefan Tries (Ben Becker), der nach dem Aufstieg zum Revierleiter den über allen Gesetzen stehenden Provinzmarschall gibt. Wer kann schon etwas gegen krumme Geschäfte haben, wenn es der eigenen Gemeinde nützt?

Der Clou:

Drei Jahrzehnte deutsches Fernsehen - alles hat sich geändert, nichts hat sich geändert. Dieser "Tatort" ist die Fortsetzung zur erstmals 1991 ausgestrahlten Folge "Tod im Häcksler", in der Odenthal schon einmal auf Tries traf. Nico Hofmann inszenierte die Heimat des damaligen Kanzlers Helmut Kohl als rückständige, emotional vereiste Randregion, als "Pfälzisch-Sibirien". Fast 30 Jahre später spült eine moderne Recyclinganlage Geld in die Gegend, die Freizeitgestaltung ist aber weiterhin recht primitiv. Macht nichts, die beiden Hauptfiguren haben auch so viel Spaß miteinander. Drogen, Waffen, Bob Dylan und Johnny Cash helfen dabei.

Das Bild:

Aufgeputscht von frischem Koks und alter Verliebtheit ballert die Kommissarin mit dem Provinzbullen nachts im Garten auf leere Flaschen. Sie ist noch ein bisschen schüchtern, er trifft sogar rückwärts aus der Hüfte.

Der Dialog:

Bei einer internen Untersuchung muss ein Provinzpolizist erklären, wie er sich den protzigen Pick-up-SUV vor der Tür leisten kann. Polizist: "Der gehört meiner Frau, Geschenk zum Hochzeitstag." Interner Ermittler: "Rustikaler Geschmack." Polizist umarmt die Angetraute vor dem Auto: "So sind die Frauen hier."

Der Song:

"Girl from the North Country" von Bob Dylan und Johnny Cash. Legt Tries beim intimen Wiedersehen mit Odenthal auf, dazu: Rotwein, weißes Pulver, Flashbacks zu ersten Küssen fast 30 Jahre zuvor. Die beiden sind ein bisschen älter geworden, das Rummachen funktioniert aber noch ganz gut.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Back in Kohl-Country: Trotz einiger staksig aufgesagter Monologe ein recht starker Sonntagskrimi darüber, wie viel und wenig sich in diesem Land verändert hat. Folkerts als Odenthal feiert mit ihm ihr 30-jähriges Dienstjubiläum. Ein "Tatort", der die Zeit anzuhalten scheint.

Die Analyse:

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"Tatort: Die Pfalz von oben", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 25 Beiträge
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stoffi 17.11.2019
1. Eigentlich
fand ich die Odental immer ganz gut und deshalb werden ich heute mal wieder einschalten. Umschalten kann ich ja immer noch, aber erst mal sehen ob
politikstern 17.11.2019
2. Ich bin gespannt
Früher waren Ludwigshafen Tatorte meine Lieblingstatorte, doch seit Kopper weg ist, fehlt irgendetwas. Früher dachte ich, Odental wäre die Hauptfigur, und Kopper die Beilage. Nachdem er weg war, wirkte Odental erschreckend blass.
spirou42 17.11.2019
3. Ohne Kopper geht gar nicht
Mir geht's wie meinem Vorredner. Ohne Kopper ist Frau Odenthal ziemlich blass. Aber den Tatort heute Abend schaue ich mir an wegen Ben Becker.
lordofaiur 17.11.2019
4. Tatort
Endlich mal wieder ein richtiger Tatort, super!
karlo1952 17.11.2019
5. Der Tatort war gut,
bis die Odental das Rauschgift eingezogen und die Flaschenschießerei begonnen hat. Bis dahin waren's 10 von 10 Punkten gewesen.
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