ARD-Sonntagskrimi Der neue Tukur-"Tatort" im Schnellcheck

Wo endet Anteilnahme, wo beginnt Anmaßung? "Tatort"-Kommissar Murot kriegt es mit einem Killer zu tun, der sich als Humanist aufspielt. Ein gefährlich guter Psychothriller.

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Das Szenario:

Der Mörder als Menschenfreund. Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) wird mit einem Serienkiller (Jens Harzer) konfrontiert, der seine Bluttaten als großes humanistisches Projekt zu verkaufen versucht, weil seine Opfer angeblich sowieso sterben wollten. Im riskanten Dialog mit dem Mann sieht sich der Ermittler mit seinen eigenen Ängsten und Abgründen konfrontiert.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Auf den ersten Blick nicht vorhanden. Doch bei genauerer Betrachtung reißt dieser schmerzhaft ambivalente Serienkiller-Thriller im "Se7en"-Look sehr viel effizienter ethische Fragen zur Sterbehilfe auf als all die braven öffentlich-rechtlichen Pro-und Contra-Dramen, die es zu dem Thema in den vergangenen Jahren gab. Der Tod als gute Tat: Wo endet die Anteilnahme, wo beginnt die Anmaßung?

Schönster Song:

"Fourth of July" von Sufjan Stevens. Der US-Songwriter haucht seine zarten Worte über Vergebung und Verlust, während der Killer eine junge Frau in der Badewanne ins Jenseits befördert. Stevens veröffentlichte den Song auf seinem letzten Album "Carrie & Lowell", einer Hommage an seine kurz zuvor gestorbene, alkoholkranke Mutter. Der Mörder im Film spielt diesen Song, während er Menschen in den Tod befördert, die angeblich an ihrem Leben und ihren Lieben leiden. Ein gutes Beispiel dafür, wie sehr dieser "Tatort" mit Referenzen aufs Kino, auf die Literatur und eben auf die Popmusik aufgeladen ist, ohne auch nur einmal überladen zu wirken.

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Tukur-"Tatort": Rundfahrt mit Serienkiller

Scheußlichstes Zitat:

"Keine Blutspritzer, keine Schreie, die die Nachbarn gestört haben. Immer lag die Kleidung ordentlich gefaltet auf einem Hocker." Der Mörder spricht über seine grausamen Taten und beschreibt sie als liebevollen Akt.

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Fotostrecke: Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Der Plausibiltätsfaktor:

Obwohl der Film dem Genre gemäß mit allen erdenklichen irren Spins und Flashbacks arbeitet, ist er in sich komplett schlüssig. Das Heimtückische an diesem psychologisch klugen Thriller: Man ist versucht, der pervertierten Empathie des Mörders zu folgen.

Die Bewertung:

Zehn von zehn Punkten. Nach "Im Schmerz geboren" und "Wer bin ich?" der dritte bahnbrechende Tukur-Krimi in Reihe. Gute Nachrichten für all Fans: Ulrich Tukur, der extrem zurückhaltend ist mit seinem "Tatort"-Engagement, hat sich bereits für zwei weitere Murot-Folgen verpflichtet.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Es lebe der Tod", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
chuckal 20.11.2016
1. Wenn ich das schon höre
"Referenzen", Zitatfreudig, Anlehnung an und was es sonst noch für Euphemismen für den simplen Umstand gibt, dass die Autoren -mal wieder- abgekupfert haben, dass es kracht. Und weil der helle Herr Buß, do viele "Zitate" erkennen kann, ist er auch ein Checker und gibt die volle Punktzahl. Peinlich!
CancunMM 20.11.2016
2.
10 von 10 Punkten ? Nach den bisherigen Erfahrungen müsste es dann ein ganz schlechter Tatort sein.
behemoth1 20.11.2016
3. Tatort
Bitte kein Tatortfilm mehr mit Ulrich Tukur. Ich werden mir auf jedenfall keinen Film mehr ansehen, wo dieser Mann mitspielt.
goethestrasse 20.11.2016
4. Vor Jahren gabs mal
"Herzversagen" auch als Frankfurt Tatort. Damals glaube ich noch mit Sawatzki. Ähnlicher Hintergrund. Gut so, dass es mit Turkur und Wächter weitergeht. Hauptsache ohne Tumor im Kopf und den Kessler Zwilligen und Zirkusluft.
cafe-wien 20.11.2016
5. Dialog?
"Im riskanten Dialog mit dem Mann sieht sich der Ermittler mit seinen eigenen Ängsten und Abgründen konfrontiert." Was soll das heißen? - Dass wir ein zugequatschtes Kammerspiel mit Handlungsgang hemmenden Rückblenden zu erwarten haben? Film heißt Film, Motion-Picture, und nicht: Sprech! Mir schwant Fürchterliches. Und dabei hatte ich mich so sehr auf den hervorragenden Tukur gefreut, durchaus mit vielen Zitaten und dergleichen. Aber "Dialog" ist hoffentlich im übertragenen Sinne gemeint und nicht wie im "Totmacher" mit Götz George. Gut, ich will hier noch nicht zu viel schreiben, aber wenn Buß einen verquatschten Abend hier mit 10 von 10 Punkten bewertet, weil man das ja so machen muss, wenn man in der Kulturschickeria was gelten will, dann ist hier aber was los!
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