ARD-Sonntagskrimi Der neue Tukur-»Tatort« im Schnellcheck

Nach dem Mord in einem Hotel wird der Kommissar mit dem Minus auf seinem Karma-Konto konfrontiert: Dieser »Tatort« ist nicht nur für Hobbyphilosophen und Teilzeit-Buddhisten ein Fest.
Kommissar Murot (Ulrich Tukur) mit Bar-Bekanntschaft (Anna Unterberger): Das Schicksal wird schon seine Gründe haben

Kommissar Murot (Ulrich Tukur) mit Bar-Bekanntschaft (Anna Unterberger): Das Schicksal wird schon seine Gründe haben

Foto: HR

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Das Szenario:

Immer Drama mit dem Karma. Kommissar Murot (Ulrich Tukur) wird bei ein paar Rotweingläsern an der Hotelbar von einer jungen fremden Frau mit K.-o.-Tropfen betäubt und ausgeraubt – um dann in einem Mordfall zu erwachen, der ihn mit dem wohl größten Fehler in seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Und worum geht es sonst so? Um einen Bauchredner, der mit Waffen dealt. Um einen Schlagerwrack, das von den Achtzigern schwärmt. Und um Ballettmusik, die zum Morden animiert.

Der Clou:

Das Schicksal wird schon seine Gründe haben. Sagt Voltaire. Und in diesem heiteren und eleganten Krimi geht es über allerlei unterhaltsame Umwege tief ins Minus auf dem Karma-Konto des Kommissars. Nicht nur für Hobbyphilosophen und Teilzeit-Buddhisten ein großes Fest!

Der Kommissar mit einem Bild aus vergangenen Zeiten: Immer Drama mit dem Karma

Der Kommissar mit einem Bild aus vergangenen Zeiten: Immer Drama mit dem Karma

Foto: Bettina Müller / HR

Das Bild:

Das Lächeln der Vergangenheit: Aus dem Gestern grüßt in diesem Erinnerungs-»Tatort« eine junge Frau, die auf körnigem Super-8-Material dem offenbar verliebten Menschen hinter der Kamera zuzwinkert.

Der Dialog:

Murot verhört mit der Kollegin Wächter (Barbara Philipp) einen verdächtigen Protzer aus der Finanzindustrie, der in seinem Büro eine Installation aus Buddha-Maske und kleinem goldenem Bällchen ausgestellt hat. Der Kommissar fummelt an dem Teil, und das Bällchen rollt davon.

Investmentmanager: »Das war mal ein Golfball. Faszinierend, was in einem Künstlerkopf so alles passiert. ›The Buddha and The Tiger‹. Ein Werk aus dem Jahr 2001. Hab ich mal für 3000 Dollar gekauft. Jetzt ist es 300.000 Dollar wert.«

Kommissarin Wächter: »Tolle Wertsteigerung. Sie wissen, wie es geht – was?«

Die Musik:

»Estancia Op. 8« von Alberto Ginastera . Während im Fernsehen eine Konzertaufnahme des Balletts des argentinischen Komponisten läuft, wird ein Mann gefoltert und gewürgt. Weil der Peiniger so ergriffen von der zweiten Szene aus Ginasteras Werk ist, bringt er sein Opfer eher aus Versehen um. Nach dieser dramatischen Musik – wie immer beim hessischen »Tatort« vom HR Rundfunkorchester eingespielt – sorgt der flächendeckend zur Geltung kommende Exotica-Sound von Khruangbin  für Entspannung.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Krank, gefühlvoll, glücklich machend: Nach Western-, Zeitschleifen- und Doppelgänger-Grotesken zeigt sich Tukurs Kommissar Murot von seiner verletzlichsten und menschlichsten Seite.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Murot und das Gesetz des Karma«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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