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"Tatort" mit Ulrich Tukur: Öffentlich-rechtliche Eitelkeiten

Foto: HR/ Kai von Kröcher

ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" mit Ulrich Tukur im Schnellcheck

Wer bin ich? Was bin ich? Wo bin ich? Ulrich Tukur jagt in diesem Krimimeisterwerk auf verschiedenen Wirklichkeitsebenen einem Mörder hinterher. Ein "Tatort", so irre gut, man möchte durchdrehen vor Glück!

Das Szenario:

Kommissar oder Schauspieler, Opfer oder Mörder? In diesem Krimi geraten alle Kategorien durcheinander. Eben noch stand Ulrich Tukur als Ermittler Felix Murot vor der Kamera, da gerät der Darsteller in diesem Film-im-Film-"Tatort" selbst in den Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Opfer einer Intrige? Zu viel Restrotwein vom Bergfest im Blut? Oder einfach am Filmset irre geworden? Egal, fortan jagt Ulrich Tukur als Ulrich Tukur durch verschiedene Wirklichkeitsebenen dem Mörder hinterher. Bald erscheinen weitere reale Kommissardarsteller am Set, etwa Wolfram Koch vom Frankfurter "Tatort" oder Martin Wuttke vom abgewickelten Leipziger "Tatort".

Der blutigste Moment:

Gleich am Anfang inspiziert Tukur als Murot in einem Parkhaus eine übel zugerichtete Leiche. Kurz darauf steht diese Leiche - Loch im Kopf, Blutflecken auf dem Jackett - quicklebendig an der Kaffeekanne neben ihm und grüßt: "Ulli, wie läuft's?" Auch ein Leichendarsteller braucht mal eine Kaffeepause.

Der böseste Dialog:

Murot-Darsteller Tukur trifft im Fahrstuhl den "Tatort"-Kollegen Wolfram Koch und erzählt ihm, dass auf dem Bergfest der Assistent der Produktion ums Leben gekommen ist: "Der war erst 19." Koch einfühlsam: "Das ist hart, boah, Mensch, Mensch." Dann ganz ungeniert: "Du Ulli, kannst Du mal fragen, wenn Du jetzt so viel mit der Polizei zu tun hast, ob die immer mit zwei Händen schießen?" So sind sie, die Schauspieler: Das Leben (und Sterben) der anderen interessiert nur, solange sie daraus für die eigene Performance Vorteil schlagen können.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Nicht vorhanden. Aber wie die Darsteller und Filmemacher des HR-"Tatorts" in einer rigorosen Nabelschau die Hosen runterlassen, das ergibt einen klugen, saukomischen und herrlich impertinenten Metakrimi.

Der Plausibilitätsfaktor:

Extrem hoch! Lesen Sie Montagfrüh einen etwas anderen "Tatort"-Faktencheck, in dem wir die vielen Anspielungen auf den deutschen Fernseh-, Film- und Kulturbetrieb nachzeichnen.

Die Bewertung:

10 von 10 Punkten. Nach dem Krimiwesternbastard "Im Schmerz geboren" ein weiteres "Tatort"-Meisterwerk mit Ulrich Tukur.


"Tatort: Wer bin ich?", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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