ARD-Krimiwiederholung Der Falke-»Tatort« im Schnellcheck

Waren die alten Zeiten auf dem Kiez wirklich golden? Nach dem Mord an einem Puffbesitzer streifen Falke und Grosz durch Großbordelle und Absturzbars. »Tatort« ohne falsche Nostalgie – Absturz garantiert.
Streifzug über die Reeperbahn: Falke (Wotan Wilke Möhring) in einem Billigpuff

Streifzug über die Reeperbahn: Falke (Wotan Wilke Möhring) in einem Billigpuff

Foto: Christine Schroeder/ NDR

Dieser Text erschien in seiner ursprünglichen Fassung zur Erstausstrahlung des »Tatorts« am 9. Februar 2020.

Das Szenario:

Ein Streifzug durch die Bordellsilos der Gegenwart und die Bars von gestern. Wo einst auf der Reeperbahn deutsche Rotlichtgrößen ihren Geschäften nachgingen, da herrschen jetzt die Albaner. Nach dem Mord an einem der letzten alteingesessenen Puffbetreiber geht dessen Handlanger (großartig: Michael Thomas) auf einen Rachefeldzug. Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) nimmt die Fährte auf, und er weiß auch genau, wo er suchen muss, denn einst haben der Bulle und der Haudrauf zusammen an den Türen verschiedener Kiezklubs gearbeitet. Absturz garantiert.

Der Clou:

Die Reeperbahn im Wandel der Zeit. Dieser »Tatort« zeigt, wie die Albaner die Geschäfte des alten deutschen Kiezadels übernommen haben – aber die Filmemacher sind schlau genug, nicht das Lied vom besseren Gestern zu singen. Glaube niemals einem Luden, der sagt, früher sei alles besser gewesen! Regisseurin Mia Spengler hat danach noch einen weiteren Kiez-»Tatort« mit dem Team Falke/Grosz gedreht – da ging es um die Abgrenzungskämpfe der linken Szene auf St. Pauli.

Fotostrecke

Schlussverkauf auf St. Pauli

Foto: Christine Schroeder/ NDR

Das Bild:

Die Ermittler stehen mit grimmigem Blick vor einem Hotelzimmer, in dem sie einen Killer vermuten. Mit gezückten Pistolen reißen sie die Tür auf – und dahinter krakeelt ein Haufen junger Hühner beim Junggesellinnenabschied: »Stripper!« Ach Reeperbahn, wohin ist es mit dir gekommen!

Der Dialog:

Vor dem Wohnhaus auf Hamburg-St.-Pauli, in dem der Bordellbetreiber ermordet wurde:

Passant: »Wird da wieder eine Wohnung frei? Freut sich wieder so ’n Hipster. Und dann schön aufregen, wenn nicht um zehn Ruhe ist auf dem Kiez.«

Kommissar Falke: »Seh ich aus wie ’n Makler?«

Der Song:

»Bette Davis Eyes« von Kim Carnes . Der Song läuft in einer verqualmten Souterrain-Bar auf St. Pauli, hinter dem Tresen steht eine Bardame, die tatsächlich ein wenig an die späte Bette Davis erinnert: gezeichnet vom Leben, aber ein atlantikblauer Blick, der einem immer noch durch Mark und Bein geht.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Dieser »Tatort« mit seinen vielen kaputt gerauchten und gesoffenen Typen spielt mit dem Image von Hamburg-St.-Pauli – fällt aber trotz des Titels nicht auf die Legende von den goldenen Zeiten auf der Reeperbahn herein. Astra kalt stellen, Kippen bereitlegen.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Die goldene Zeit«, Sonntag, 20.35 Uhr (!), Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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