ARD-Sonntagskrimi Der neue Falke-"Tatort" im Schnellcheck

Deutschland rechts außen: Der "Tatort" mit Grosz und Falke taucht tief in die Welt des AfD-Populismus ab. Brisanter Stoff!

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Punk trifft Rechtspopulistin. Weil die Politikerin Nina Schramm (Anja Kling), Gallionsfigur der Partei Neue Patrioten, anonyme Morddrohungen erhält, wird Bundespolizist Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) zu ihrem Schutz abkommandiert. Falke hört gerne die Ramones und trägt auch schon mal T-Shirts der linksradikalen Hardcore-Band Minor Threat. Was sich die beiden zu sagen haben? Eine Menge! Während die Populistin dem Punk aus Hamburg-Billstedt ihre Pamphlete gegen Eliten und Ausländer angedeihen lässt, hält dieser ein aufwühlendes Trotz-allem-Plädoyer für die multikulturelle Gesellschaft. Derweil feilen Parteistrategen in den Hinterzimmern an einem Komplott, und draußen marschieren Linksautonome auf.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Zu zeigen, wie ganz weit rechts außen Parteipolitik gemacht wird. Es wird die Spaltungsrhetorik der Neuen Rechten vorgeführt, es treten die ideologischen Hintermänner auf, es intrigiert hier jeder gegen jeden. Die "Tatort"-Verantwortlichen sprechen von einem Film über Rechtspopulismus generell, doch von den auftretenden Figuren bis zu Sprachdetails: Hier stand eindeutig die AfD Pate.

Deutlichster Verweis auf die reale Partei:

Ein Polizeibeamter, der die Neuen Patrioten beobachtet, erklärt seinen Kollegen, die Partei habe sich "von einer Partei der Professoren und Europa-Skeptiker hin zu einer jung-dynamischen rechtspopulistischen Bewegung" verwandelt. Von Lucke, Meuthen und Petry zu Gauland, Höcke und Sayn-Wittgenstein - will hier noch jemand leugnen, dass dieser "Tatort" von der AfD handelt?

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"Tatort" über Rechtspopulismus: Falkes Kampf

Deutlichster Verweis auf eine reale Person:

"Westentaschen-Goebbels!" So beschimpft Falke in diesem "Tatort" einen rechtspopulistischen Stimmungsmacher, der im Hintergrund die Strippen zieht und über sein eigenes Internetmagazin Verschwörungstheorien verbreitet. Ein eindeutiger Verweis auf den "Compact"-Herausgeber und Vordenker der Neuen Rechten, Jürgen Elsässer.

Der Plausibilitätsfaktor:

Relativ hoch. Das innerparteiliche Komplott ist zwar recht wackelig gebaut und die linksautonomen Aktivisten sind sehr holzschnittartig geraten - das Figurenensemble vom äußersten Rand des deutschen Parteienspektrums ist aber bis in die vielen verfänglichen Details stimmig.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Klasse, dass Wotan Wilke Möhrings Falke wieder in Hamburg ermitteln darf, weil die Aktivitäten von Til Schweigers Tschiller zur Zeit auf Eis gelegt sind. Auch Franziska Weisz als Kommissarin Grosz entwickelt immer mehr Profil, sie geht in ihrer Rolle ebenfalls auf Tuchfühlung mit der Rechtspopulistin, die vor allem im frustrierten Beamtenmilieu ihre Wähler sucht. Brisanter Stoff. Was die AfD wohl dazu sagt?

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter! Und hier geht es zum Video-Beitrag über den neuen "Tatort".

"Tatort: Dunkle Zeit", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
peterpahn 17.12.2017
1. Die Tatort-Commnity ist hellwach, und ich bin nicht sicher, ...
Die Tatort-Community ist hellwach, und ich bin nicht sicher, ob die Art und Weise der Auseinandersetzung mit der aktuellen Parteipolitik nicht auch nach hinten losgehen könnte, insofern, dass selbst Kritiker der AfD dieser lieber mit einem argumentativen inhaltlichen Ansatz begegnen, als hier mit einem künstlerrisch-emotionalen, gegen den die AfD sich wirklich überhaupt nicht wehren kann, weil der Tatort als Endprodukt quasi auf allen emotionalen Ebenen anspricht, abschreckt, verurteilt und so weiter. Ich bin aber mal gespannt, trotz allem!
Leser161 17.12.2017
2. Widersinnig
Unser Populismus gegen deren Populismus. Wer den größeren Hammer hat gewinnt. Dachte das wollten wir hinter uns lassen.
inmyopinion61 17.12.2017
3. Danke für die Warnung.
Klingt eher nach -8 Punkten. Wir wollen einen möglichst spannenden Krimi sehen und keine GEZ-finanzierte Anti-AfD Propaganda. Und nein SPON, ich bin kein AfD Fan sondern Krimi Fan.
kristallblu 17.12.2017
4. Viel zu realistisch
Tatort war früher ein spannender Krimi in einer fiktiven Welt. Heute sind die Themen derart realitätsbezogen, da kann ich gleich spiegel online lesen. Ich wünsche mir am Sonntagabend keinen politischen Doku-Krimi mit ständig schlechtgelaunten Kommissaren, die im breiten o-beinigen Militärschritt durch die Flure laufen, sondern spannende Unterhaltung, spritzige Dialoge und Action. Rechts-und linksextremistische, islamistische Terrorakte sehe ich ja schon kurz vor dem Krimi in der Tagesschau. Ich will im Tatort nicht belehrt werden, darüber was/wer moralisch gut oder böse ist. Ich will im Sonntagabend-Krimi keine Reality-Soap sehen! Da schalte ich lieber auf 3sat: Mord im Orient-Express, schon tausendmal gesehen, aber immer wieder angenehme Spannung, tiefgründige Blicke von Verdächtigen!
Skeptiker99 17.12.2017
5. kann ich mal das Zimmer von ihrem Sohn sehen?
Ich nehm dann mal einfach so seinen Computer mit. Wenn das realistisch ist werde ich die Polizei niemals freiwillig in meine Wohnung lassen.
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