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Polit-"Tatort": DSK lässt grüßen

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ARD-Krimi Der neue Odenthal-"Tatort" im Schnellcheck

Progressiv, potent, enthemmt: Der Ludwigshafener "Tatort" am Pfingstmontag handelt von einem Machtmenschen, der an den Skandalpolitiker Dominique Strauss-Kahn erinnert. Aufregerthema, sauber inszeniert.

Was ist das Thema?

Politik, Macht, Hybris. Der ehemalige pfälzische Ministerpräsident Joseph Sattler (Peter Sattmann), der inzwischen EU-Kommissar ist, kämpft in Brüssel für die Frauenquote, pflegt privat aber ein ausbeuterisches Verhältnis zum anderen Geschlecht. Schon mehrmals war er wegen Vergewaltigung angeklagt, jetzt gerät er ins Visier von Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), da ein Zimmermädchen zu Tode gekommen ist, nachdem es mit ihm bezahlten Sex hatte.

Wie blutig ist die neue Folge?

Mäßig blutig, mäßig explizit. Dabei lädt das Thema - Sex und Crime im Politmilieu - zu Voyeurismus ein. Dieser Gesellschaftskrimi entwickelt aber auch ohne spekulatives Beiwerk seine Wirkung.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Sagen wir mal so: Die Verantwortlichen geben sich keine Mühe, zu verschleiern, dass sie sich vom Fall Dominique Strauss-Kahn inspirieren ließen. Progressiv, potent, enthemmt: Hier wird noch einmal der Widerspruch zwischen politischem Anspruch und privatem Verhalten durchgespielt.

Der beste Auftritt?

Suzanne von Borsody als kluge Frau des Polit-Schweins; sie ist sozusagen die Anne Sinclair in dieser Geschichte. Schon in dem Gesellschaftsdrama "Männertreu", für das sie mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, hatte die Schauspielerin als Ehefrau eines Medienstars gezeigt, wie man Würde bewahrt, während der eigene Mann mit heruntergelassener Hose durch die Redaktionen stampft.

Wer sind die Verantwortlichen?

Regisseur Tim Trageser hat schöne "Tatorte" wie die Münchner Folge "Der Traum von der Au" in Szene gesetzt oder das handfest komische Rollstuhlfahrerdrama "Einer bleibt sitzen". Die Drehbuchautoren Stefan Dähnert und Patrick Brunken haben schon gemeinsam das Drehbuch zum Steuerkrimi "Die Fahnderin" mit Katja Riemann geschrieben. Dähnert hat zuvor auch das Buch zu dem brisanten Furtwängler-Doppel-"Tatort" über den Hannoveraner Politfilz geliefert. Auch da war es - Wulff! Schröder! Maschmeyer! - um reale Vorbilder gegangen.

Und: Können wir das alles glauben?

Ja, im Großen und Ganzen schon. Die Nebenfiguren sind allerdings recht platt geraten.

Lohnt das Einschalten?

Ja. Relativ sauber inszeniertes Aufregerthema. Wer es süffiger mag, besorgt sich Abel Ferraras Kolportage "Welcome to New York", in der sich Gérard Depardieu als DSK durch die Hotelsuiten säftelt.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Roomservice", Pfingstmontag, 20.15 Uhr, ARD

cbu