Fotostrecke

"Tatort" mit Harald Krassnitzer: Barocker Bösewicht in barocker Tracht

Foto: ARD

Agenten-"Tatort" aus Wien Liebesgrüße vom Mossad

Persische Diplomaten fallen aus Hotelfenstern. Wiener Lobbyisten verdealen Ventile für Kernreaktoren. Die österreichischen "Tatort"-Cops Fellner und Eisner sind mitten drin in der Agenten-Action ums Iranische Atomprogramm.

Ein Güterzug rast aus Wien Richtung Bratislava. Die Ladung soll über Indonesien in den Iran gehen. In den Containerwagen befinden sich 2500 Ventile zum Bau von Kernreaktoren. Auf der Straße neben dem Gleis düst ein Polizeiwagen, dessen Insassen an Bahnübergängen immer wieder den Transport zu stoppen versuchen.

"Wir zwei mitten im Agentenkrieg", hatte Bibi Fellner (Adele Neuhauser) schon vorher ihrem Kollegen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zugeraunt, mit dem sie jetzt im Auto den Güterzug verfolgt. Es klang so, als läge ein hübsches Versprechen in diesem Satz.

Mit amtlicher Agenten-Action hält es sich bei Fellner und Eisner dann allerdings doch in Grenzen; man muss den Stationsvorsteher eines Provinzbahnhofs bitten, den Güterzug aufs Abstellgleis umzuleiten, damit die gefährliche Fracht nicht über ein Drittland den Atomtechnikern im Iran zugespielt werden kann. Bond hätte eine andere Lösung gefunden.

Hat der Mossad seine Hände im Spiel?

Wien als Knotenpunkt im Kampf um das iranische Atomprogramm, das liegt ja schon nahe, weil hier die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) ihren Sitz hat. Ideale Ausgangsposition, um die österreichischen "Tatort"-Ermittler am ganz großen Verschwörungs-Rad drehen zu lassen. Tragikomische Knalleffekte inklusive.

Gleich zur Eröffnung schlägt einem vor einem Nobelhotel wartenden Taxifahrer ein Menschenkörper aufs Autodach. Ein iranischer Diplomat, der ins Atomprogramm involviert ist, hat sich aus dem Fenster gestürzt. Oder er wurde gestoßen. Angesichts der aufwendig organisierten Opernkarten für den nächsten Abend wohl eher letzteres, wie Eisner und Fellner kombinieren, nachdem sie das Hotelzimmer durchsucht haben.

Könnte der israelische Geheimdienst seine Hände im Spiel haben? Bald ist von einer Spezialtruppe des Mossad die Rede, die unter dem Decknamen "Kidon" - hebräisch für Bajonett - operiert und den Verantwortlichen des Atomprogramms schon einige Stöße versetzt haben soll. Fünf oder sechs Mitarbeiter wurden angeblich bereits auf ähnliche Weise ausgeschaltet.

Das Szenario in diesem Agenten-Krimi ist durchaus plausibel, es gibt viele Verweise auf reale Vorkommnisse im Konflikt um die atomtechnischen Bemühungen des Iran. Und doch erreicht der "Tatort" (Regie: Thomas Roth, Buch: Max Gruber) diesmal nicht die schmerzhafte Wucht und gesellschaftspolitische Dichte wie in den Folgen der letzten beiden Jahre, etwa wie das Prostitutionspanorama "Angezählt", das 2014 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Wie die Ermittler hier im ganz großen Stil mit den Strippenzieher hinter illegalen Waffengeschäften und Technik-Deals aufräumen, das folgt am Ende ein bisschen zu sehr der James-Bond-Logik: Die Fäden laufen beim Lobbyisten Trachtenfels-Lissé (Udo Samel) zusammen, der nicht nur einen barocken Namen trägt, sondern auch barock wohnt und sich barock kleidet. Ein Dr. No in Strumpfhose - der ein riesiges juristisches Heer im Rücken hat. 300.000 Seiten Aktenmaterial hat ein einsamer Staatsanwalt gegen ihn gesammelt, aber die 15 Top-Anwälte nehmen die Anklage immer wieder leicht auseinander.

Als Finale wird dem Waffenschieber doch noch der Prozess gemacht. Im Mossad-Style. Inszeniert wird das ganze übrigens als Happy-End. Über dieses Ende sollten wir nach Ausstrahlung noch mal diskutieren.


"Tatort: Deckname Kidon", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.