ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Kiel im Schnellcheck

Der Psycho ist wieder da: Als Spanner mit Helfersyndrom setzt Lars Eidinger ein weiteres Mal den Kommissaren Borowski und Brandt zu. Dieser "Tatort" ist ein gekonnt dreckiges B-Movie.

NDR/ Philip Peschlow

Das Szenario:

Kai Korthals ist zurück. In einem Kieler "Tatort" vor drei Jahren "erfreute" Lars Eidinger als Spanner auf der Suche nach Anschluss die Menschen von Kiel mit zweifelhaften Päckchen und noch zweifelhafteren Zärtlichkeiten. Jetzt hat er mit einer Borderlinerin Nachwuchs gezeugt und drangsaliert erneut Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Brandt (Sibel Kekilli).

Der blutigste Moment:

Nicht blutig, aber verstörend: Korthals verstaut die noch lebende Mutter seines Kindes in einem Kühlschrank und stellt diesen Kühlschrank an den Strand. Die Frau befreit sich und malt später wie im Wahn großflächige Kohlezeichnungen von dem Psycho, der sie zugleich peinigt und beschützt: geliebtes Monster!

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Gibt keinen. Dieses B-Movie-Sequel ist Psychohorror pur.

Ein schrecklich wahre Szene:

Kommissar Borowski beim Rotwein zu seiner zukünftigen Schwiegermutter: "Ich wollte immer Verbrecher werden. Ich habe sechs Semester forensische Anthropologie studiert, dann wurde mir klar, dass man Verbrecher und Psychologe werden kann: Man wird Beamter!"

Eine schrecklich schlichte Szene:

Das sonderbare Verlies, das der Psycho Korthals für seine Geiseln gebaut hat, wirkt doch sehr wie ein Abklatsch aus dem Billo-Sadisten-Schocker "SAW".

Der Plausibilitätsfaktor:

Relativ hoch. Wie hier das Kranke seziert und zelebriert wird, das ist in sich schlüssig. Ab und an kippt die Geschichte ins Abstruse, aber Eidinger als Korthals kriegt uns auch in der Fortsetzung noch immer an unseren Ängsten gepackt. Darf gerne zur Trilogie ausgebaut werden.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

cbu



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
TomRohwer 29.11.2015
1.
Für "Borowski"-Tatorte wurde das schöne deutsche Wort "unguckbar" erfunden... Verschwurbelter, gequirlter Mist.
Lügenimperium 29.11.2015
2. @TomRohwer
Zum Glück sind Geschmäcker verschieden. Außer bei Jauch, der ist nämlich tatsächlich unguckbar nach dem Tatort. Deswegen verschwindet er heute abend endlich.
bietbauer 29.11.2015
3. Kein gesellschaftspolitischer Auftrag?
Sehr gut! Guck ich! Je freakiger, desto besser! Futter für Gehirn! Andere Tatorte nerven wirklich mit ihren sozialkritischen Hintergründen, Betroffenheitsgetue, Pseudo-Bildungsaufträgen und vorhersehbaren Handlungen.
ed_tom_bell 29.11.2015
4. Wenn der Postmann gar nicht klingelt
Da freu ich mich schon drauf. Den ersten Borowski mit Korthals habe ich gerade gestern abend ertmals gesehen. Dammich spannend, wenn auch hier und da mit ein paar klitzekleinen Unglaubwürdigkeiten und Platitüden. Das hielt sich aber in Grenzen. Insbesondere die Schlussszene mit dem Krankenwagen ließ mich sehr an "Das Schweigen der Lämmer" denken. Wenn der neue jetzt an "SAW" erinnert, hätte ja eigentlich dazwischen noch eine "SEVEN"-Reminiszenz gehört. Nur um die Genese vollständig abzubilden. Aber egal, der Abend dürfte schon mal gerettet sein. Einen gesellschaftspolitischen Auftrag hatte zumindest der erste aber schon: Seid nett zu eurem Briefträger - bei dem ist eure Privatsphäre in guten Händen. Und lasst kein Laugengebäck herumliegen!
windpillow 29.11.2015
5. Zugabe
Ach, was war der Axel Milberg doch für ein klasse Theater-Schauspieler. 1994, in den Münchner Kammerspielen als -Caliban- in Shakespeares "Der Sturm", in der Inszenierung von Dieter Dorn. Aber jetzt...? -Back to the theatre-roots, Herr Milberg!
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