Krimi-Vote Wie fanden Sie den Altenpflege-"Tatort"?

Not, Stolz und Gewalt im Pflege-Milieu: Der Stuttgart-"Tatort" war ein aufwühlendes, virtuoses Krimi-Drama. Oder sind Sie anderer Meinung?

Maor Waisburd/ SWR

Solch verstörend lakonische Nacktheit gab es im "Tatort" wohl noch nie. Am Ende des Krimis über Not, Stolz und Gewalt im Pflege-Milieu sahen wir die Pflegerin in aneinander geschnittenen Szenen, wie sie sich vor ihren alten Patienten entkleidete, während diese sich selbst befriedigten. Ein schauspielerischer Balance-Akt, den Katharina Marie Schubert souverän und würdevoll meisterte.

In unserer Kritik schrieben wir: "Der Krimi rast in seiner Erzählung voran, springt zwischen den Zeiten und widersprüchlichen Aussagen und spielt dabei gehörig mit den Emotionen der Zuschauer. Und doch führt die Handlung am Ende ins existenzielle Zentrum: dem Menschen in seiner brutalen, nackten Bedürftigkeit. Ein 'Tatort' über das Sterben, dem Leben abgerungen." Wir vergaben 10 von 10 Punkten. Wie fanden Sie den Krimi?

Das Drehbuch zu dem doppelbödigen und dialogstarken "Tatort" stammte von Wolfgang Stauch. Der ist auch für die Stuttgarter Folge verantwortlich, die vor ein paar Tagen Drehstart hatte. Es wird der 25. Fall für Lannert und Bootz sein. "Stadt der Angst" ist der Titel, es geht um die Jagd auf einen Heckenschützen, und nach der kammerspielartigen Folge "Anne und der Tod" soll es diesmal raumgreifende Action geben. Regie führt Friederike Jehn, die mit Stauch auch schon das wunderbare Loser-Porträt "Der Andi ist wieder da" gedreht hatte.

cbu



insgesamt 55 Beiträge
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wolfgang.reinhard 20.05.2019
1. Ein Versuch
in 90 Minuten das komplexe Thema Altenpflege im Umfeld der gesetzlich eng geregelten und damit einfach überprüfbaren Vorgaben und Vorschriften darzustellen und das Spannungsfeld zum Pflegepersonal mit seinen Vorstellungen von Patientennähe auszuloten, um das Ganze dann in einen "spannenden" Ermittlungsfall für zwei voreingenomme, besserwissende und verweifelt belastendes Material suchende Ermittler zu pressen, ist grandios gescheitert. Es kann einem Angst und Bange werden, in eine solche Untersuchungsmühle zu geraten, an deren Ende unbedingt ein Ergebnis stehen muss: egal wie.
biesi61 20.05.2019
2. Ein starker Film über die Probleme in der Pflege!
Unglaubwürdig nur, dass sich irgendwo in Deutschland eine - in der Regel ja stark überlastete - Ermittlungsbehörde bei derart magerem Anfangsverdacht so tief in den Fall verbeißen würde.
Hexavalentes Chrom 20.05.2019
3. 10/10
Dreifaltigkeit des Todes: Ein Mord, ein Selbstmord, ein Unfall. Anne und Godzilla überragend. Montage überragend. Man kann der Ankündigung nur zustimmen 10/10. Was für ein Zwischenreich: Die Frau zwischen Vater und Sohn. Präsent in vollkommener Absenz. Nackt am Pflegebett. Auch das ist Leben. Wirklich phantastisch.
quidquidagis1 20.05.2019
4. Vor allem..
..glänzte dieser Tatort durch eine hervorragende Frau Schubert als Anne!Grandios wir sie das spielte!
Larosen 20.05.2019
5. Ein Tatort der anderen Art
Ich fand es sehr bemerkenswert, dass im Tatort jemand für einen Mord gesteht, der eigentlich ohne die Beteilig einer zweiten Person geschah und ein Unfall war nur um den eigenen Stolz angeblich damit zu behalten. Das Thema ist Brand aktuell und man kann sich gut in die Pflegerin versetzen, die einen sehr anstrengenden Sohn hat. Definitiv 10/10. Der Regisseur sollte vielleicht auch in Saarbrücken anfangen, die könnten es brauchen. ;)
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