Krimi-Wiederholung Der München-»Tatort« im Schnellcheck

Axt raus zur Medienkritik: Dieser »Tatort« aus dem Jahr 2013 knöpft sich YouTube-Voyeurismus und Trash-TV-Bösewichte vor. Bisschen veraltet aus heutiger Sicht – aber mit Witz und Wumms inszeniert.
Internet-Reporter Albert A. Anast (Alexander Schubert): Die Dreckschleuder aus dem Netz

Internet-Reporter Albert A. Anast (Alexander Schubert): Die Dreckschleuder aus dem Netz

Foto: BR

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In der Sommerzeit zeigt das Erste nur »Tatort«-Wiederholungen. Dieser Text erschien in seiner ursprünglichen Version zur Erstausstrahlung am 22. Dezember 2012.

Das Szenario:

Das Reporter-Monster, das aus dem Internet kam: Für einen kleinen Webkanal führt Albert A. Anast (Alexander Schubert) Menschen vor und vernichtet durch die virale Verbreitung seiner Schmähfilmchen ganze Existenzen. Gerade als er eine eigene Show bei einem richtigen Fernsehsender kriegen soll, verschwindet er spurlos. Die Ermittler Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) treffen etliche Menschen, die gute Gründe dafür haben, die YouTube-Dreckschleuder Anast zum Teufel zu wünschen.

Der Clou:

Achtung, Medienkritik! Den Schauspieler Alexander Schubert kennt man vor allem als Aggro-Außenreporter Albrecht von Humboldt aus der »heute show«. Hier variiert er seine Paraderolle und nimmt Anleihen bei der einstigen RTL-Voyeurismus-Queen Vera Int-Veen vor. Als Schuberts Anast für seine Realityshow in die dreckige Wohnung einer Frau eindringt und die Müllberge kommentiert, ist das tatsächlich gefilmt wie eine Szene aus Int-Veens einstigem Menschenjägerformat »Mietprellern auf der Spur«. Der »Tatort« stammt aus dem Jahr 2013 – und wirkt angesichts der Anstrengungen von RTL, seriöser zu werden , leicht veraltet.

Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) mit Pfarrer (Ernst Stötzner): Medienschelte auf die martialische Tour

Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) mit Pfarrer (Ernst Stötzner): Medienschelte auf die martialische Tour

Foto: BR

Das Bild:

Eine schmierige Wurstbraterei vor den Toren Münchens. Hinter dem Tresen ein wütender Koch, der den Kommissaren erzählt, wie er und seine Frau von dem Trash-TV-Geiferer vorgeführt worden sind. Der Koch wird von Gregor Weber dargestellt, der kurz vor dem Dreh des München- »Tatort« als Ermittler im Saar- »Tatort« vor die Tür gesetzt wurde. Weber hing danach seine TV-Karriere an den Nagel und wurde – Koch. In seinem Cameo guckt er den Kommissaren tief in die Augen, während er mit einem riesigen Messer blitzschnell Mohrrüben zerkleinert.

Der Dialog:

In der Internet-Klitsche von Anas sprechen die Kommissare mit der Ko-Geschäftsführerin.:

Batic: »Was gab es denn am Freitag zu feiern?«

Geschäftsführerin: »Unsere Siegesfeier. Wir haben im Internet angefangen, Albert, Nick und ich. Drei Jahre war es echt beinhart. Aber dann hatten wir langsam eine Fangemeinde. Sponsoren, Werbeeinnahmen. Und jetzt steigt ein Fernsehsender bei uns ein. Wir haben ein eigenes Format. Und jetzt …«

Leitmayr: »Und jetzt hier …« (Macht mit Daumen und Zeigefinger das Zeichen dafür, dass der Rubel rollt.)

Der Song:

»Work it Out« von Missy Elliott . Die Beats dieser Sexaufforderung der Hip-Hop-Erneuerin geben ganz gut den bratzenden Grundton dieses »Tatort« wieder.

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten. Medienschelte auf die martialische Tour: Auch wenn dieser satirisch überdrehte Gesellschaftskrimi grob und anachronistisch wirkt – beim Wiedersehen entdeckt man ein paar schöne Anspielungen auf den Fernsehbetrieb anno 2013.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Allmächtig«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: SWR/Daniel Dornhöfer
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