"The Muppets" im Kino Der Filz, aus dem die Helden sind

Kermit hängt deprimiert auf einem Monsterschloss herum, Miss Piggy gibt eine Erfolgsredakteurin der "Vogue" - soweit ist es gekommen. Dabei weiß doch jeder: Frosch wie Schwein sind echte Rampensäue. Also planen die Puppen im Film "The Muppets" ihr Comeback auf der Bühne. Großes Kino!

Disney

Wer an große, nicht selten tragische Liebespaare in Hollywood denkt, dem fallen vermutlich Humphrey Bogart und Lauren Bacall, Spencer Tracy und Katherine Hepburn oder auch Richard Burton und Elizabeth Taylor ein. Doch was ist mit Kermit und Miss Piggy, der vielleicht langlebigsten amour fou des Showgeschäfts? Immerhin befinden sich der sensible Frosch und die impulsive Sau mit Faible für französische Lebensart seit Jahrzehnten im Beziehungslimbo. Antwort auf diese und andere drängende Boulevardfragen gibt nun "The Muppets", das fulminante Kino-Comeback des Puppenensembles nach zwölf Jahren Abwesenheit von der Leinwand.

Die Rückkehr von Kermit, Piggy, Gonzo, Fozzie Bär und all den anderen Stoffstars ins Rampenlicht ist zumal für ältere Fans, die mit den Figuren des 1990 verstorbenen Muppet-Schöpfers Jim Henson aufgewachsen sind, eine Herzensangelegenheit. Sie dürfen sich freuen, denn nach eher betulichen Auftritten in den neunziger Jahren tanzen die Puppen nun wieder mit der Verve der frühen Tage.

Dafür stehen auch die menschlichen Beteiligten vor und hinter der Kamera: Regisseur James Bobin schuf mit Sacha Baron Cohen "Da Ali G Show" und reüssierte zudem dank der surrealen Pop-Sitcom "Flight of the Conchords" als Spezialist für angenehm angeschrägte Inszenierungen. Dazu besinnt sich das Drehbuch von Jason Segel und Nicholas Stoller - beide durch ihre Mitwirkung in und an diversen Judd-Apatow-Komödien geschult - auf den anarchischen Charme des ursprünglichen TV-Formats.

Echte Stars werden aus Stoff gemacht

Segel, bei uns bekannt als einer der Stars der US-Sitcom "How I Met Your Mother", übernimmt darüber hinaus die menschliche Hauptrolle. Seine Leinwandpartnerin ist die wie immer großartige Amy Adams, und beide chargieren mit beinahe hysterischem, aber ansteckendem Enthusiasmus durch die kunterbunten Kulissen. Dabei reißen sie fortwährend ihre Augen und Münder derart weit auf, als wollten sie unbedingt mit den exaltierten Puppengesichtern mithalten.

Tatsächlich geht es im Plot auch um die Frage, was Menschen und Muppets ausmacht. Als Aufhänger wird dabei clever der durchaus reale Karriereknick von Kermits Unterhaltungsunternehmen zum Thema gemacht: Jahre nach dem Ende ihrer Fernsehshow scheinen die Muppets weitgehend von der Öffentlichkeit vergessen, doch in der amerikanischen Provinzstadt Smalltown träumt der unerschütterliche Fan Walter von einem Treffen mit seinen Kindheitshelden.

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Comeback der Muppets: Das ganze Leben ist 'ne Show
Dass der erstaunlich kleine, filzige und zudem orangenfarbene Walter selbst frappierend einer Puppe gleicht, wird dabei von seinen menschlichen Bruder Gary (Segel) erfrischend ignoriert. Gemeinsam mit Garys Verlobter Mary (Adams) reisen die Landeier eines sonnigen Tages nach Hollywood, um die Muppet Studios zu besichtigen. Aber die verlassene Produktionsstätte ist in einem erbarmungswürdigen Zustand und soll nach Wunsch des Öl-Tycoons Tex Richman (Chris Cooper) bald einem riesigen Bohrloch weichen. Um das Studio doch noch zu retten, will Walter die in aller Welt verstreuten Muppets für einen großen TV-Spendenmarathon wiedervereinigen.

Die Ausgangssituation ist indes entmutigend: Kermit lebt vereinsamt in einem riesigen Anwesen, das beunruhigend an Charles Foster Kanes "Xanadu" erinnert und einst ein gemeinsames Heim für ihn und Miss Piggy sein sollte. Die absente Schweinedame wiederum ist erfolgreiche Redakteurin für Übergrößenmode bei der Pariser "Vogue", Gonzo hat sein Glück mit Sanitäranlagen gemacht, und Fozzie tritt derweil in schummerigen Nachtclubs mit den dummdreisten Plagiatoren "The Moopets" auf.

Menschen sind auch nur Muppets

Im Zuge der turbulenten wie hindernisreichen Zusammenführung des Ensembles verdeutlicht der Film nochmals den grundsätzlichen Ansatz Hensons, der in den siebziger Jahren mit der "Muppet Show" für seine zuvor durch pädagogische Auftritte in der "Sesamstrasse" bekannt gewordenen Puppenschöpfungen ein erwachseneres Format schuf.

Darin verliehen die legendären Puppenspieler - die Muppeteers - nicht zuletzt den Makeln des Unterhaltungsgewerbes Gestalt, wie etwa kritikresistentem Dilettantismus (Fozzie), tragischer Hybris (der "große" Gonzo) oder eitler Egomanie (Miss Piggy). Das wurde jedoch sofort wieder aufgewogen durch Euphorie, Liebenswürdigkeit sowie ein gerüttelt Maß Sentimentalität. Die Muppets konnten somit das Showbusiness gleichzeitig fröhlich parodieren und glaubwürdig feiern.

Auch im neuen Film haben etliche Prominente einen bisweilen wirklich überraschenden Kurzauftritt. Zudem gibt es reichlich Anlass für aufwendig choreographierte Musikeinlagen und viel Situationskomik, wobei das Witzspektrum ganz Muppet-konform von simpel bis subtil reicht. Raum für Rührendes gibt es selbstverständlich auch, und dies nicht nur, wenn Kermits große Freundschaftsballade "The Rainbow Connection" angestimmt wird. "Deep in my heart, I'm a Muppet", bekennt etwa ausgerechnet Uncle Deadly, der ebenso grimmige wie plüschige Vincent-Price-Wiedergänger der Show, in einem gewichtigen Moment gefühliger Selbsterkenntnis. Hier wurde viel Liebe investiert.

Dabei ist "The Muppets" auch eine Ansage an die hausinterne Konkurrenz im Disney-Konzern, der Jim Hensons Erbe übernommen hat. So mag die ebenfalls zu Disney gehörende digitale Wunderschmiede Pixar zwar weiterhin das Maß der Dinge sein, doch die analogen Filzkollegen sind noch weit vom Rentenalter entfernt. Ihnen gebührt von Herzen Applaus, Applaus, Applaus.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
dennis_mundo 19.01.2012
1. Yeaah,
Zitat von sysopKermit hängt deprimiert*auf einem Monsterschloss herum, Miss Piggy*gibt eine Erfolgsredakteurin der "Vogue" - soweit ist es gekommen. Dabei weiß doch jeder: Frosch wie Schwein sind echte Rampensäue.*Also planen*die Puppen*im Film*"The Muppets" ihr Comeback auf der Bühne. Großes Kino! http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810002,00.html
sie sind zurueck. Oh Mann, mit meinen 37 Jahren freue ich mich so sehr auf diesen Film :)) Die Muppets Show war das Beste, das jemals im Fernsehen lief!
artikel.5 19.01.2012
2.
Zitat von dennis_mundosie sind zurueck. Oh Mann, mit meinen 37 Jahren freue ich mich so sehr auf diesen Film :)) Die Muppets Show war das Beste, das jemals im Fernsehen lief!
na, na na junger Mann, unsereins war sonntags komplett aus dem Häuschen wenn die kamen Puppenkiste - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=uSt0iAcQOGc)
Rubeanus 19.01.2012
3.
Hoffentlich ist auch mein Lieblings-Muppet dabei: Sam the Eagle - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=skkM2zPFPy0)
filmforist 19.01.2012
4. Applaus, Applaus, Applaus
Naja, großes Kino ist was anderes, dazu fehlt es an den Grenzen-überschreitenden Knallergags, die man von früher kennt.Eine gute Einschätzung gibt es hier: Kritikertipp.de (http://www.kritikertipp.de/wordpress/). Die Medien sind heute eben viel konservativer als vor 2000, das wirkt sich auch auf die Leichtigkeit respektloser Gags aus. Trotzdem kann man sich auf den Film freuen, die Muppets sind zurück und die Welt braucht sie dringender denn je. Viel Spaß und Applaus, Applaus, Applaus!
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