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"The Team": Wirbeln durch Europa

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Neue Krimiserie "The Team" It's the ZDF, stupid

Drei Länder, drei Ermittler, ein europaweiter Verbrechensring: Ab Sonntag zeigt das ZDF vorab online seine aufwendig produzierte Krimiserie "The Team". Gelingt dem Zweiten damit der Einstieg ins internationale Seriengeschäft?

Drei Aspekte, die für eine gute Serie sprechen: viel Geld, tolle Darsteller, dänisches Fernsehen. Die neue ZDF-Produktion "The Team" weist alles davon auf: Zehn Millionen Euro hat das Zweite für die vier Doppelfolgen lange Serie locker gemacht. Die Hauptrollen spielen die Belgierin Veerle Baetens ("The Broken Circle"), der Däne Lars Mikkelsen ("Kommissarin Lund") und die Deutsche Jasmin Gerat ("Kokowääh"). Und von Drehbuch über Regie bis Kamera zeichnen fast ausnahmslos vom dänischen Rundfunk geschulte Fachkräfte verantwortlich. Trotzdem ist "The Team" größtenteils Murks.

Weil kurz hintereinander Prostituierte in Berlin, Antwerpen und Kopenhagen auf dieselbe Weise ermordet werden, wird das titelgebende Team aus drei Ermittlern aus den jeweiligen Ländern zusammengestellt. Der dänische Kommissar Harald Bjørn (Mikkelsen) und die deutsche Kommissarin Jackie Mueller (Gerat) kennen sich - auch im biblischen Sinne - von einem früheren Fall, Alicia Verbeeck (Baetens) ist die ehrgeizige Newcomerin in ihren Reihen.

Zufälle und ein schlauer Computer

Wie die drei in der Folge zusammenarbeiten, wie sie herausfinden, was die drei ermordeten Frauen verbindet, und wie sie deren Mörder aufspüren, lässt sich ziemlich schwer beschreiben, weil es größtenteils auf Zufällen beruht. In der Wohnung von einer der Toten fällt den Ermittlern ein gemeinsames Foto der Frauen buchstäblich in die Hände, was sofort klärt, woher sie sich kennen. Ein Zuhälter hat Fotos aller seiner Prostituierten in der Wohnung hängen, was sofort klärt, wer für ihn arbeitet.

Am verblüffendsten ist aber die Szene, in der Jackie Mueller die Namen und Fotos aller Opfer, Verdächtigen und Beteiligten in einen Computer speist, dieser kurz die Fotos durcheinanderwirbeln lässt, um sodann einen Hauptverdächtigen aufzuzeigen. Vielleicht werden in der modernen Polizeiarbeit tatsächlich solche Algorithmen angewandt und übernehmen Computer einen Großteil der Arbeit. Nur würden sie dann, wenn nicht den Großteil des Personals von "The Team", so zumindest das ständige Hin- und Herreisen der Ermittler von Belgien nach Österreich und Dänemark nach Deutschland überflüssig machen?

Immerhin sorgen die häufigen Ortswechsel und Außendrehs für sehenswerte Kulissen und sind von Kaspar Gaardsøe und Kathrine Windfeld ("The Bridge") souverän inszeniert. Doch das Geld wäre noch besser in zwei, besser drei Überarbeitungen des Drehbuchs von Mai Brostrøm und Peter Thorsboe gegangen. Besonders die Backgroundgeschichten der drei Ermittler hätten entrümpelt gehört - schließlich umfassen sie, kein Witz!, Kuckuckskinder, alkoholkranke Eltern, sich prostituierende Geschwister sowie untreue Ehepartner, die zwischenzeitlich auch noch unter Mordverdacht geraten.

War was in der Alligatorenwurst?

Das alles zu erzählen, geht zulasten der eigentlichen Krimigeschichte. Von einzelnen Verfolgungsjagden und Rettungsversuchen abgesehen, entwickelt "The Team" überraschend wenig Spannung. So wird kaum klar, worauf die Ermittlungen - und damit die Serie - genau hinauslaufen sollen. Immer wieder tauchen kleinere Komplikationen und Verstrickungen auf, doch der große Bösewicht, ein skrupelloser osteuropäischer Menschenhändler und Mörder, ist schon nach kurzer Zeit ausgemacht. Den Rest der Zeit wird eigentlich nur in Variationen erzählt, wie böse dieser Bösewicht ist. Dass er zudem von Nicholas Ofczarek monoton bräsig gespielt wird, hilft auch nicht. Aber wie die meisten der Schauspieler (u.a. Nadeshda Brennicke, Jella Haase, André Hennicke) wird Ofczarek einfach nicht gewusst haben, was er mit dem schwachen Ausgangsmaterial anstellen soll.

Am lustigsten sind da noch die Szenen von Sunnyi Melles als alkoholkranker Jazz-Sängerin. Melles scheint ihr Agent nicht ausgerichtet zu haben, dass sie in einer öffentlich-rechtlichen Krimiserie mitspielt - oder sie hat es eigenständig ignoriert. Jedenfalls durchbricht sie mit ihrer grotesken Melodramatik immer wieder die sorgsam geschaffene Anmutung von slickem, international konkurrenzfähigem TV. In einer Szene spekuliert sie zum Beispiel darüber, ob einer ihrer Filmrisse nicht daher rührt, dass etwas in der Alligatorenwurst war, die sie in New Orleans gegessen hat.

Sich über die Schwächen von "The Team" lustig zu machen, ist natürlich billig. Komplizierter ist es dagegen, ihre Ursache zu benennen. Im Vorfeld hatte es Kritik von den Berufsverbänden der deutschen Drehbuchautoren und Regisseure gegeben, dass das ZDF auf Dänen für die entscheidenden Posten gesetzt hat. "Dass wir diesmal nicht mit Deutschen zusammengearbeitet haben, liegt nicht an einem vermeintlichen Mangel an hiesigen Talenten", sagt Creative Producer Andi Wecker. "Die Idee für die Serie ging vom dänischen Autorenpaar aus, deshalb wollten wir auch das Team um sie herum aufbauen."

Sieht man sich das Endprodukt an, kann man nur schwer behaupten, so viel Mittelmaß hätten deutsche Autoren und Regisseure nicht genauso hinbekommen. Die Frage, ob Deutsche oder Dänen am Werk sind, ist deshalb wohl egal. Entscheidender ist der ausführende Sender. Und solang der das ZDF ist, wird es auch trotz Geld, Darstellern und dänischer Beteiligung einfach nichts mit guten Serien.


"The Team" ist ab Sonntagmorgen, 22.2., in der Mediathek des ZDF abrufbar. Ab 8.3. läuft die Serie immer sonntags um 22 Uhr im ZDF.

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