Fotostrecke

"The Voice of Germany": Ivy schlägt sie alle

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

"The Voice of Germany"-Finale Alles toll hier

Es lief einfach zu glatt: Die Castingshow "The Voice of Germany" hat eine Siegerin, aber die großartige Ivy Quainoo dominierte die Konkurrenz so deutlich, dass kaum Spannung aufkam. Das war kein Wettbewerb, das war eine Krönungsmesse.

Als am Freitagabend um 23.10 Uhr fest stand, dass die 19-jährige Ivy Quainoo die Gewinnerin von "The Voice of Germany" war, hatte man zum ersten Mal seit Lena Meyer-Landrut das Gefühl, dass eine Castingshow ihr eigentliches Versprechen eingelöst hatte - nämlich einen Star geboren zu haben.

Drei gute Sänger traten im Finale gegen Quainoo an, der gefühlvolle Rocker Max Giesinger, die kraftvolle Soul-Sängerin Kim Sanders und der sanfte Singer-Songwriter Michael Schulte. Gegen Ivy Quainoo hatten sie aber keine Chance. Drei Mal mussten die Kandidaten insgesamt in der Finalshow singen, und drei Mal hängte sie Quainoo gnadenlos ab.

Das fing mit dem Duett mit ihren Coaches von The BossHoss an, mit denen sie die mitreißende Eröffnungsnummer "Say A Little Prayer For You" sang, setzte sich fort, als sie ihren eigenen Song, die Bond-Theme-ähnliche Uptempo-Nummer "Do You Like What You See" darbot und manifestierte sich schließlich am deutlichsten, als sie mit Florence and the Machine deren Hit "Shake It Out" sang und ziemlich offensichtlich mit dem Weltstar an Stimmkraft und Ausstrahlung mithalten konnte.

War das noch ein Finale oder schon eine Krönungsshow?

Fast konnten einem die anderen Kandidaten leid tun, denn sie alle hatten jeweils einen Auftritt, mit dem sie weit hinter ihren Möglichkeiten blieben - ja, fast bleiben mussten. Der blasse Rotschopf Michael Schulte sang mit dem blassen englischen Rotschopf Ed Sheeran dessen Ballade "The A Team". In seiner Heimat als Vorreiter eines neuen Schnarch-Pops geschmäht, musste man es nahezu als Drohung verstehen, als es in der Anmoderation zu Sheerans Auftritt hieß: Jetzt gibt es zwei von euch!

Dass Schulte mehr kann, zeigte er später, als er bei Nina Simones Klassiker "Feelin' Good" seinem Coach Rea Garvey stimmlich die Tür zeigte. Aber da war es dann eigentlich auch schon zu spät, und Schulte musste sich am Ende mit dem dritten Platz begnügen.

"Ich find das hier so toll, und ich find dich so toll"

Auch Max Giesingers Auftritt mit seinem Coach war kein Glücksgriff: Zusammen mit Xavier Naidoo machte er bei der Stones-Nummer "Paint It Black" keine nennenswerte Figur. Wie er aber von der zweifachen Echo-Gewinnerin Katie Melua in ihrer schnulzigen Ballade "Nine Million Bicycles" an die Wand gesungen wurde, hatte schon etwas Niedliches - so viel Respekt vor der Soft-Pop-Sängerin (oder eher ihren riesigen Reh-Augen?) war charmant unnötig.

Dass die US-Deutsche Kim Sanders schließlich auf den zweiten Platz kam, musste bei ihren Auftritten fast überraschen. Mit Marlon Roudette hatte sie den belanglosesten internationalen Duett-Star an die Seite gestellt bekommen, und ihr Auftritt mit Coach Nena brachte einen bislang unbekannten Moment von Fremdschämen in die Show: Im Sixties-Minikleid-Look sangen die beiden "Love Shack" von den B 52's.

Nena schien ab der ersten Show zeigen zu wollen, dass man tatsächlich IMMER begeistert sein kann. Wenn sie nicht schon zur Titelmusik aufsprang und ihren Arm in die Luft streckte, dann suppte sie die Sendung mit einem beständigen "Ich find das hier so toll, und ich find dich so toll" ein.

Der Partystampfer "Love Shack" brachte diese ziellos gute Laune auf den Punkt. Kim Sanders, die eigentlich dabei strahlen sollte, ging in der Mischung aus Betriebsfeier-zu-später-Stunde und Kindergeburtstag einigermaßen untern.

Bei "DSDS" und "Popstars" wäre Ivy durchgefallen

So zeigte das Finale von The Voice of Germany schließlich, worin so wohl die Stärken als auch die Schwächen des Formats gelegen haben. Zum einen hat mit Ivy Quainoo jemand gewonnen, der trotz Ausnahmetalent bei keiner anderen Castingshow hätte gewinnen können: Bei "DSDS" und "Popstars" hätte sie nicht ins heiße-Schlampen-Schema der Shows gepasst. Aber auch beim Eurovision-Casting "Unser Star für..." wäre die so sympathisch verstockte Afrodeutsche nicht weiter gekommen. In der ESC-Vorauswahl wird so stark auf Sängerinnen und Sänger gesetzt, die mit ihrem Selbstbewusstsein bereits den Auftritt vor einem Millionenpublikum stemmen können, dass die Entwicklung einer Stimme aus der zweiten in die erste Reihe gar nicht möglich ist. Genau das konnte Ivy Quainoo aber bei The Voice: sich mit ihrer Stimme den Weg nach ganz vorne bahnen.

Zum anderen machte sich im Verlauf der ersten Staffel - für eine zweite läuft bereits der Castingaufruf - trotz anfänglicher Knüllershows Langeweile breit. An den Reiz der sogenannten Blind Auditions, bei denen die Coaches die Kandidaten nicht sehen, sondern nur hören konnten, reichten keine der anschließenden Sendungen heran. Vor allem war es aber die scheinbar durch nichts zu zerstörende Harmonie zwischen Coaches und Kandidaten, die sich ab der Hälfte der Staffel nachgerade lähmend auf die Show legte.

Da fiel nicht nur Nena durch ihre Nonstop-Euphorie auf, sondern verstörte vor allem Xavier Naidoo durch bizarre Lobhudeleien. Warum er Kandidat Rüdiger den besten Sänger der Welt nannte und ihn dann sehr früh in der Staffel absägte oder Mic Donet bestätigte, dass der im Alleingang ein Grammy-würdiges Album aufgenommen habe, nur um im Halbfinale den merklich schwächeren Max Giesinger vorzuziehen, wird ein Geheimnis bleiben, das Naidoo mit in sein Mannheim nehmen wird.

In einem Punkt wollen wir Xavier Naidoo aber beim Wort nehmen. Jetzt müsse man zeigen, dass es in der Show auch um Nachhaltigkeit gehe, sagte er am Ende des Finales: Die gefundenen Talente sollen zu Künstlern mit dauerhaftem Erfolg aufgebaut werden. Wenn sie genau das bei Ivy Quainoo nicht schaffen, werden wir offiziell verzweifeln.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.