"The Voice of Germany" Übergefühlige Mützenmännchen

Ein neuer Weichknabe sitzt in der Jury, sonst ändert sich nichts: Bei "The Voice of Germany" treten immer noch Menschen auf, die etwas sehr gut können. Nicht aufregend, aber angenehm mümmelig.
"Voice of Germany"-Mannschaft

"Voice of Germany"-Mannschaft

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Keine Quäker, keine Schicksale, das ist immer noch der Deal. "The Voice of Germany" schafft es auch in der siebten Staffel, schwül-menschelnde Kitschvorlagen liegen zu lassen, bei denen andere Castingshows sofort die fiese Hintergrundfidelmusik ausgepackt hätte. Und so darf der Berliner Travestiekünstler Jade Pearl Barker einfach seinen "Moon River" singen, ohne vorher ein Schmonzstück über die vielfältigen Leiden abdrehen zu müssen, die das schöne, offensive Anderssein so mit sich bringen kann.

"The Voice of Germany", das ist immer noch aufregungsloses Mümmelfernsehen, und vermutlich muss man dazu sagen, dass das positiv gemeint ist.

Alle Auftretenden sind mindestens gut, einige sind sehr gut, auch die eingestreuselten Freaks sind nicht nur als Gaffmaterial dabei. Der 47-Jährige Sirenenrocker mit den Kajalaugen und den klobigen Glitzerbotten liebt "die Mu-sigg" (Betonung auf der ersten Silbe) und heisert sich perfekt durch einen Led-Zeppelin-Klassiker, die Frisörin aus der Steiermark hat für die Gesangskarriere ihren Job gekündigt, und während das in den meisten anderen Sendungen ein unverkennbares Alarmsignal ist, findet man das hier schon okay, nachdem man sie hat singen hören.

Und wenn zwischendurch ein freundlicher S-Bahn-Fahrer oder eine italienische Gastronomentochter auf der Strecke bleiben, müssen sich weder die ungebuzzerten Protagonisten noch der Zuschauer auf dem Sofa schämen, so etwas darf ja längst als fernsehunterhalterische Errungenschaft gelten.

Die Coaches: Wie immer eine gut geölte Beharkungs-Kalauermaschine. Das mag in seiner Vorhersehbarkeit manchmal nerven, funktioniert aber trotzdem, weil Yvonne Catterfeld, Smudo und Michi Beck sowie Samu Haber gut eingespielt sind wie eine Volksstück-Ensemble nach drei Tourneereisen über die mittelschlimmen Kleinstadtbühnen. Neuzugang Mark Forster, der Andreas Bourani ersetzt, gibt das glutenfreie Soft Bröd, das "äh äh äh" keine Ahnung von Rock hat und seine Coach-Karriere auf einem Schmalzfundamant errichten will: Einer Kandidatin namens Malina erklärt er, ihr Name sei ja das polnische Wort für Himbeere, "und das war dasselbe Gefühl, als du für mich gesungen hast: Es war eine fruchtig-frische Überraschung." So argumentieren sie wohl, die übergefühligen Mützenmännchen.

Neben dem angenehm Treptow-schnauzigen Travestiekünstler Jade Pearl räumte in der Auftaktsendung vor allem eine Gang aufrichtig talentierter 16-Jähriger ab: Benedikt, der fränkische Fußballtorwart, der sein altseliges "Always On My Mind" bis jetzt nur daheim im Keller sang. Schmuseknilch Melvin, der Catterfeld und Haber mit "Bridge Over Troubled Water" in einen scheidungskriegsähnlichen Bieterstreit trieb.

Und Lara mit der Ukulele, bei deren schwerlidrigem "Let It Be" schließlich alle weinten: Catterfeld, Smudo, Moderatorin Lena Gercke irgendwo in der Kulisse. "Wie wenn ein Engel sich mit seiner Harfe auf einen Barhocker setzt", kramte Forster in seiner Komplimente-Butterkiste, doch Lara entschied sich für Team Samu. "Ich gewinn The Vo-hoice, ich gewinn The Vo-hoice", tirilierte der daraufhin. Es ist nicht der aufregendste Cliffhanger, aber man kann das durchaus im Auge behalten, wenn man mal wieder in Mümmelstimmung ist.

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