Frankfurter Buchmesse Gottschalks kleine Zeitreise

Entertainer Thomas Gottschalk beeindrucken Instagram-Follower nicht. Auf der Frankfurter Buchmesse vergleicht er die Jugendzeit seiner Generation mit der heutigen - und Cathy Hummels mit einem Apfelbaum.

Thomas Gottschalk im Gespräch mit Volker Weidermann bei der Frankfurter Buchmesse: "Eine Alternative gab es ja nicht"
Tim Wegner / DER SPIEGEL

Thomas Gottschalk im Gespräch mit Volker Weidermann bei der Frankfurter Buchmesse: "Eine Alternative gab es ja nicht"


Spürt auch der ewig jugendliche Thomas Gottschalk allmählich das Alter? Zumindest die Lust, möglichst oft Selfies mit Fans zu machen, lege sich, wenn Zwölfjährige "Ich kenne dich von 'Germany's Next Topmodel'" kreischen, sagte Gottschalk im SPIEGEL-Live-Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse.

Sein neues Buch "Herbstbunt" hat er über einen alten Typen geschrieben, der fürchtet, noch älter zu werden - so beschreibt es der TV-Entertainer selbst. Es ist eine Autobiografie.

Sein Leben sei ein normales gewesen, er habe die gleichen Probleme gehabt, die auch andere Menschen in ihrem Leben eben so haben, so Gottschalk: "Ärger mit den Kindern. Beziehungen, die wackeln. Ärger im Job". Dabei habe seine Generation die beste Zeit zum Leben erwischt. "Mein Vater hat zwei Weltkriege überlebt", Gottschalk selbst sei dagegen mit Woodstock groß geworden, die schwerste Entscheidung sei gewesen, ob man die Beatles oder die Rolling Stones besser fand. Deswegen gebe es die "Leichtigkeit unseres Seins" in seiner Generation, weil sie "die besten 70 Jahre, die Deutschland je hatte", erlebt habe.

Anders sei es für junge Menschen heute. Um dies zu illustrieren, erzählte Gottschalk davon, wie er seinem Sohn Tristan in Kulmbach einen Apfelbaum gezeigt habe, auf den er in seiner Kindheit geklettert sei. Seinen Sohn habe das unbeeindruckt gelassen: "Wieso?", habe der nur gefragt.

Vorhin habe er neben Cathy Hummels gesessen, erzählte der Entertainer launig, ihm sei zugeflüstert worden, dass sie "unglaublich viele Follower" hätte. Der Ehefrau des Fußballnationalspielers Mats Hummels folgen auf Instagram etwa eine halbe Million Accounts. Beeindruckt war Gottschalk nicht, sagte er: Er habe sich eher so gefühlt, wie sich sein Sohn wohl mit dem Apfelbaum gefühlt haben müsse.

Auf sozialen Medien ist Gottschalk nicht unterwegs, er habe seine Erfahrungen gemacht, sich einen Twitteraccount zugelegt, dann überlegt, eine Kaffeetasse zu fotografieren und das Foto hochzuladen. Das sei ein Schlüsselerlebnis für ihn gewesen; er habe sich wieder abgemeldet.

Anders wäre es bei Kai Pflaume, der "jedes Wurstbrot" ins Netz stelle. Gottschalk berichtete, die jüngere Generation äußere sich hämisch, wenn man nicht "Passwort von Username unterscheiden kann".

Leicht nostalgisch erinnerte sich Gottschalk an die Zeit, als man zum Umschalten zum Fernseher laufen musste, weil es keine Fernbedienung gab. Jetzt lägen zehn im Hotel rum, und wenn er versuche, die ARD anzuschalten, würden plötzlich die Rollos runtergehen. Er sei eben aufgewachsen, als es zwei Sender gab und am Nachmittag nur das Testbild. Das hätte ihn auch berühmt gemacht, denn "eine Alternative zu mir gab es ja gar nicht", so Gottschalk.

Zwölf Fragen zum Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse

scw



insgesamt 28 Beiträge
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H.T. 19.10.2019
1. Die Leichtigkeit des Seins
Ich bin im gleichem Alter und kann jeden Satz von Herrn Gottschalk nur unterstreichen. Besonders: "die besten 70 Jahre, die Deutschland je hatte".
zeisig 19.10.2019
2. Oh wie gut das tut.
Jemanden wie Gottschalk über den Begriff "Follower" sprechen zu hören, das tut einfach nur gut. Er ist mein Verwandter im Geiste.
Jor_El 19.10.2019
3. Yup
Gottschalk hat recht. Ich bin zwar jünger, aber der Jahrgang 50 ist der goldene Jahrgang. Die hatten von allem das Beste.
heinihuckeduster 19.10.2019
4. OmG, und ich dachte schon,
ich hätte nichts mehr verstanden von minderbegabten Influencern und dem unsäglichen social-media-hype. Danke Thomas Gottschalk, dass ich für einen über-70-jährigen offenbar normal empfinde......
sekundo 19.10.2019
5. Tatsächlich?!?
Zitat von Jor_ElGottschalk hat recht. Ich bin zwar jünger, aber der Jahrgang 50 ist der goldene Jahrgang. Die hatten von allem das Beste.
Es herrschte Mangel, es gab Kunsthonig, Tom Brox und die Adenauer-Ära. Wenn das nicht golden ist, weiß ich nicht, was golden ist. Deutschlands ältester Teenie, die ewige Quasselstrippe Thomas Gottschalk sollte sich endlich aufˋs Altenteil zurückziehen. Diese Früher-war-alles- besser-Nummer NERVT!!
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