Premiere für Thomas Roth Onkel Tagesthemen

Nette Nachrichten: Der Neue sprach etwas über zwei Minuten lang, nicht zu viel, nicht zu wenig, freundlich, aber doch auch ernst, kurz: Thomas Roths angenehm solide Durchschnittlichkeit macht ihn zum idealen Moderator der ARD-"Tagesthemen".

Neuer "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth: Solide, nett, onkelig
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Neuer "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth: Solide, nett, onkelig

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Da sitzt er also, randlose Brille, blau-weiß-rot gestreifte Krawatte, mit dank des Studiolichts gnädig sagen wir mal strohblond schimmerndem Haar, und spricht: "Ja, schönen guten Abend, meine Damen und Herren, Sie sehen mich heute hier an diesem Platz zum ersten Mal, ich freue mich aber, dass ich Sie in den kommenden Jahren in den 'Tagesthemen' informieren darf."

Thomas Roth ist der neue "Erste Moderator" der "Tagesthemen", am Montag hatte er seine Premiere als Nachfolger des zum WDR-Intendanten aufgestiegenen Tom Buhrow, und bevor wir uns zu lange und überkritisch mit der Frage aufhalten, was denn dieses "aber" in den ersten Sätzen des Neuen zu suchen hatte, eine grundsätzliche Feststellung:

Eigentlich ist es völlig wurscht, wer die ARD-"Tagesthemen" moderiert. Die Sendung sieht man - anders als beispielsweise Unterhaltungsshows - nicht wegen oder trotz ihres Moderators oder ihrer Moderatorin, sondern wegen der hier präsentierten, hoffentlich kompetenten Aufbereitung und Zusammenfassung des Tagesgeschehens. Es müssen also schon besonders großartige beziehungsweise dämliche Darbietungen des Präsentators sein, die einen zum explizit moderatorenbezogenen An- oder Abschalten bringen. Und so viel kann man heute schon sagen: Thomas Roth wird weder für das eine noch das andere Gründe liefern.

Es ist eine beruhigend solide Durchschnittlichkeit, die Roth in seiner ersten, wegen einer DFB-Pokal-Übertragung auf sieben Minuten und 38 Sekunden gestauchten Sendung verströmt. Zwei Minuten und 16 Sekunden davon spricht Roth, darin bringt er ein nettes Wortspiel über die Enthüllungen in der NSA-Affäre unter, bei denen es zugehe wie beim Häuten einer Zwiebel: es falle Schicht für Schicht, und irgendwann kommen einem die Tränen. Und er schafft es sogar, das strategische Manöver der Grünen, bei der kommenden Bundestagswahl garantiert nicht zu viele Stimmen zu bekommen (bekannt als "Veggie-Day"), freundlich zu kommentieren: "Klingt gar nicht schlecht", sagt Roth, wo es doch viel einfacher gewesen wäre, wie die "Bild"-Zeitung zu raunzen: "Die Grünen wollen uns das Fleisch wegnehmen!"

Es bleibt der Eindruck einer angenehmen Onkelhaftigkeit des Moderators, angenehm deshalb, weil die ARD-"Tagesthemen" nicht bunt und schrill sein sollen, sondern vor allem: Solide und verlässlich, dabei aber nett. So wie Thomas Roth.



insgesamt 21 Beiträge
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gog-magog 06.08.2013
1.
Ich fühlte mich unweigerlich an Elmar Gunsch erinnert.
easycgn 06.08.2013
2. Weg mit dem Titelfeld!
Da ist der WDR sicherlich froh, wieder einen roten Mann einsetzen zu können.
KnutHB 06.08.2013
3. ... sehr angenehme Vorstellung...
... nur bei der Zahnpolitur hat der gute ein wenig übertrieben.... :-)
janne2109 06.08.2013
4. ??
Auch Herr Aust kam Onkelhaft rüber, muss so eine Überschrift sein??
republica_banana 06.08.2013
5.
Auch das Ablesen von propagandistisch aufbereiteten Texten durch einen nett anmutenden ARD-Onkel gehört dringend reformiert - der lieben Demokratie willen.
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