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Tom Buhrow im "WDR Check": "Wer nett fragt, bekommt eine nette Antwort"

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Tom Buhrow im "WDR-Check" Die Rolle seines Lebens

Gut hundert Tage im Amt stellte sich Tom Buhrow seinen Zuschauern. Was aber als "WDR-Check" daher kam, war im Grunde nur das übliche öffentlich-rechtliche Eigenlob, angefangen bei Moderatorin Bettina Böttinger. Der Intendant selbst brillierte als präsidialer Zuhörer.

Es ist ja wahr, als Moderator der "Tagesthemen" war Tom Buhrow nett und freundlich, aber ein bisschen wirkte er immer wie geparkt. Ein wenig gelangweilt, manchmal fast so, als mache er das bisschen Ansagerei nebenbei. Der Nachrichten-Anchor war, anders als bei Hajo Friedrichs, bei Ulrich Wickert oder Claus Kleber, nicht die Rolle seines Lebens.

Seit er Intendant des WDR ist, ein Job, für den ihn vermutlich kein Headhunter jemals vorgeschlagen hätte, kann man ihm dabei zugucken, wie er in die Rolle seines Lebens hineinwächst. Nicht nur, wie anfangs zu befürchten war, als Li-La-Laune-Intendant, der für ein bisschen bessere Stimmung sorgt.

Zu besichtigen war das gestern Abend in Buhrows eigenem Programm, dem dritten Fernsehprogramm des WDR. Gut hundert Tage im Amt stellte sich der neue Senderboss dort den Fragen der Zuschauer. Ziemlich ähnlich wie bei den sogenannten Townhall-Formaten, bei denen sich im Wahlkampf Kanzlerin und Kanzlerkandidat stellten. Buhrow, anfangs nervös, brillierte in der Rolle des präsidialen Zuhörers, des Publikums-Ernstnehmers.

Ob da einer mehr Eishockey im Fernsehen haben wollte, ob da eine im Radio andere Musik wünschte, ein Museumsmann eine eigene Sendung für Museen forderte oder eine junge Frau bloß junge Leute als Reporter vorschlug: Buhrow gab sich sichtlich Mühe, jedem gerecht zu werden, ohne den Leuten nach dem Mund zu reden. Der jungen Frau etwa, die junge Reporter forderte, warf er locker entgegen: "Sie wollen selber, stimmt's?" Er machte keine PR, er schleimte nicht, er verfiel auch nicht in eine permanente Verteidigungshaltung. Buhrow schien es tatsächlich ernst zu meinen damit, die Leute überzeugen zu wollen

PR-Geschwafel - und ein Mann auf einer Mission

Damit fiel Buhrow in seiner eigenen Sendung allerdings ziemlich aus der Rolle. Denn was sich da redaktionell als "WDR-Check" verkaufen wollte, war im Grunde nur das übliche öffentlich-rechtliche Eigenlob. Das fing schon bei der Moderatorin an. Bettina Böttinger kannte nur zwei Tonlagen: PR-Geschwafel und Ranschmeiße an den Intendanten. Selten brachte sie genügend Distanz auf, die das Label "Check" doch eigentlich erforderte. Ihre Texte waren so glatt, als stammten sie aus einem Kaufhauskatalog. Böttinger kam aus der Senderbejubelung gar nicht mehr heraus. Ständig war irgendetwas "super", "intensiv" oder gar "verrückt".

Auch war nirgends etwas von einem kritschen "Check" zu merken. Ein einzelner Medienkritiker, Michael Hanfeld von der FAZ, war eingeladen. Ganze acht Minuten dauerte sein Dialog mit Buhrow, von denen allerdings sieben auf den Intendanten fielen. Zwischendurch feierte sich der WDR in Berichten über die eigene Arbeit noch selbst. Am schlimmsten waren dabei die sich in ihrer Flippigkeit selbst gefallenden Moderatoren der Radiostation 1Live.

Wäre da nicht Tom Buhrow gewesen, der die Idee zu dieser Sendung hatte und der sich in seinem Amt offenbar nicht bloß auf Charmeoffensive glaubt, sondern auf einer Mission. Anfangs floskelte er noch viel herum, sagte "eine faire Frage" auf jede Frage, packte in jede Antwort noch ein Dutzend Nebenaspekte und einige grundsätzliche Gedanken. Doch er wurde locker, fand in seine Form, ja in seine Rolle, gerade weil er keine glatten gestanzten Sätze von sich gab, sondern ehrlich bemüht schien, jeden Frager ernst zu nehmen - und das nicht bloß zu spielen. Der Forderung nach behinderten Menschen vor der Kamera begegnete er sympathisch offen. Einen verzweifelten Arbeitslosen, der offenbar immer noch Rundfunkbeitrag zahlen muss, munterte er ungekünstelt auf.

Seine zentrale Botschaft brachte er dabei einmal ebenso ungestüm wie ungelenk vor: "Eine Sache finde ich ganz total wichtig: Wir gehören Ihnen. Sie sind unsere Aktionäre." Was bei Buhrow dann nicht bloß Intendantenfloskel blieb, weil er auch gleich nachsetzte, wo er in der Kommunikation mit dem Publikum, dem Beitragszahler Nachholbedarf sieht: "Kein Arroganz", rief er. "Wer nett fragt, bekommt eine nette Antwort."

Und immerhin das ist ihm an diesem Abend gelungen.

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