Debatte über "Umweltsau"-Lied TV-Autoren stellen sich gegen WDR-Chef Buhrow

In einem offenen Brief wird WDR-Intendant Tom Buhrow wegen seiner Entschuldigung für den "Umweltsau"-Satiresong kritisiert. Er sei in eine Falle rechter Trolle getappt und habe seine Mitarbeiter alleingelassen.
In der Kritik: WDR-Intendant Tom Buhrow

In der Kritik: WDR-Intendant Tom Buhrow

Foto: Oliver Berg/DPA

Ihre Solidarität gilt den Kollegen und Kolleginnen vom WDR, die durch den "Umweltsau"-Satiresong in Bedrängnis geraten und bedroht worden sind, ihr eigentliches Ziel ist aber WDR-Intendant Tom Buhrow: In einem "Solidaritätserklärung" überschriebenen offenen Brief haben sich über 40 TV-Autorinnen und -Autoren scharf gegen das Verhalten des Senderchefs im Zuge des Skandals um den Song ausgesprochen und sich dafür stark gemacht, den Beitrag wieder online zu stellen.

"Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt", so die Unterzeichnenden, zu denen Autoren von Sendungen wie "Neo Magazin Royale", "Dark" oder der "heute Show" gehören.

Buhrow hatte sich kurze Zeit nach der ersten Welle von Kritik an dem Song, in dem ein Kinderchor eine fiktive Oma wegen Klimasünden satirisch überspitzt an den Pranger stellt, für den Beitrag entschuldigt. Damit habe er seine Mitarbeiter "aufs Fahrlässigste allein gelassen", so die Autorinnen und Autoren.

"Der Streit um das Lied entbehrt jeder rationalen Grundlage", so die Unterzeichnenden weiter. Sie sehen den Skandal nicht im Song selbst, sondern vielmehr in der Skandalisierung des Liedes, die bekannten Mustern rechter Trolle folge. "Diese wissen um die Absurdität der Vorwürfe und missbrauchen den eigentlich sinnvollen Reflex unserer Zivilgesellschaft, andere nicht verletzen zu wollen. Sie 'hacken' damit den Diskurs, bekommen Aufmerksamkeit und sorgen für eine Verschiebung des Denk- und Sagbaren in ihre Richtung."

Für die Autorinnen und Autoren scheint ein Rücktritt Buhrows die logische Folge seines Verhaltens zu sein. "Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen."

Im Interview mit dem SPIEGEL  hat sich Buhrow gegen den Vorwurf gewehrt, er wäre vor rechter Propaganda eingeknickt: "Wir konnten die Mechanismen erkennen, aber wir konnten auch unterscheiden zwischen dem, was orchestriert ist, und dem, was echte Gefühlsäußerungen von ansonsten wohlmeinenden Hörern sind", sagte er im Interview.

Am Dienstag wird sich Tom Buhrow der Kritik stellen, die im WDR hausintern kursiert: Dann findet eine Redakteursversammlung der Rundfunkanstalt in Köln statt.

hpi