ARD und ZDF Redezeit beim Triell wurde offenbar bis zum Schluss falsch gemessen

Um Chancengleichheit zu wahren, wird bei TV-Gesprächen im Wahlkampf die Redezeit gemessen. Bei ARD und ZDF gab es Probleme damit. Ein Check der Plattform »Übermedien« ergab: Die Sender verrechneten sich.
Wies bereits während des Triells bei ARD und ZDF auf Probleme mit der Zeitmessung hin: Annalena Baerbock

Wies bereits während des Triells bei ARD und ZDF auf Probleme mit der Zeitmessung hin: Annalena Baerbock

Foto: Eibner Pressefoto / Lakomski / picture alliance

Am Sonntagabend trafen Armin Laschet (CDU/CSU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) zum zweiten von drei großen TV-Streitgesprächen kurz vor der Bundestagswahl aufeinander. Um die Chancengleichheit zu gewährleisten, wurde die Redezeit gemessen. Nach rund der Hälfte des Triells lag Baerbock den eingeblendeten Zeiten zufolge mit ihrem Zeitkonto ein wenig vor ihren Kontrahenten. Die Grünenpolitikerin machte zugleich mitten im laufenden Gespräch das Moderierendenteam darauf aufmerksam, dass die Uhr von Scholz noch weiterlaufe, obwohl der nicht mehr sprach. Moderatorin Maybrit Illner sagte damals, man habe offensichtlich ein technisches Problem und werde das klären.

Tatsächlich handelte es sich wohl aber nicht um ein schnell vom Sender behobenes Problem, wie es die Moderierenden kurze Zeit später verkündeten. Der Fehler zog sich stattdessen durch die gesamte Sendung.

Wie deutlich sich die gemessene Redezeit zugunsten des SPD-Kanzlerkandidaten verschoben hat, zeigt eine Überprüfung des Medienmagazins »Übermedien« . Demnach hatte Baerbock mit 21:37 Minuten insgesamt knapp vier Minuten weniger Redezeit als Scholz (25:30 Minuten) und knapp drei Minuten weniger als Laschet (24:14). Die vom Sender eingeblendeten Redezeiten stellten eine größere Ausgewogenheit dar – mit zwei Minuten Vorteil für Laschet (26:25) gegenüber Scholz (24:39) und Baerbock (24.25).

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Die ARD erklärte auf Nachfrage, dass die Moderierenden schon in der Sendung darauf hingewiesen hätten, dass es ein Problem mit der Zeitmessung gab. »Dahinter stand ein Softwarefehler. Die Zeitnahme wurde dann zusätzlich per Hand durchgeführt«, teilten die Sender auch dem SPIEGEL in einem Statement mit – und korrigierten nun auch die ursprünglich eingeblendeten Zeiten: »Am Ende lag Olaf Scholz bei einer Redezeit von 24:51, Armin Laschet von 24:13 Minuten, also nur 38 Sekunden auseinander. Frau Baerbock hatte dagegen etwa 3 Minuten weniger Redeanteil.«

In dem von der für das Triell zuständigen Redaktion von ARD und ZDF verbreiteten Statement heißt es weiter, die Moderierenden hätten »auf Grundlage der ihnen vorliegenden Zeiten am Schluss der Livesendung formuliert, der Redeanteil von Armin Laschet sei etwa zwei Minuten größer als der der anderen Teilnehmer. Insgesamt lägen die Teilnehmer ›relativ nah beieinander‹.«

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Da die Moderierenden zudem darauf hingewiesen hätten, dass dieser Zeitunterschied bis zum Ende der Sendung nicht mehr ausgeglichen werden könne, sei nach Ansicht der Redaktion »Transparenz hergestellt« worden, »dass das Ziel gleicher Redeanteile in der vorgesehenen Sendezeit nicht ganz erreicht werden konnte«. Weitere inhaltliche Nachfragen an die Sender zu dem Vorgang blieben unbeantwortet.

sak
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