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Vierte Staffel von "True Blood": Das Saugen geht weiter

Foto: Warner Home Video

Die Stars von "True Blood" "Eine Seifenoper mit Sex und Gewalt"

Attacken gegen christliche Fundamentalisten, Sex bis zum Abwinken: Die Vampirserie "True Blood" verknüpft bissige Gesellschaftskritik mit Erotik: Im Interview sprechen Anna Paquin, Stephen Moyer und Alexander Skarsgård über Kampfgeist, Brustwarzen - und Liebe unter Kollegen.

Gleiche Rechte für alle! Auch für Vampire, Werwölfe und Gestaltwandler. Seit 2008 erzählt die US-Serie "True Blood" die Geschichte der Kellnerin Sookie Stackhouse, die sich mit übernatürlichen Wesen herumschlagen muss, die auf ihre gesellschaftliche Anerkennung pochen - und avancierte so zur erfolgreichsten Serie des Senders HBO überhaupt. Entscheidend für den Ruhm ist auch die dramatische Liebesgeschichte zwischen Sookie (Anna Paquin) und den Vampiren Bill (Stephen Moyer) und Eric (Alexander Skarsgård). Zurzeit läuft in den USA die fünfte Staffel, in Deutschland ist die aktuelle Folge jeweils kurz nach der Ausstrahlung in Originalfassung bei iTunes erhältlich. Im November wird sie auf dem Bezahlsender SyFy in deutscher Erstausstrahlung zu sehen sein.

Die Hauptdarsteller über den einzigartigen Charakter von "True Blood":

Moyer: Ich mag, dass die Serie eine unterschwellige politische Dynamik hat, so hält der Serienschöpfer Alan Ball unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Ob man die bei uns thematisierte gesellschaftliche Entrechtung bestimmter Gruppen nun auf Homosexualität, Rassismus, Religion oder anderes bezieht, ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich fand die Attacke auf die christliche Rechte in der zweiten Staffel super - ich konnte gar nicht genug davon kriegen!

Paquin: Eigentlich machen wir mit "True Blood" nichts anderes als eine Seifenoper mit Sex und Gewalt. Sie folgt bewährten Erzählformen, aber die Erwartungen der Zuschauer werden klug manipuliert.

Skarsgård: "True Blood" ist zügellos, die Serie flirtet hemmungslos mit ihrem Publikum - aber sie hat wahrhaftige Figuren und interessante Plots.

Anna Paquin und Stephen Moyer lernten sich am Set von "True Blood" kennen und sind seit 2010 verheiratet. Sie erwarten ihr erstes Kind. Als die fünfte Staffel gedreht wurde, war Paquin bereits schwanger - um den Babybauch nicht ins Bild zu rücken, war in der Totalen ein Double für Paquin im Einsatz.

Moyer: Soweit man sowas überhaupt planen kann, war es uns wichtig, dass der Drehplan von der Schwangerschaft nicht zu sehr beeinflusst wird. Schließlich müssen viele Leute auf dem Set von den Einkünften ihre Miete bezahlen. Na ja, wir haben Glück gehabt, es war eine aufregende Zeit.

Moyer ist bereits Vater zweier Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren - die die Serie nicht sehen dürfen.

Moyer: Keine Frage, wir machen Fernsehen für Erwachsene. Meine Kinder haben noch keine einzige Episode gesehen, und ich achte darauf, dass sie es nicht tun. Dennoch muss für so was Platz im Fernsehen sein, und die christliche Rechte, die das verhindern will - Verzeihung -, kann mich mal.

Achtung: Ab hier liest bitte nicht weiter, wer noch in der vierten oder einer früheren Staffel steckt. In der fünften Staffel von "True Blood" ist aus den ehemals verfeindeten Vampiren Bill und Eric, die beide Sookie lieben und ihren Schutz als oberste Priorität verstehen, ein Team geworden.

Skarsgård: Die vier Jahre, in denen sich Bill und Eric um Sookie stritten, haben riesigen Spaß gemacht. Aber wir sind gute Freunde, und die Idee einer "Bromance", einer Männerfreundschaft zwischen den beiden, war eine willkommene Veränderung.

Moyer: An einem Punkt wurden wir in Alan Balls Büro gerufen und mussten eine Standpauke über uns ergehen lassen, weil wir so viel Spaß zusammen haben. Wir konnten uns einfach nicht anschauen ohne loszukichern. Es ist aber auch schwer, wenn man zu zweit in einem Kofferraum eingeschlossen ist und Dinge zueinander sagen muss, die irgendwie anzüglich klingen.

So viel Sex wie bei "True Blood" gibt es sonst kaum im Fernsehen. Für die Schauspieler ist die viele Nacktheit inzwischen normal.

Moyer: Mal ehrlich: In "24" bringt Jack Bauer in einer Stunde 30 Leute um, aber es darf keine weibliche Brustwarze gezeigt werden? Ich finde es wichtig, das Leben so zu zeigen, wie es ist.

Skarsgård: Meine 82-jährige Oma guckt die Serie, und sogar sie schert sich nicht drum.

"Dinge zurückzuhalten funktioniert nicht"

Paquin: Ich fand die Nacktszenen nie schwierig. Meine erste Nacktszene in der Serie war Sookies erstes Mal, und das war ehrlich gesagt vor allem emotional schwierig. Man will diesen Moment ja möglichst wahrhaftig darstellen. Aber die nackten Körper - na ja, es sind halt einfach Körper.

Aber Alan Ball verriet , dass besonders unter den männlichen Schauspielern harte Konkurrenz um die Form ihrer Körper herrscht.

Moyer: Als wir die Serie begannen, wusste ich, dass ich besser fit sein sollte - es gab ja reichlich Sexszenen. Aber gegen Ryan Kwanten, der Sookies Bruder Jason spielt, habe ich keine Chance, der hängt beim Joggen die älteren Jahrgänge wie mich und Sam Trammell ab. Unsere Körper sind einfach in einer anderen Verfassung im Vergleich zu den Kids, wir müssen hart daran arbeiten! Und ich möchte in zehn Jahren nicht mit meinen Kindern dasitzen, wenn sie die Serie gucken dürfen, und mir anhören: Wer ist denn der wabbelige Typ? Ach das bist du, Dad!

Paquin: Klar, jeder hier achtet extrem auf sein Aussehen. Die Jungs sind nur ein bisschen zickiger im Umgang damit, weil sie es nicht wie die Frauen gewohnt sind, wie ein Objekt behandelt zu werden. Uns ist das eher schnuppe - wir sind doch eh fast immer in einem halben Outfit unterwegs, oder?

Skarsgård: Ich mache mir darum weniger Sorgen - ich drehe in diesem Sommer einen Film, für den ich sogar Muskelmasse verlieren muss.

Innerlich haben Bill, Sookie und Eric in den vier bisherigen Staffeln einige Entwicklungen durchgemacht.

Paquin: Sookie sagt Bill und Eric am Ende der vierten Staffel, sie sollen sich verziehen: "Geht zurück zur Hölle, ihr kalten, toten Freaks!" Sie ist zur Erkenntnis gekommen, dass das Alleinsein vielleicht nicht das Schlimmste ist - sie ist nicht mehr auf der Suche nach einem, der sie rettet und für sie da ist.

Moyer: Wir lernen Bill als Gentleman aus einer anderen Welt kennen, als altmodischen, vornehmen Typen, aber wir erfahren auch bald, dass es da noch ein ganz anderes Leben gibt - in den Dreißigern war er ein Blutsauger, der sein Leben lebte wie ein Vampir das tun sollte. Und in der dritten Staffel vögelt er seine Schöpferin und bricht ihr dabei den Hals. Ein widersprüchlicher Typ.

Skarsgård: Ich liebe Eric! Er wird als Bösewicht eingeführt, nimmt dann aber eine Entwicklung zum Positiven. Ich glaube, wir alle haben beide Kräfte in uns, das Gute und das Böse.

Mit Sookies Zurückweisung müssen die beiden Vampire nun klarkommen - oder gibt es noch eine Chance für eine Happy End zwischen Sookie und Bill oder Sookie und Eric?

Skarsgård: Eric ist noch nicht über Sookie hinweg, ich glaube, er bestraft sich selbst. Er hat sich geöffnet und sich auf sie eingelassen, und jetzt sagt er sich: Du verdammter Idiot, genau das passiert, wenn du dich auf andere einlässt.

Moyer: Als Bill Sookie verliert, wendet er sich in der vierten Staffel der Politik zu. Ich glaube, dass er Sookie noch immer im Sinn hat, aber weil er zurückgewiesen wurde - und aus gutem Grund -, blickt er nach vorn.

In der vierten Staffel wurden die Hexen den Vampiren gefährlich, und auch bei den Werwölfen, Werpantern, Gestaltwandlern und Feen war einiges los. Kommen in Staffel fünf weitere übernatürliche Wesen hinzu?

Paquin: Wir finden vor allem mehr über die bereits bekannten Wesen heraus und darüber, wie die Dinge in den jeweiligen Welten funktionieren. Es zeigt sich, wer in der Welt der Vampire wirklich die Strippen zieht, und es geht nicht mehr nur um coole schwarze Klamotten für Vampire und Prinzessinnenkostüme für die Feen.

Moyer: In der fünften Staffel wird es richtig schön kompliziert - und zwar in politischer Hinsicht. Und es gibt wieder tolle Flashbacks. Bill in Drag in Woodstock? Wär doch toll!

Alan Ball wird die Serie am Ende der fünften Staffel als Showrunner verlassen.

Moyer: Wir wussten, dass das irgendwann ansteht, Alan hatte bereits Andeutungen gemacht. Ursprünglich wollte er bloß die erste Staffel leiten. Inzwischen hat er drei Filme geschrieben und eine weitere Fernsehserie in Arbeit, und er gesteht sich endlich eine Pause zu. Und wir haben ja weiter dieselben Autoren, die mit Alan zusammengearbeitet haben.

Paquin: Er würde uns nicht verlassen, wenn er uns nicht in guten Händen wüsste. Aber wir werden ihn vermissen. Dies ist sein Werk. Fairerweise muss man aber sagen, dass der Mann in den vergangenen sechs Jahren, seit die Show in die Vorbereitungsphase ging, nicht besonders viel geschlafen hat. Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen: Wir haben den Zenit erreicht, irgendwann wird auch diese grandiose Serie zu Ende gehen.

Die Interviews führte Nina Rehfeld im Juli 2011 und Juni 2012

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