Das Turnier des Zaren Flieg, Herminator, flieg

Hermann Maiers Sturz 1998 in Nagano: Der "Herminator" war geboren

Hermann Maiers Sturz 1998 in Nagano: Der "Herminator" war geboren

Foto: Robert_Sullivan/ picture-alliance / dpa

Nebel in Sotschi! Kein Biathlon, kein Snowboard-Cross, stattdessen zeigt die ARD Curling und Dokumentationen über vergangene Winterspiele. Wir folgen diesem Beispiel und erinnern an TV-Olympia-Helden der Vergangenheit. Rein subjektiv.

Hermann Maier: Immer noch habe ich die Bilder im Kopf, wie der Österreicher in Nagano 1998 zig Meter weit durch die Luft fliegt - nicht beim Skispringen, sondern in der Abfahrt. Kopfüber landet er, durchbricht mit einigen Purzelbäumen inklusive Skier noch zwei Fangzäune, um dann im Tiefschnee steckenzubleiben. Und er steht tatsächlich direkt wieder auf, reckt und streckt sich, hat nur Prellungen und Verstauchungen davongetragen. Was er beim Sturz dachte? "Gold wird's wohl nicht mehr werden." Das wurde es Tage später im Super-G und Riesenslalom. Der "Herminator" war geboren.

Dominik Hasek: Am Eishockey-Turnier 1998 nahmen erstmals auch NHL-Profis teil. Und all die großen Namen ließen sich nicht lumpen, sogar "The Great One" Wayne Gretzky zog sich das Trikot über. Die Kanadier landeten mit ihm am Ende nur auf Rang vier - eine Schmach, die sie auch Dominik Hasek zu "verdanken" hatten. Der Goalie der Tschechen wuchs im Laufe des Turniers über sich hinaus, und irgendwann hatte man als Zuschauer das Gefühl, dass der Puck vor lauter Ehrfurcht vor diesem Mann niemals mehr den Weg ins Tor der Tschechen finden könnte. So wurden sie Olympiasieger - dank Hasek und einem 1:0 im Finale gegen Russland.

Steven Bradbury: Der Australier war 2002 in Salt Lake City über 1000 Meter im Shorttrack als krasser Außenseiter an den Start gegangen und überstand schon das Viertelfinale nur, weil ein Konkurrent disqualifiziert wurde. Im Halbfinale lag er hoffnungslos zurück, aber weil zwei Läufer vor ihm stürzten, schaffe er doch noch den Finaleinzug. Dort wurde es surreal. Er hatte deutlichen Rückstand auf die vier anderen Läufer, als allesamt in der letzten (!) Kurve stürzten und Bradbury seelenruhig an ihnen vorbei zur Goldmedaille fuhr.

Alberto Tomba: "Tomba la Bomba" war als Skiläufer und Showman gleichermaßen überragend. Ob er mit drei Frauen bis fünf Uhr morgens oder mit fünf Frauen bis drei Uhr morgens unterwegs war, wurde er gefragt. Und dann lächelte er. Insider wussten: Keiner trainierte so hart und viel wie Alberto - aber das musste ja nicht jeder mitbekommen. Jedenfalls lag er nach einem ersten Lauf im Slalom oder Riesenslalom oft schier hoffnungslos zurück, um nach einem rasanten Ritt doch noch zu triumphieren - wie in Calgary 1988 (zweimal Gold) oder Albertville 1992 (Gold im Riesenslalom).

Wladimir Smirnow: Wie ich schon in einem anderen Beitrag für dieses TV-Blog schrieb, liebe ich Langlauf in der klassischen Art und der Intervallmethode. Und der Kasache war der Prototyp dafür: ein Naturbursche, von dem man dachte, der verbringt das ganze Jahr irgendwo im Wald mit Holzhacken und kommt dann im Winter aus Spaß an der Sache zu den Langlaufwettbewerben. Er war auch ein guter Freund seiner ärgsten Konkurrenten, den Norwegern Bjørn Dæhlie und Vegard Ulvang, unternahm mit ihnen sogar sommerliche Abenteuertouren. Und er gewann seine Goldmedaille über 50 Kilometer 1994 in Lillehammer - kurz bevor Epo und Co. für alle Zeiten alles, wirklich alles kaputtmachten, was mit Ausdauersport zu tun hat.

Dirk Brichzi
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