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Pionierin Dr. Hope: Allein unter Männern

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TV-Drama mit Heike Makatsch Diese Dr. Hope ist zum Verzweifeln

Das hat die echte Hope Bridges Adams nicht verdient: Mit dem Zweiteiler "Dr. Hope" macht das ZDF aus dem Leben der Frauenrechtlerin und Medizinpionierin einen ungelenken Historienschinken. Vor allem Heike Makatsch enttäuscht als Geschichtsgirlie statt Grande Dame.

Einer der großen Mythen im ZDF scheint zu sein, dass es niemals genug Filme über starke Frauen geben könne. Niemals.

Sie retten fast täglich Leben ("Kommissarin Lucas"), Porzellanmanufakturen ("Julia - Wege zum Glück") oder große Säugetiere ("Das Geheimnis der Wale"), und weil das nicht reicht, hat sich das ZDF zu einem weiteren Film über eine starke Frau entschieden: "Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf".

Heike Makatsch

spielt darin Hope Bridges Adams (1855-1916), die erste Frau, die in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen ablegte. Deren Errungenschaften sind unbestritten. Die gebürtige Engländerin setzte sich nicht nur in ihrem Beruf durch, sondern kämpfte auch für eine bessere Gesundheitsfürsorge: Ihr medizinischer Ratgeber "Das Frauenbuch" avancierte um die Jahrhundertwende zum Standardwerk.

Gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Carl Lehmann war sie außerdem politisch aktiv und engagierte sich in der Frauenbewegung - doch im ZDF wird Bridges Adams zur einsamen Heldin, die jede Forderung nach mehr Emanzipation so bellt, als wäre noch nie eine Frau vor ihr für mehr Rechte und Freiheiten eingetreten.

Für Heike Makatsch ist es nach Margarete Steiff und Hildegard Knef schon die dritte historische Frauenrolle. Daran muss man sich erinnern, um nicht zu versöhnlich mit ihrer Leistung in diesem misslungenen Zweiteiler umzugehen.

Sicherlich, das hölzerne Drehbuch von Katrin Kaiser, Torsten Dewi und Christoph Callenberg gibt ihr wenig Raum für Nuancen. Da bescheinigt Hopes Vater ihr gleich am Anfang, sie habe schon als Kind kein Nein akzeptiert. Dann stirbt er. Frau und Tochter ziehen von London zur Tante nach Sachsen. Was denn Schweres in ihrem Koffer sei, fragt der Onkel beim Einzug. "Meine Bücher!", blafft Hope. "Für so etwas ist hier kein Platz!", raunzt der Onkel zurück.

Mit dieser Macheten-Dramaturgie (Regie: Martin Enlen) holzt sich der Film durch rund vierzig Jahre Lebensgeschichte. Aber wie Makatsch dem schauspielerisch nichts entgegensetzt, überrascht dann doch. War sie mit "Hilde" nicht schon ganz woanders? Bei Rollen, die sich der Eindeutigkeit verwehren und sperrigen Charme entwickeln? "Dr. Hope" spielt sie jedenfalls so, als wäre sie von der Viva-Moderation direkt in den Historienfilm geschubst worden: mit Kulleraugen und Ausrufezeichen-Vortrag. So hält sie ihrem ersten Mann am Esstisch den Vortrag: "Die Menschen in den Kasernen sterben wie die Fliegen! Du schließt die Augen! Das kann ich nicht!"

Das Emanzipations-Stakkato hört nicht auf

Seit Viva war Makatsch aber nicht nur in einigen guten Filmen zu sehen, seitdem ist auch schon ziemlich viel Zeit verstrichen. Wenn sie in "Dr. Hope" nun zusammen mit Inka Friedrich als Clara Zetkin anfangs als Studentin auftritt, dann kommen dort zwei Frauen um die Vierzig im Hörsaal zusammen. Hopes jüngerer Liebhaber Carl Lehmann, der schließlich ihr zweiter Ehemann wird, ist außerdem mit dem 45-Jährigen Martin Feifel besetzt. Den Begriff "Historisch" scheint man in diesem Zusammenhang beim ZDF kräftig missverstanden zu haben.

Aber auch sonst tut sich der Zweiteiler schwer mit der Geschichte. Nicht nur gab es Streit um die Faktenaufbereitung im Drehbuch: Die Historikerin Marita Krauss warf den Autoren vor, sich unrechtmäßig bei ihrer Biografie über Bridges Adams bedient zu haben. Bei einem Vergleich vor dem Münchner Landgericht einigte man sich inzwischen - Krauss erhält 15.000 Euro für ihre wissenschaftlich-publizistische Leistungen und erhebt dafür keine Plagiatsvorwürfe mehr.

Allerdings nimmt es der Film mit den Fakten doch nicht so genau. Bridges Adams kriegt zum Beispiel kein zweites Kind. Außerdem spart der Film den historischen Kontext aus, in dem Bridges Adams' Engagement eigentlich erst seine Bedeutung entfaltet. Für die politisch-sozialen Umwälzungen der Vorkriegszeit finden sich keine Worte und vor allem keine Bilder, ein milchiger Weichzeichner muss als visuelle Patina reichen. Damit unterschätzen die Macher nicht nur die Fernsehzuschauer - sie banalisieren auch die historische Figur, der sie doch eigentlich die Ehre erweisen wollen.

Spätestens ab dem zweiten Teil empfindet man den Untertitel "Eine Frau gibt nicht auf" zunehmend als Bedrohung. Hört das Emanzipations-Stakkato denn gar nicht auf? Nein, leider nicht. Makatsch proklamiert bis zum Schluss. Selbst als ihre große Liebe Carl Lehmann im Sterben liegt, reicht es noch für ein wenig Selbstgerechtigkeit. Als die Krankenschwester fragt, ob der Patient noch Morphium gegen die Schmerzen erhalten soll, befindet sie: "Gegen diesen Schmerz hilft kein Morphium." Knappe zehn Minuten später ist zumindest der Zuschauer von seinen Qualen befreit: Der Film ist endlich vorbei.


"Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf", Arte: 19.3., 20.15 Uhr (1. Teil) und 21.45 Uhr (2. Teil); ZDF: 22. und 24.3., jeweils 20.15 Uhr.

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