TV-Kritik zum 2. WM-Spieltag Botox-Beckham unterm Dudelsack

Tröööööööööööt! Der verhasste Star der WM ist: die Vuvuzela! Wer es nicht mehr hören kann, sollte den Ton ausmachen, die Bilder englischer Tränen und eines erstarrten David Beckham genießen - und erst wieder auf laut stellen, wenn Mehmet Scholl das Wort ergreift.

Verletzter Beckham (mit Kollegen auf der Bank): Was ist mit England los?
REUTERS

Verletzter Beckham (mit Kollegen auf der Bank): Was ist mit England los?


2. Spieltag - der Tag, an dem wir die Tröte hassen lernten

Was geguckt? Südkorea-Griechenland, Argentinien-Nigeria, England-USA (ARD), World Headlines (CNN), Internet

Was ist passiert? Am zweiten Tag kann man sich tatsächlich immer noch nicht an die Uweseelers gewöhnen, jene 120 Dezibel starken Traditions-Tröten, die sowohl den Spielern als auch den Kommentatoren auf den Senkel gehen. (Die Deutschen versuchen angeblich, sich mit extra vom Gebärdensprachexperten Löw ausgeklügelten Gesten an den ohrenbetäubenden Krach anzupassen.)

Dabei: Wenn das musikalische Ohr sich nicht täuscht, bewegt sich der überdimensionierte Hornissenschwarm genau zwischen dem eingestrichenen b und dem eingestrichenen h, also auf einer Frequenz zwischen 466 und 493 Hertz - kann man genau diesen Bereich nicht einfach herausnehmen aus der Tonspur?! Bitte!! Oder ist das despektierlich?

Ansonsten erweist sich Mehmet Scholl, der Reinhold Beckmann in der ARD für die Tagesspiele zur Seite steht, als erstaunlich unterhaltsamer Analytiker, der mit wenigen Worten genau das Richtige zusammenfasst. Die kleinen Schritte von Messi sind es nämlich, die es unmöglich machen, ihn zu stoppen! Der läuft nicht, der tippelt, das aber rasend schnell - da kann keiner dazwischenfoulen, sagt Scholl, der angenehm unaufgeregt und nicht so überheblich wie die allabendliche Netzer-Maske rüberkommt.

Das recht spannende Südkorea-Spiel hat er vorher auch schon nicht kleingeredet, dagegen bleibt olle Netzer später, nach der England-USA-Begegnung, natürlich wieder in seiner Rolle als Stopper. Der hat mal Bälle angenommen?! Verbal jedenfalls nie.

Bei CNN tönt man am Abend zwar in der Vorankündigung erst mal laut mit dem Unentschieden gegen die Engländer herum, aber Fußballbilder gibt es dann sehr wenige, stattdessen kurze On-Camera-Reportagen mit glücklichen Ami-Fans und glücklichen Township-Bewohnern. Da war offensichtlich nichts weiter vorgesehen...

Was war der Höhepunkt des Tages? Schon lustig, was der Werbezielgruppe Mann in den kurzen Halbzeitpausen alles so untergejubelt werden muss: "Rote Karte für die Glatze" ist der Slogan eines Koffein-Shampoos, an den man im Verlauf des Tages angesichts sowohl Mehmet Scholls als auch Wayne Rooneys Birne noch öfter denken muss. Und wer kriegt dann ausgerechnet eine der wenigen gelben Karten heute? Jonas Gutierrez, einer von vielen Hippies im argentinischen Team.

Der Tiefpunkt? Ist das Glänzende im Auge Robert Greens, des unglücklichen Keepers der Engländer, auf den direkt nach der Schmach sekundenlang alle Kameras gerichtet sind. Einfach nur eine Reflektion oder doch eine echte salzige englische Träne? Mitleid!

Was bleibt vom Tag übrig? David Beckhams eingefrorenes Gesicht, als Green der Ball von den Patschhänden flutscht. Botox oder Slowmo? Außerdem: In dem kleinen Royal-Bafokeng-Stadion, in dem die USA gegen England spielten, war die Akustik bislang am besten. Man hörte tatsächlich zarte Dudelsäcke mit "Rule Britannia" über dem Getröte!

Und heute? Algerien-Slowenien (13.30 Uhr), Serbien-Ghana (16 Uhr), Deutschland-Australien (20.30 Uhr), alle ZDF.



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emkayenne 14.06.2010
1. Sprache?
Ich weiss nicht, wieso im Spiegel solche Artikel stehen müssen, mit mehreren Ausrufezeichen und einer unfassbar trööötigen Umgangssprache. Da muss ich nicht Spiegel lesen.
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