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"Eine Detektivin für Botswana": So gemütlich ermittelt man in Afrika

Foto: ZDF/ HBO

TV-Serie "Eine Detektivin für Botswana" Miss Marple trägt jetzt Tribal-Muster

Als Bücher sind die Kriminalfälle von Mma Ramotswe ein Hit, als TV-Serie sind sie es weniger: Trotz der tollen Hauptdarstellerin Jill Scott überzeugt die BBC-HBO-Produktion "Eine Detektivin für Botswana" kaum - denn der neokoloniale Blick auf Afrika und seine Bewohner ist bisweilen zu dominant.

"Fall 1" schreibt sie langsam in die Tabelle an der alten Schultafel, "Fall 2", "Fall 3". Die anderen Felder bleiben leer. Es gibt nicht mehr zu schreiben. Precious Ramotswe hat gerade ein Detektivbüro aufgemacht. Dumm nur, dass es keine Aufträge gibt.

Die tröpfeln dann doch noch rein, in die "No. 1 Ladies' Detective Agency", so der Originaltitel. Auch wenn Precious Ramotswe die Aufgaben einer Spürnase nur aus einem halb zerfledderten Handbuch kennt, sie ist immerhin die erste "Detektivin für Botswana" - unter diesem weniger knalligen Titel läuft die TV-Serie ab Donnerstag auf Arte.

Das Besondere dieser Krimiserie ist in der Tat der Ort der Handlung: Mit Botswana rutscht ein Land ins abendliche Unterhaltungsprogramm, das sonst vielleicht nur während der Berlinale zu finden ist - und da bestenfalls im Nebenprogramm. Wer kennt schließlich schon die Hauptstadt Gaborone.

Ebenfalls auffällig die Hauptdarstellerin: Eigentlich ist Jill Scott eine Grammy-dekorierte R'n'B-Sängerin, doch als Precious Ramotswe hat die Gelegenheitschauspielerin eine Paraderolle gefunden. Diese Frau strahlt mit ihrem breiten Kreuz eine Präsenz aus, wegen der allein es sich lohnt, die Serie anzuschauen.

Mma Ramotswe ist vor allem mütterlich, sitzt meist vor ihrem Büro und trinkt Roibushtee, isst Süßes. Eine solch gemütliche Ermittlerfigur sah man zuletzt bei Agatha Christies Miss Marple. Die Fälle sind dementsprechend unspektakulär, Alltagsprobleme eben: ein Versicherungsbetrug, ein verschwundener Junge, ein Vater, der keiner ist, und ein Ehemann, der sich mit anderen Frauen vergnügt. Die Welt ist glasklar in Gut und Böse eingeteilt. Die übliche düstere Krimi-Hektik fehlt völlig, Morde sind eher selten. Auch mal schön.

Vor Ort gefilmt!

Alexander McCall Smith hat die Vorlage geschrieben, seit 1999 zwölf Folgen, alles internationale Bestseller; auch für den Booker Prize waren einige der Bücher schon nominiert. In Deutschland lief die Buchreihe unter dem Namen "Mma Ramotswe". McCall Smith schuf noch weitere Romanserien, aber Afrika ist er besonders verbunden: Der Brite wurde in Simbabwe geboren, als es noch Rhodesien hieß und Kolonie war; später arbeitete er als Juraprofessor in Botswana.

Dass in Botswana (übrigens erst seit 1966 von den Briten unabhängig) gedreht wurde, gehört zur Verkaufe: Die erste TV-Serie, die in Botswana spielt! Vor Ort gefilmt! Deswegen mussten die Schauspieler ja auch alle aus USA und UK importiert werden. Überhaupt steht nur der Drehort für Botswana. Die Serie ist eine amerikanisch-britische Co-Produktion der Sender HBO und BBC. Große Namen haben bei der "Detektivin für Botswana" mitgewirkt: Anthony Minghella ("Der englische Patient"), Sidney Pollack ("Jenseits von Afrika") und Richard Curtis ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall"). Minghella und Pollack haben den Auftaktfilm angeschoben, geschrieben, produziert, Curtis übernahm nach dem Tod der beiden Regielegenden 2008.

Die Handschrift von Minghella/Pollack/Curtis lässt sich schon im bildstarken Vorspann entdecken: Die Kamera fliegt über grünfeuchte Wälder, man sieht die Flussläufe, in denen sich die Sonne funkelnd spiegelt. Welch fruchtbare Landschaft, welch ästhetischer Reichtum, welch pastorale Idylle! Kein Wunder, dass die Briten sich dieses Paradies unter den Nagel gerissen haben, als sie ihren Blick herrschaftlich schweifen ließen - eben genau wie die Kamera. Doch auch wenn das keine ungewöhnliche Bildsprache ist für Produktionen, in denen die Landschaft zur Inszenierung dazu gehört, wird man das ungute Gefühl nicht los, die ganze Serie werde ein wenig von einem neokolonialen Gestus deluxe getragen.

Man meint, den Blick von Außen zu entdecken, den Blick des Anderen aus dem Westen, der fasziniert an den im Staub spielenden Kindern hängen bleibt, an provisorisch zusammengezimmerten Hütten, an den Marktszenen, die so aussehen als seien sie direkt aus "National Geographic" geklaut, und an den Stammestänzen im Lendenschurz. Ja, auch die mussten offensichtlich mit rein. Im Off derweil Djemben-Rhythmen. Allzu erwartbare Klischees.

Halleluja, Hosanna

Warum sie Detektivin werden wolle, wird Precious anfangs gefragt. "Ich liebe mein Land Botswana und ich liebe Afrika. Und ich möchte etwas Gutes tun mit der Zeit, die Gott mir geschenkt hat." Das Christentum ist omnipräsent, die Schulkinder singen "Halleluja, Hosanna", was sicher nicht weiter ungewöhnlich ist. Doch dass der ursprüngliche Glaube, bevor die christlichen Missionare kamen und die Bevölkerung "bekehrten", pauschal als "Schwarze Magie" und "Aberglaube" abgetan wird, ist dann doch eine etwas fragwürdige Botschaft.

Es ist, als hätte der Westen Botswana mit dieser Serie eine Image-Kampagne schenken wollen: Seht, mit Afrika geht's aufwärts. Sie helfen sich selbst, so wie jene gut gebaute Frau, die nach dem Tod ihres Vaters vom Dorf in die Hauptstadt zieht, um sich als Detektivin selbständig zu machen, und sagt: "Alle Männer, die ich treffe, sagen mir sonst immer, was ich anders machen soll. Ich will lieber selbst entscheiden, wie ich was tue." Jene Precious Ramotswe, die die Großraumbüros mit ihren Computern links liegen lässt, um ein altes rümpeliges Post-Häuschen zu ihrer Detektei zu machen, in dem eben noch ein Esel hauste. Die gleich zwei mechanische Schreibmaschinen für die Arbeit bekommt, weil bei jeder ein paar Buchstaben fehlen. Und die vor allem diese lebensbejahend bunten Kleider mit tribalen Mustern trägt, große Holzohrringe, Haarband, typisch Afrika halt, Sie wissen schon.

Precious Ramotswe muss im Übrigen nicht alleine ermitteln. Wie in jeder Krimi-Reihe gibt es auch hier ein paar Side-Kicks. Leider bleiben sie etwas schablonenhaft, was durch die deutsche Synchronisierung mit ihren unmotivierten Stöhn-Lauten auch nicht besser wird: der Automechaniker (Lucian Msamati), der es auf Precious abgesehen hat; der Friseur von nebenan (Desmond Dube), natürlich schwul; und die hochgeschlossene Sekretärin Grace Makutsi (Anika Noni Rose aus "Dreamgirls"), die verzweifelt, weil der Laden nicht läuft.

Er lief auch für die Serie nicht richtig gut. Die erste Staffel ist auch die letzte, die Einschaltquoten stimmten nicht. Daran konnte auch die Hauptdarstellerin Jill Scott nichts ändern.


"Eine Detektivin für Botswana", Pilotfilm und sechs Serienteile, ab 4. August immer donnerstags, 20.15 Uhr, Arte

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