Kritischer TV-Clip Ungarns Regierung empört über deutschen Kika

Was ist in Ungarn los? Pressefreiheit eingeschränkt, Ärger mit der EU - so erklärt ein Bericht in den Kika-Nachrichten seinen jungen Zuschauern die Lage in dem Land. Die Regierung unter Viktor Orbán erwägt nun eine offizielle Beschwerde und poltert: Der Clip führe Kinder in die Irre.
Ungarischer Premier Viktor Orbán: EU besorgt über Machtkonzentration

Ungarischer Premier Viktor Orbán: EU besorgt über Machtkonzentration

Foto: BERTRAND LANGLOIS/ AFP

Berlin/Budapest - Die ungarische Regierung reagiert verschnupft auf einen kritischen Beitrag in den Kindernachrichten des deutschen Kinderkanals (Kika) . Man erwäge Beschwerden bei deutschen oder internationalen Institutionen, sagte Regierungssprecher Ferenc Kumin am Freitag.

In dem etwa eine Minute langen Zeichentrick-Einspieler werden jungen Politikinteressierten die Einschränkungen der Pressefreiheit und die Beschneidungen des ungarischen Verfassungsgerichts durch die rechtskonservative Regierung erklärt. Der Beitrag mit dem Titel "Was ist in Ungarn los?" endet mit den Worten: "Es sieht also ganz so aus, als halten sich die ungarischen Politiker manchmal nicht an die gemeinsamen Regeln der Europäischen Union."

Diese Darstellung will die Regierung unter Premierminister Viktor Orbán nicht gelten lassen. Das ungarische Außenministerium erklärte, der Zeichentrickfilm verbreite Unwahrheiten über Ungarn und missachte die Fakten. Es sei insbesondere besorgniserregend, wenn Kinder mit falschen Informationen in die Irre geführt würden.

Sowohl die Europäische Union als auch die USA haben in der Vergangenheit ihre Besorgnis über Versuche der Orbán-Regierung ausgedrückt, die Macht im Staat zu zentralisieren und demokratische Kontrollmechanismen zu schwächen. Die unter Orbán jüngst umgestaltete ungarische Verfassung beinhaltet Regelungen, die zuvor vom höchsten ungarischen Gericht für verfassungswidrig erklärt worden waren. Zuletzt war ein Minister der ungarischen Regierung damit aufgefallen, antisemitische Künstler und Journalisten ausgezeichnet zu haben.

kuz/AP