"Negativ-Überraschung" WDR-Mitarbeiter fürchten Antenne-Bayern-Frau

Hat sich WDR-Intendant Tom Buhrow zu schnell für Valerie Weber als neue Hörfunkdirektorin entschieden? Die Personalie sorgt bei Redakteuren für Unmut: Die Antenne-Bayern-Programmdirektorin passe nicht zum öffentlich-rechtlichen Sender.
Valerie Weber, Noch-Programmdirektorin bei Antenne Bayern: Hallo WDR?

Valerie Weber, Noch-Programmdirektorin bei Antenne Bayern: Hallo WDR?

Foto: Antenne Bayern

Hamburg/Köln - Es war vorherzusehen, dass diese Personalentscheidung Unmut hervorrufen wird. Aber dass die Kritik so harsch ausfällt, damit hatte WDR-Intendant Tom Buhrow wohl nicht gerechnet, bevor er Mitte November verkündete, Valerie Weber solle neue Hörfunkdirektorin des Senders werden. Bei der Mitarbeiterschaft gibt es eine regelrechte Front gegen die Noch-Geschäftsführerin des privaten Radios Antenne Bayern. Begründung: Sie passe einfach nicht zum öffentlich-rechtlichen Sender.

Weber stehe für Marketing-Aktionen und Gewinnspiele, dies berichtete etwa auch der Branchendienst Meedia.  Laut "Kölner Stadtanzeiger" haben Teile der WDR-Belegschaft von einer "Negativ-Überraschung", gar von einer Katastrophe gesprochen. Rund 150 Mitarbeiter hätten sogar einen Protestbrief an Buhrow geschickt,  mit dem sie eine Versammlung forderten, um über die Nominierung von Weber zu sprechen.

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte der WDR den internen Protest der Mitarbeiter. Es werde aber an der Personalie festgehalten. Valerie Weber sei eine Wunschkandidatin, die eine neue Perspektive mitbringe. Mit ihr sollen Stärken des WDR ergänzt werden. Sie sei eine vielseitige, leidenschaftliche und analytische Strategin, erklärte WDR-Sprecher Birand Bingül. Zudem habe Valerie Weber beim privaten Radio einen guten Job gemacht. Viele sähen nur die Marketing-Aspekte, dabei habe Weber etwa auch den Wortanteil bei Antenne Bayern ausgeweitet.

Auch der Rundfunkrat beschwichtigt: Er nehme die Reaktionen aus dem Sender ernst. "Zunächst aber ist es unser gesetzlicher Auftrag, den Vorschlag des Intendanten, der uns zur Entscheidung vorliegt, zu prüfen", erklärt die Vorsitzendes des WDR-Rundfunkrates, Ruth Hieronymi. Intendant Buhrow führe bereits Gespräche im Haus, um seine Entscheidung bei Kollegen zu erläutern.

Valerie Weber selbst will sich nicht zu ihrer möglichen neuen Stelle äußern. Von Antenne Bayern heißt es lediglich: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Nominierungen anderer Rundfunkanstalten nicht kommentieren."

Der Rundfunkrat entscheidet diesen Freitag über die Personalie. Außerdem wird über den Vorschlag abgestimmt, Jörg Schönenborn zum WDR-Fernsehdirektor zu küren. Doch es gilt als sicher, dass Buhrows Kandidaten durchkommen.

kha
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