"Unser Star für Baku" Eurovision Raab Contest

Rückzug? Von wegen. Der Eurovision Song Contest bleibt eine Herzenssache für Stefan Raab. Als Juror beim Vorentscheid stellte er jetzt euphorisch ein neues Abstimmungsverfahren mit einer "Blitztabelle" vor. Der neue Jurypräsident Thomas D will alles wie Raab machen - "nur besser".

dapd

Köln - Es hat etwas von Eltern, die ihre Kinder nicht loslassen können. Eigentlich hatte Stefan Raab, 45, sich aus der Verantwortung für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) weitgehend zurückziehen und die Verantwortung in die Hände des neuen Jurypräsidenten, Thomas D, 42, von den Fantastischen Vier, übergeben wollen. Doch nun ist Raab als festes Jurymitglied wieder mit von der Partie.

"Es ist natürlich kein Rücktritt vom Rücktritt", versicherte Raab am Montag bei einer Pressekonferenz in Köln. "Ich habe gesagt, dass ich nicht mehr am Eurovision Song Contest als Autor und als musikalischer Produzent teilnehmen werde." Eine Gastjurorenrolle habe er dagegen nicht ausdrücklich ausgeschlossen, und Thomas D habe ihn gebeten, nicht nur als Gast, sondern ständig mit dabei zu sein.

Thomas D - der während der Pressekonferenz auch hin und wieder zu Wort kam - bestätigte, er habe den "Vollblutmusiker" Raab gebeten, an seiner Seite zu bleiben. Drittes Jurymitglied ist Frida-Gold-Sängerin Alina Süggeler, 26. Die Entscheidung darüber, wer Deutschland beim Eurovision Song Contest 2012 in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku vertritt, trifft jedoch das TV-Publikum.

"Einführung der Blitztabelle in die Unterhaltung"

Neu ist, dass man von Anfang sehen kann, wer von den Kandidaten gerade vorn liegt. In jeder der acht Live-Shows auf ProSieben und in der ARD stimmen die Fernsehzuschauer "in einem permanenten Echtzeit-Voting" ab. Bis vor vier Wochen habe das Sendungskonzept noch ganz anders ausgesehen als jetzt, verriet Raab. Doch kam ihm beim Fernsehschauen - "Ich habe, glaube ich, Skifahren geguckt oder Biathlon" - eine neue Idee.

"Sie sehen also vom ersten Moment der Sendung an, wie es steht", sagte Raab. "Ab diesem Moment kann der Zuschauer bereits abstimmen. Sie sehen - auch während der Kandidat singt - wie sich sein Ranking verändert." Das sei nichts weniger als die Einführung der "Blitztabelle" in die deutsche Fernsehunterhaltung. Während der Sendung würden die telefonischen Abstimmungen innerhalb von nur fünf Sekunden gewichtet. "Ich glaube, dass das auch ein Vorbild sein wird: In 10, 15 Jahren werden die Bundestagswahlen so stattfinden. Im Sport ist das schon alltäglich." Ein etwas eigentümliches Demokratieverständnis.

Die erste Show von "Unser Star für Baku" läuft am Donnerstag (12. Januar) bei ProSieben. Die Moderatoren sind Sandra Rieß, 25, und Steven Gätjen, 39. Zu Beginn gibt es 20 Kandidaten, zwölf Frauen und acht Männer. Sie treten gestaffelt am Donnerstag und in der folgenden Woche (19. Januar) an. Immerhin wissen damit auch die Kandidaten direkt vom ersten Moment an, wie sie bei den Zuschauern ankommen.

"Bin schon auf dem Zahnfleisch gegangen"

Denn sobald sich alle zehn auf der Bühne vorgestellt haben und noch bevor sie eine Zeile gesungen haben, beginnt in der ersten Show die Abstimmung. Der Kandidat, der zu Beginn ganz hinten liegt, muss als Erster Singen - der mit der scheinbar sympathischsten Ausstrahlung kommt als Letzter an die Reihe. In jeder der beiden Sendungen kommen nur jeweils fünf weiter. Die Kandidaten wählen die Songs, mit denen sie auftreten, selbst aus.

In den folgenden Sendungen wird die Zahl der Kandidaten immer kleiner, bis schließlich die beiden Top-Favoriten am 16. Februar im Finale stehen. Die Jury kommentiert die Auftritte, während die Kandidatenauswahl Sache der Zuschauer ist. ProSieben überträgt sechs der Shows. Die ARD zeigt das Viertelfinale und das Finale.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa betonte Raab zur Sicherheit noch mal, "die volle inhaltliche musikalische Verantwortung" liege jetzt bei Thomas D, dem Musiker der Fantastischen Vier. Das sei ihm auch nur recht so, denn in den letzten beiden Jahren habe er mit der Albenproduktion für Lena eine ganz schöne Doppelbelastung gehabt: "Ich bin zeitweise schon auf dem Zahnfleisch gegangen."

Unterdessen forderte Amnesty International die deutschen Teilnehmer auf, sich für die Menschenrechte in Aserbaidschan einzusetzen. "Es darf nicht sein, dass das Gastland den Teilnehmern des Eurovision Song Contest sowie einreisenden Journalisten Meinungsfreiheit zusichert, aber gleichzeitig die eigene Bevölkerung unterdrückt und ihr grundlegende Menschenrechte verweigert", schrieb Wolfgang Grenz, der Generalsekretär von Amnesty in Deutschland. Das Duo Ell & Nikki hatte im Mai für Aserbaidschan den Grand Prix in Düsseldorf gewonnen. Lena Meyer-Landrut, die Deutschland 2010 erstmals seit rund 30 Jahren wieder einen ESC-Sieg beschert hatte, war im Vorjahr erneut angetreten und erreichte Platz zehn.

feb/dpa/dapd/AFP



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Seite 1
stesoell 09.01.2012
1.
Zitat von sysopRückzug? Von wegen.*Der Eurovision Song Contest bleibt eine Herzenssache für Stefan Raab.*Als Juror beim Vorentscheid stellte er jetzt*euphorisch ein neues Abstimmungsverfahren mit*einer "Blitztabelle" vor. Der neue Jurypräsident Thomas D will alles wie Raab machen - "nur besser". http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,808021,00.html
Bin dabei :-) Mir haben die Shows in 2010 gut gefallen. Viel Musike, wenig Blabla,... gut so!
drumdidum 09.01.2012
2. Nettes Konzept...
Zitat von stesoellBin dabei :-) Mir haben die Shows in 2010 gut gefallen. Viel Musike, wenig Blabla,... gut so!
Ich bin auf den Effekt dieser Blitztabelle gespannt. Einerseits kann diese Tabelle die Anrufer in ihrer Meinung beeinflussen. Wahrscheinlicher ist, dass es dazu führen wird dass mehr Leute für ihren Favoriten anrufen, wenn sie merken dass dieser nur zweite oder dritte Stelle belegt - was zu ingesamt mehr Anrufen führt -> mehr Kohle. In jedem Fall denke ich verfälscht eine Blitztabelle das Ergebnis immer irgendwie, irgendwo. Weshalb dieses Verfahren wohl niemals bei Bundeswahlen eingesetzt wird... hoffe ich zumindest.
Sapientia 09.01.2012
3. Glauben Sie kein Wort davon
Zitat von sysopRückzug? Von wegen.*Der Eurovision Song Contest bleibt eine Herzenssache für Stefan Raab.*Als Juror beim Vorentscheid stellte er jetzt*euphorisch ein neues Abstimmungsverfahren mit*einer "Blitztabelle" vor. Der neue Jurypräsident Thomas D will alles wie Raab machen - "nur besser". http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,808021,00.html
Es sit doch klar, daß Schlachter Raab sich nur im Rückwärtsgang ins gemachte Nest setzen will, um über die Loge die Fäden in der Hand zu behalten. Wie gut, daß sich Lena aus seinen Klauen befreit hat.
biobanane 09.01.2012
4.
Zitat von sysopRückzug? Von wegen.*Der Eurovision Song Contest bleibt eine Herzenssache für Stefan Raab.*Als Juror beim Vorentscheid stellte er jetzt*euphorisch ein neues Abstimmungsverfahren mit*einer "Blitztabelle" vor. Der neue Jurypräsident Thomas D will alles wie Raab machen - "nur besser". http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,808021,00.html
Schade, das Konzept ist ja gut, währe aber ohne Raab noch besser. Warum kan man ihn nicht klar machen, dass er ein erfolgreicher Produzent ist, aber leider live schwer erträglich. Das mit der Blitztabelle hat immerhin einen Vorteil, dass die Reihenfolge nicht von Raab festgelegt wird. Das letzte Mal war es doch zu offensichtlich, dass er Lena wollte. Sie durfte immer zum Schluss singen.
Indigo76 09.01.2012
5.
Zitat von SapientiaEs sit doch klar, daß Schlachter Raab sich nur im Rückwärtsgang ins gemachte Nest setzen will, um über die Loge die Fäden in der Hand zu behalten. Wie gut, daß sich Lena aus seinen Klauen befreit hat.
Warum verwechseln sie Raab mit Bohlen? Wärend Bohlens Opfer mit schöner Regelmäßigkeit spätestens nach einem Jahr wieder in der Versenkung verschwinden, haben sowohl Max Mutzke als auch Stephanie Heinzmann (beides Entdeckungen in Raab-Castingshows) ein ziemlich stabile Karriere aufgebaut. Man kann ja viel gegen Stefan Raab sagen und an vielem ist auch ne Menge dran, aber dass er die, die er aufbaut so wie Bohlen ausbeutet und sie dann fallen lässt sobald damit kein Geld mehr zu verdienen ist, das ist einfach nicht wahr.
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