TV-Anwaltsserie "Suits" So ein nettes Kapitalistenschwein

Meine Manieren sind fein, mein Herz ist rein, ich bin ein ethisch korrektes Kapitalistenschwein. So in etwa lautet das Credo der Yuppieanwälte in der US-Serie "Suits", die ab jetzt auch in Deutschland zu sehen ist. Eine Kanzlei voller hilfsbereiter Neoliberaler also? Na klar, Amerika!

Fox/ Universal Television

Von Daniel Haas


Dass solche Typen wieder in Mode sind! Der Anzug so gut geschnitten, dass sich die Frage nach der Marke erübrigt. Diese Outfits gibt's nicht von der Stange. Krawatten mit faustgroßen Knoten. Hemden, die auch bei schummrigstem Barlicht edel schimmern. Und Schuhe zum Preis eines Monatsgehalts.

Wer glaubte, der Yuppieanwalt mit tausend Dollar Stundensatz sei in Finanzkrisenzeiten nicht mehr salonfähig, darf jetzt mitstaunen. Harvey Specter (Gabriel Macht) sieht aus wie ein Model, redet wie Donald Trump und hat dennoch das Herz eines Sozialarbeiters. Das entdeckt man natürlich erst im Kontrast zu all den anderen Renditejägern, die der Mann im Auftrag einer New Yorker Kanzlei zur Ader lässt.

Der gute Neoliberale - auf so eine Idee kommen sie womöglich nur in Amerika und dort nur beim Sender USA Network. Das Kabelunternehmen ist die bodenständige Konkurrenz von Adressen wie HBO und Showtime. Produzieren sie dort dunkle Fabeln über die Verkommenheit des Menschen und verwandter Spezies (Serienkiller in "Dexter", Vampire in "True Blood"), zeigt USA Network gelungene Erwerbsbiografien mit einem Schuss Dramatik und einer großen Portion Humanismus.

Die guten Advokaten

"Burn Notice": Ex-Agent wird zum Privatermittler und hilft Wehrlosen gegen Kriminelle. "Royal Pains": Ex-Chirurg wird Privatarzt der Superreichen und hilft Ahnungslosen gegen seelischen und körperlichen Verfall. "White Collar": Ex-Meisterdieb hilft dem FBI gegen alle, die es verdient haben.

Und wem hilft Harvey Specter? Einem jungen Betrüger namens Mike Ross (Patrick J. Adams). Hochbegabt und ausgestattet mit einem fotografischen Gedächtnis schreibt der gegen Geld Jura-Prüfungen für faule Studenten. Wie Zufall und Drehbuch es wollen, landet er in einer Jobbörse von Harvard-Absolventen. Und die sind alle so dämlich - das heißt hier: uncharismatisch und nicht Maßanzug-fähig -, dass Harvey den jungen Filou als Assistenten anheuert.

Eine Pygmalion-Geschichte also. Erst einmal werden der Nachwuchs geschleift und Millionen gemacht, pro Folge ein Fall; Softwareentwickler droht abgezockt zu werden von Firmenkonsortium; Rennwagenbauer muss Unternehmen vor Heuschrecken retten. Es gibt die guten Advokaten und die gute Ökonomie, und gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Wirtschaft - Wall Street hin, Investmentbanker her - doch nicht vor die Hunde geht.

Kapitulation vor den Verhältnissen

Vielleicht ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt für eine Erzählung wie in "Suits" (läuft in Deutschland ab Montag beim Bezahlsender Fox Channel). Aus dem Kapitalismus kommen wir eh nicht mehr lebend raus, warum sich also dessen Akteure nicht mal hilfreich, edel und gut vorstellen? Auch wenn Harvey markige Sprüche klopft - "Er hat seinen Job verloren? Soll er sich einen neuen suchen" -, so ist er doch ein integrer Charakter. Er schläft noch nicht mal mit verheirateten Frauen, eigentlich das traditionelle Hobby des seine Konkurrenten deklassierenden Alphamannes.

Und der junge Mike wird genau der Anwalt werden, von dem Occupy-Wallstreet-Anhänger immer geträumt haben. Jung, cool, schlau, und im richtigen Moment wird dem System ein Schnippchen geschlagen. Dass er dabei selbst Karriere macht, stört nicht weiter. Er fährt schließlich Fahrrad, und das in New York. Es wirkt in manchen Szenen, als sei Christian Lindner in Frankfurt für die Grünen unterwegs.

Wenn es eine kritische Note gibt, dann liegt sie in der Figurenkonstellation. Gauner plus Etablierter, das ist, wie gesagt, auch bei "White Collar" so. Und in der Krimiserie "Breakout Kings" vom US-Sender A&E sind es Langzeitknackis, die der Polizei helfen, entflohene Sträflinge aufzuspüren.

Der Glaube, mit offiziellen Methoden sei das Unheil in den Griff zu kriegen, nimmt also ab. Dass Institutionen dem finanzkapitalistischen Zockerwahn beikommen, daran glaubt in der Schuldenkrise so recht niemand mehr. Für solche Lagen gilt dann der Satz: Man braucht einen Dieb, um einen Dieb zu fangen. Doch die talentierten gutherzigen Ganoven, die jetzt im Dienst des Gemeinwohls schuften, sind letztlich traurige Gestalten. Sie stehen für eine Kapitulation vor den Verhältnissen.

Wenigstens sieht das Ganze gut aus. Riesige Glasfronten, Eckbüros im x-ten Stock, Nobelrestaurants an der Upper East Side. Da spielt selbst das Wetter mit. Wie bemerkte ein Kritiker der "L.A. Times": "In USA-Serien wird niemals Regen gezeigt."


"Suits": Montag, 21 Uhr, Fox Channel



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
mactor2 07.01.2013
1. Kapitalistenschwein?
Was sind das für dumme "Linke" Parolen hier?
bla178 07.01.2013
2. super Sendung
meiner Meinung nach ist suits eine der besten Sendungen die aktuell laufen. Zugegeben die zweite Staffel ist nicht ganz so stark wie die erste, aber immer noch sehr gut.
niska 07.01.2013
3.
Zitat von mactor2Was sind das für dumme "Linke" Parolen hier?
Das war durchaus augenzwinkernd gemeint. Warum ist bei Neocons nur immer der Ironiesensor defekt?
iradex 07.01.2013
4.
Irgendwie fehlt mir in dieser Kritik das, was für mich in eine Kritik gehört: Worte zur schauspielerischen Leistung, Spannung etc. Vielleicht bin ich da zu altmodisch. Aber dass Kapitalisten per se schlechte Menschen sind und nur Sozialisten der Menschlichkeit fähig sind erscheint mir kaum authentischer als der Inhalt der Serie.
frubi 07.01.2013
5. .
Zitat von sysopFox/ Universal TelevisionMeine Manieren sind fein, mein Herz ist rein, ich bin ein ethisch korrektes Kapitalistenschwein. So in etwa lautet das Credo der Yuppieanwälte in der US-Serie "Suits", die ab jetzt auch in Deutschland zu sehen ist. Eine Kanzlei voller hilfsbereiter Neoliberaler also? Na klar, Amerika! http://www.spiegel.de/kultur/tv/us-anwaltsserie-suits-mit-gabriel-macht-a-875745.html
Den meisten Formaten schenke ich wenigstens für eine Folge meine Aufmerksamkeit aber nachdem ich gestern mit der 4ten Staffel von Breaking Bad fertig geworden bin und die Soprano Box noch ungeöffnet rumliegt, wüsste ich keinen Grund wieso ich mir diese schönlinge in Anzügen ansehen sollte.
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