US-Wahl bei "Anne Will" "Verlierer sind systemrelevant"

Donald Trump ist noch da, aber bereits Geschichte. Anne Will lässt darüber diskutieren, was das für Europa und die USA bedeutet – und wer sich bei den Republikanern schon für die Nachfolge warmläuft.
Anne Will (Mitte) mit Gästen (v.l.): Lora Anne Viola, Armin Laschet, Hedwig Richter, Klaus Brinkbäumer. Zugeschaltet Peter Rough (vorn)

Anne Will (Mitte) mit Gästen (v.l.): Lora Anne Viola, Armin Laschet, Hedwig Richter, Klaus Brinkbäumer. Zugeschaltet Peter Rough (vorn)

Foto: NDR/Wolfgang Borrs

Vor Freude geweint hat niemand, aber die Erleichterung über den Ausgang der US-Wahl ist auch im Studio bei Anne Will spürbar. Allerdings wird man sich auch dort noch daran gewöhnen müssen, dass künftig nicht mehr der Mann im Mittelpunkt stehen wird, der diese Position in den vergangenen vier Jahren über Gebühr genossen hat. Und wohl noch ein Weilchen genießen wird.

Außenminister Heiko Maas (SPD) räumt ein, es werde nun noch ein "unangenehmes Nachspiel" geben mit Anwälten und dergleichen. Das Wahlergebnis aber sei nicht mehr zu ändern. Zu hoffen sei, dass es nun jemand dem Präsidenten beibringt: "In einer Demokratie sind Verlierer systemrelevant", weil es ohne Verlierer auch keine Gewinner geben könnte.

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Will möchte von Maas gern wissen, ob die Glückwünsche aus Berlin nicht ein Schlag ins Gesicht der 71 Millionen Trump-Wähler seien. Maas: "Da machen sie uns ein bisschen wichtiger, als wir sind, dass also wir jetzt schon für die amerikanische Spaltung verantwortlich sind".

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Als Historikerin denkt Hedwig Richter an das Jahr 1877, wenn sie eine vergleichbar heftige Situation memorieren müsste wie jetzt. Damals befanden sich die USA in der "Reconstruction", den Nachwehen des Bürgerkriegs, und die Südstaaten stimmten nach einer ebenfalls umstrittenen Wahl nur unter militärischem Druck einem gewählten Präsidenten zu. Heute, so Richter, seien selbst komplizierte Situationen durch nachgeschaltete Verfahren geregelt. Spätestens im Januar 2021.

Auch Armin Laschet gibt sich in dieser Hinsicht hoffnungsvoll und nebenbei den gut informierten Außenpolitiker, was seiner Bewerbung um den CDU-Vorsitz sicher nicht schaden kann. Er habe "großes Zutrauen in die amerikanischen Institutionen". Und Joe Biden habe bewiesen, dass man sich "auch mit einem Kurs der Mitte" bei einer solchen Wahl durchsetzen könne. Es werde sich "das Trumpistische" nicht überall durchsetzen.

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Die Politikwissenschaftlerin Lora Anne Viola geht noch einmal auf die Spaltung ein, die in den USA seit etwa den Siebzigerjahren zu beobachten ist. Seitdem fehle der Gesellschaft zusehends "die Mitte". Der Journalist und US-Experte Klaus Brinkbäumer fügt hinzu, die Gesellschaft sei derzeit eigentlich nur von gemeinsamen "Sorgen" zusammengehalten. Darüber hinaus verständigten sich die Menschen derzeit "nicht mehr über die Wirklichkeit".

Zur Wirklichkeit gehört auch, dass auch überdurchschnittlich viele der 71 Millionen Stimmen für Donald Trump aus der "Community" der Afroamerikaner gekommen sind. Wie das? Nun, vielleicht handelt es sich da eben nicht um eine "Community", sondern um eine ebenfalls sehr diverse Gruppe von Menschen. Es sei "sicher ein Fehler" der Demokraten gewesen, sich die ethnischen (oder sexuellen) Minderheiten automatisch selbst zuzuschlagen.

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So sieht es auch der aus einem geräumigen Automobil zugeschaltete Stargast, Reverend Al Sharpton. Ein schwarzer Amerikaner ist eben nicht nur schwarzer Amerikaner, sondern unter Umständen auch Restaurantbesitzer oder Geschäftsmann. Und als solcher könne es durchaus sein, dass er Trump das Versprechen abnahm, ihn in seinem "Unternehmertum zu unterstützen". Das sei dennoch eine Minderheit, so Sharpton. Es überwiege in dieser Bevölkerungsgruppe "Erleichterung und Freude".

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Die Wirtschaft sei wichtig, merkt Brinkbäumer an, die gehört zu den großen Sorgen, "und da gehen dann auch einige Afroamerikaner mit". Darüber hinaus habe der vom Amtsinhaber gepflegte "Macho-Kult" möglicherweise bei einigen Wählern "und auch Wählerinnen gezündet". Als Will fragt: "Vertrauen dann PoC noch auf die Polizei?", fragt Brinkbäumer zurück: "Vertraut wer?", weil ihm das Kürzel PoC für "people of color" vor lauter Expertentum doch nicht so geläufig ist.

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Wasser in den Wein gießt auch Peter Rough, austro-amerikanischer Politikberater und Republikaner. Die Defensive ist ihm anzumerken, und das Benehmen des Abgewählten ist ihm sichtlich unangenehm: "Ich kann ihn gern denunzieren, wenn sie wollen", antwortet er auf die entsprechende Frage von Anne Will, die sofort kontert: "Warum halten sie eine Analyse für eine Denunziation?".

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Zwar würden, so Rough, Biden und Harris nun "Europa umarmen", aber auch einige Forderungen mitbringen – vielleicht charmanter formuliert, als man es zuletzt von Trump gewohnt war. Aber dennoch unbequem, wenn es etwa um eine gemeinsame Haltung gegenüber China gehe.

Ob der "Trumpismus" erledigt ist, sei auch noch nicht abgemacht. Schon jetzt liefen sich gewisse junge Republikaner für die kommenden Wahlen warm, die als Trump 2.0 aufträten. Die Republikaner schilderte er als Sammelbecken all jener, die gegen "undemokratische Machtkonzentrationen" aufstünden, etwa im Silicon Valley oder bei den Medien.

Im Grunde aber müsste Biden, um konstruktiv und heilend wirken zu können, nur dem Einfluss der "erwachten Linken" und "technokratischen Eliten" in Washington widerstehen, sagte Rough. Mache er "eine gemäßigte Politik", dann sei auch mit der notwendigen Unterstützung der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus zu rechnen.

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Als Hedwig Richter am Ende noch das geräumige Fass aufmacht, dass in den kommenden Jahren wichtige Institutionen der USA unbedingt reformiert werden müssten, schaut Anne Will auf die Uhr: "Schalten Sie nächsten Sonntag wieder ein, wenn es heißt: Wir diskutieren über das amerikanische Wahlsystem!".

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