TV-Krimiserie "Copper" Die Polizei, dein Feind und Killer

In der US-Serie "Copper" gilt ein New Yorker Gesetzeshüter schon als Gutmensch, wenn er nicht allein aus Spaß foltert und mordet. Ein starker Historien-Krimi über die blutige Zeit während des Bürgerkriegs, in dem auch Franka Potente auftritt. Als Puffmutter. Leider.

Cineflix/ BBC America/ BetaFilm

Von Denis Krick


Der Banküberfall endet blutig. Kaum haben die Ganoven das Geldinstitut verlassen, liegen sie tot in einer dreckigen Gasse des New Yorker Elendsviertels Five Points, kaltblütig erschossen von Kevin "Corky" Corcoran (Tom Weston-Jones) und seinen zwei Kollegen. Das Trio rafft noch schnell ein paar Geldscheine von der Beute zusammen, ehe die Vorgesetzten aufkreuzen und den Rest abgreifen. Auch ein Polizist muss halt schauen, wo er bleibt.

In der TV-Serie "Copper - Justiz ist brutal" sind alle Polizisten irgendwie schlecht und korrupt, was vielleicht auch am Jahr 1864 liegt; in Amerika tobt der Bürgerkrieg, auch jenseits der Schlachtfelder ist Gewalt allgegenwärtig.

Und im Vergleich zu seinen Kollegen ist der irischstämmige Bulle Corcoran ja noch einer von den weniger Schlimmen. Er foltert nur, wenn es zweckdienlich ist, und er mordet nur, wenn es das Opfer verdient hat, aus seiner Sicht jedenfalls. Bei ihm sitzt das Herz eben am rechten Fleck. Egal ob Kinderschänder in der Fifth Avenue oder Rassisten in Five Points - der "Copper" jagt sie alle.

Corcoran ist selbst vom Schicksal arg gebeutelt. Während er im Bürgerkrieg kämpfte, verschwand seine Frau spurlos in New York. Die gemeinsame Tochter wurde in derselben Nacht ermordet aufgefunden. Seitdem ist er auf der Suche: nach dem Kindsmörder, der Gattin und der Wahrheit. Dabei hilft ihm sein Armeekumpel Matthew Freeman (Ato Essandoh), ein schwarzer Arzt, eine Art früher Forensiker. Trost sowie körperliche Zuneigung findet der Bulle von der traurigen Gestalt bei der preußischen Puffmutter Eva (Franka Potente).

Potente - die ideale Puffmutti

"Copper" wurde von den Autoren Will Rokos und Tom Fontana erdacht. Letzterer gilt im TV-Geschäft als lebende Legende. Er schrieb Drehbücher für so innovative Formate wie die Krankenhausserie "Chefarzt Dr. Westphall" und die Krimi-Saga "Homicide". Für den US-Kabelsender HBO schuf er das bahnbrechende Gefängnisdrama "Oz", das Hit-Shows wie den "Sopranos" und "The Wire" den Weg ebnete. Und auch die ZDF-Co-Produktion "Borgia" stammt von ihm.

Bereits vor sechs Jahren entwickelten Rokos und Fontana "Copper", damals noch für den US-Kabelsender AMC ("Mad Men", "The Walking Dead"). Als dort die Führungsriege wechselte, wurde das Projekt vorerst begraben. 2011 sicherte sich dann BBC America die Rechte und fuhr mit "Copper" im vergangenen Jahr Rekordquoten ein. Eine zweite Staffel ist bereits in Arbeit. Beim englischen Muttersender BBC läuft inzwischen eine Serie namens "Ripper Street", die zwar in London spielt, aber "Copper" verdammt ähnlich sieht.

Für sein Historiendrama wählte Fontana bewusst eher unbekannte Darsteller für die Hauptfiguren aus. "Es fällt den Zuschauern dadurch einfacher, die Schauspieler in ihren Rollen zu akzeptieren", sagte der gebürtige New Yorker SPIEGEL ONLINE. Stars in einer neuen Serie würden nicht so gut funktionieren. "Aber natürlich sind nicht alle in 'Copper' unbekannt, wir haben ja Franka Potente", sagt der 61-Jährige. "Die ist ja keine Anfängerin." Potente habe ihn beim Casting in Los Angeles sofort überzeugt, die Deutsche sei "die perfekte Besetzung". Worüber man geteilter Meinung sein kann: Mit ihrer Darstellung der listigen Bordellchefin schießt sie recht häufig über das Ziel hinaus, ihr Spiel wirkt oft überbetont und passt besser ins Theater als ins Fernsehen.

Gedreht wurde "Copper" im kanadischen Toronto in einer riesigen Fabrikhalle, in der man das legendäre New Yorker Armenquartier Five Points nachbaute, das auch schon Martin Scorsese für seine "Gangs of New York" wiederauferstehen ließ. Warum der Dreh in einer Fabrik? "Hauptsächlich, um nicht dem kanadischen Wetter ausgeliefert zu sein", sagt Fontana. "Da scheint an einem Tag die Sonne - und am nächsten schneit es."

Nicht nur die detailgetreuen Kulissen und herrlichen Kostüme bezeugen, wie aufwendig "Copper" produziert ist. Fontana und Rokos verpflanzen eine klassische Krimi-Serie perfekt ins späte 19. Jahrhundert. Er habe schon immer ein Faible für den Bürgerkrieg gehabt, erklärt Fontana. Und New York sei nun mal seine Heimat. "Ich liebe meine Stadt und ihre Geschichte", sagt der mehrfache Emmy-Preisträger. "Die guten Seiten. Und die schlechten." Von denen bietet "Copper" reichlich.


"Copper - Justiz ist brutal", im Pay-TV ab 3. März, 21 Uhr, auf Sky Atlantic HD



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
CaptainSubtext 03.03.2013
1.
---Zitat--- ihr Spiel wirkt oft überbetont und passt besser ins Theater als ins Fernsehen. ---Zitatende--- Mit diesem einem Satz ist im Prinzip das Dilemma mit fast allen deutschen Schauspielern beschrieben.
DJ Doena 03.03.2013
2.
Zitat von CaptainSubtextMit diesem einem Satz ist im Prinzip das Dilemma mit fast allen deutschen Schauspielern beschrieben.
Tru dat.
derjo201 04.03.2013
3. War ja klar
Zitat von sysopCineflix/ BBC America/ BetaFilmIn der US-Serie "Copper" gilt ein New Yorker Gesetzeshüter schon als Gutmensch, wenn er nicht allein aus Spaß foltert und mordet. Ein starker Historien-Krimi über die blutige Zeit während des Bürgerkriegs, in dem auch Franka Potente auftritt. Als Puffmutter. Leider. http://www.spiegel.de/kultur/tv/us-serie-copper-auf-sky-starker-krimi-schwache-franka-potente-a-886312.html
Einst der Liebling der Nation, und nun immer draufdreschen. Grade in "Copper" nimmt sich Franka Potente sehr zurück und hat mir nach einiger Zeit endlich mal wieder richtig gut gefallen. Aber so sind wir nun einmal: Erst feiern und dann immer wieder aufs Neue verdammen.
steelseries 04.03.2013
4. optional
Nach der ersten Folge: Franka Potente hat so ein Mini-Nebenrolle, wie sollte sie dort übertrieben spielen? Die Serie an sich ist eine schlechte Verschmelzung von CSI und Deadwood. Die Hauptfiguren selber wirken wie die Portierung von John McLane in das 19. Jahrhundert. Das Faustrecht und die übrigen geschichtlichen Gegebenheiten mögen relativ authentisch sein, allerdings wirkt die Rolle des farbigen Rechtsmediziners völlig übertrieben. Es fehlen eigentlich nur noch die schnellen Kamerafahrten um und durch das zu untersuchende Objekt und am Ende der Szene setzt der rothaarige Detective seine Sonnenbrille auf und gibt einen markigen Einzeiler von sich.
derjo201 04.03.2013
5. Kein Vergleich mit CSI
"Copper" ist selbstverständlich nicht mit irgendeiner CSI-Serie zu vergleichen. Zwar gibt es in der Staffel einige Fälle zu klären (soll ja bei Polizisten auch gelegentlich vorkommen), im Mittelpunkt steht aber immer der der episodenübergreifende Handlungsbogen. Und was soll das mit der "Portierung von John McLane in das 19. Jahrhundert"? Schließlich ist es doch gerade die Stirb-Langsam-Figur, die in den Filmen wie aus alten Zeiten erscheint, in denen das Faustrecht noch zählte.
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