US-Serie "Empire" Jeder nur eine Rolex, bitte!

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"Empire" ist der Überraschungshit der aktuellen TV-Saison. Die Serie über die Intrigen einer HipHop-Dynastie beschert dem US-Sender Fox Traumquoten und beweist: Afroamerikanische Themen müssen nicht in der Nische verhandelt werden.

Die Serie, die ab Mittwoch in Deutschland bei ProSieben läuft, ist für Fox binnen kürzester Zeit zu einem ganz eigenen Imperium geworden. So passen verschwenderische Gesten ins Bild: Mit Luxuslimousinen ließ der Sender die Besetzung und die Produzenten seines neuen Superformats zu einem ausschweifenden Dinner beim Edel-Japaner "Nobu" in Los Angeles kutschieren. Fox-Chefin Dana Walden überraschte jeden der Anwesenden mit einer Rolex.

"Niemand in den Studios macht sowas", sagte Brian Grazer, Produzent der Serie, anschließend der "New York Times". "Wir haben alle ,Oh mein Gott' gekreischt."

Schon als die Produktion aus der Feder des Kino-Regisseurs Lee Daniels ("The Butler") im Januar startete, übertrafen die Einschaltquoten von über neun Millionen Zuschauern alle Erwartungen. Seither schalteten Woche für Woche mehr Leute ein, das Finale der ersten Staffel am 18. März sahen 17,6 Millionen. In der Chefetage des Senders machten SMS-Nachrichten mit Geldsäckchen-Symbolen die Runde, und jetzt fragt man sich, was hinter dem Erfolg dieses Hits steckt.

"Empire" ist ein bisschen Shakespeare, viel Seifenoper und jede Menge HipHop: Die Serie erzählt von dem todkranken Lucious Lyon (Terrence Howard), einem Musik-Impresario mit krimineller Vergangenheit, der sein Reich einem seiner drei Söhne übertragen will, bevor seine Firma Empire Entertainment an die Börse geht und er das Zeitliche segnet.

Aber die Entscheidung fällt nicht leicht: Andre (Trail Byers), der älteste Lyon-Sprössling, ist ein Streber mit Wirtschaftsdiplom und einer blonden Ehefrau (Kaitlin Doubleday als intrigante Rhonda), aber es fehlt ihm an musikalischem Gespür. Hakeem (Bryshere Gray), der Jüngste, ist Lucious' Lieblingssohn und ein aufstrebender HipHop-Star, aber seine Ruhmsucht übertrifft seine Begabung. Jamal (Jussie Smollett) ist mit dem größten Talent gesegnet, aber er verachtet das Musik-Business - und er ist, zum Entsetzen seines homophoben Vaters, schwul.

Shakespeare und Cookie

Und just dann taucht auch noch Cookie (Taraji P. Henson) auf, Lucious' Ex-Ehefrau, die siebzehn Jahre im Knast verbracht hat, um Lucious zu decken. Nun fordert sie ihren Anteil an seinem Imperium. Cookie ist die heimliche Hauptfigur der Serie: Sie spannt ihre Söhne wechselweise für ihre eigenen Zwecke ein, trägt ihre Pelzjacken gern in Manolo Blahniks spazieren und ist für ihre scharfe Zunge ebenso gefürchtet wie für ihre Krallen. Für viele liegt der Erfolg von "Empire" allein auf Cookies Schultern.

Andere verweisen auf die erfolgversprechenden Einflüsse aus Shakespeares "King Lear", jener Tragödie um die Erbschaftsregelung des titelgebenden Monarchen. Dazu gesellen sich, als Crossover-Effekt, die Ohrwürmer des Rappers und Produzenten Timbaland, der den Soundtrack betreut hat.

Das Album stieg Anfang März auf Platz eins der amerikanischen Billboard-Charts ein und verwies Madonnas neues Album auf die Ränge. Auch zahlreiche Gaststars sorgen für Aufsehen: Mary J. Blige, Snoop Dogg und Gladys Knight haben schon Auftritte in "Empire" absolviert; mit Courtney Love und Naomi Campbell spielen weitere Promis wiederkehrende fiktionale Rollen.

Sympathie für den Underdog

Und schließlich geht es, bei allem Bling, auch um Sympathie für den Underdog: Die Serie scheut sich nicht, die weiße Dominanz in der schwarzen Musikindustrie zur Sprache zu bringen und zu problematisieren. Und sie greift mit Lucious' ältestem Sohn Jamal ein Tabu in der afroamerikanischen Community auf: Homosexualität. Ein besonders bitterer Flashback zeigt, wie Lucious den kleinen Jamal, der fröhlich in Frauenkleidern durch die Wohnung stakst, am Kragen greift und vor der Tür in die Mülltonne stopft.

Überhaupt herrscht in "Empire" kein Mangel an Drama, und da die Dinge im Rückblick oft auf der Hand zu liegen scheinen, mag man sich wundern, warum die HipHop-Welt, in der sich Gangsta-Lifestyle und Big Business, Familie und Musik zu einem reich verwobenen Seifenopern-Universum zusammenfügen, nicht schon viel länger als Bühne für populäre TV-Stoffe dient.

Doch noch vor wenigen Jahren scheiterte eine Serie namens "Platinum" um das HipHop-Label zweier Halb-Brüder. Das Drama überlebte 2003 nur sechs Folgen lang auf dem inzwischen eingestellten Sender UPN, einem Spartenkanal für Afro-Amerikaner.

2015 braucht es keinen Nischensender mehr, um großes Fernsehen mit schwarzen Hauptfiguren erfolgreich zu machen. Nach ABCs Quotenrennern "Scandal" und "How to Get Away With Murder" ist "Empire" ein weiterer schwarzer Mega-Hit im amerikanischen Fernsehen - und dank Cookie Lyon gibt es jetzt eine weitere hinreißend krasse Frauenfigur, die sich nimmt, was sie will. "Sei froh, dass ich heute keine Lust auf eine Szene habe", sagt sie zu Lucious. "Denn ich würde den Laden dichtmachen."

Fox will den Laden definitiv offenhalten: Der Sender hat bereits zehn Tage nach dem Start der Serie eine zweite Staffel in Auftrag gegeben.


ProSieben zeigt "Empire" immer mittwochs um 20.15 Uhr

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schokohase123 24.06.2015
1.
"Afroamerikanische Themen müssen nicht in der Nische verhandelt werden." Solange es sich nicht um alltäglichen Rassismus und niedere soziale Schichten handelt. Mit plakativ agierenden, reichen Schwarzen hat noch nie ein Amerikaner ein Problem gehabt, denn die leben ja den "American Dream". Das umgekehrte Phänomen wie bei "Precious": Alle haben es gesehen, jeder konnte sein Päcklein an Empörung loswerden, und jetzt gehen wir alle wieder schön nach Hause. Diese Sensation ist keine, denn sie lenkt nur von der Realität ab. Etwas, was gerade die westlich orientierten Gesellschaften nur allzu gerne mit sich machen lassen.
ChriPan 24.06.2015
2.
Dass Hip-Hop ein "schwarzes Nischenthema" sein soll, erscheint mir (spätestens seit Eminem) etwas fragwürdig... Was auf schwarzen Wurzeln basiert, ist mittlerweile zum weißen Mainstream geworden.
petra.blick 24.06.2015
3.
.... na dann gibts doch sicher bald in Deutschland ein türkische Kopie á la "Empire für Anfänger".
Hesekiel 24.06.2015
4.
Hip Hop ist also ein afroamerikanisches Thema, das bisher in der Nische verhandelt wurde - ungefaehr so, wie Pizza ein italienisches Nischenfutter ist. Das gros der Afroamerikaner lebt im uebrigen nicht goldkettenbehaengt von Rap, und duerfte wenig aus der eigenen Lebenswirklichkeit in dieser Serie wiederfinden. Afroamerikanisches Thema? Vllt so, wie sich weisse Vorstaedter afroamerikanische Themen vorstellen..
oneironaut 24.06.2015
5.
@ petra.blick: und da sind sie wieder die ewigen Vorurteile... Es gibt eine kommerzielle Ausrichtung von Musik und solche, den echten, ursprünglichen Spirit transportieren. Was diese amerikanische Pseudo Hip Hop Fuzies oder deren nationalen Proll-Klone aller Herren (und Damen) Länder da fabrizieren ist Pop Musik der peinlichsten Sorte und hat mit Hip Hop im eigentlichen Sinne Null-,-nix zu tun...
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