Schöneberger moderiert »Verstehen Sie Spaß?« Stacheln, Popo, Aua!

Laue Verladefilmchen, endlose Gesprächsrunden und eine unverdrossene Moderationslokomotive: Barbara Schöneberger meistert ihre erste »Verstehen Sie Spaß?«-Ausgabe gewohnt unerschütterlich.
Barbara Schöneberger moderiert »Verstehen Sie Spaß?«: Resilienztraining mit der Unterhaltungs-Wuchtinstanz

Barbara Schöneberger moderiert »Verstehen Sie Spaß?«: Resilienztraining mit der Unterhaltungs-Wuchtinstanz

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Wolfgang Breiteneicher / SWR

Als Streich wäre es ganz ulkig und obendrein unerwartet edgy gewesen: Barbara Schöneberger zum Auftakt ihrer Premierensendung von »Verstehen Sie Spaß?« durch ihre glittrige Eröffnungsnummer singen, ackern, tanzen, sich von Dekormännern hochwuchten zu lassen – um ihr anschließend gespielt-zerknirscht zuzuwispern, dass das Spektakel wegen einer Tonpanne leider mitsamt ihres Begrüßungsmonologs als Stummbilder gesendet wurde, was aber freilich eben nur ein Jokus gewesen wäre, weswegen man die Nummer, nachdem man sich ausreichend an ihrem Schockgesicht geweidet hätte, gleich noch mal mit feinster Klangqualität nachgeliefert hätte. Wenn man Schöneberger also gleich mal mit einem kleinen Stahlsturzbad für all den Fun imprägniert hätte, mit dem sie es als neue Moderatorin des traditionellen, auf gutmütig gemeinter Gafflust basierenden Verladeformats zu tun haben wird.

Tatsächlich aber war der Übertragungsfehler echt, ihr Lied verhallte vom Fernsehpublikum ungehört. Nur im Livestream waren Zeilen wie »Mein Kleid sitzt wie Beton/für die Eurovision« zu hören, Begrüßung und Gästevorstellung gingen allerdings auch auf den digitalen Kanälen verschütt.

Resilienztraining für Fortgeschrittene

Die meisten Moderatorinnen und Moderatoren hätte dieses Malheur zumindest kurz schlingern lassen, Barbara Schöneberger aber empfahl sich auch an diesem Abend als unbestritten unverwüstliche Unterhaltungs-Wuchtinstanz und Ideal-Referentin für Resilienzkurse. Im Gespräch mit Gast Hans Sigl lotete sie eine halbe Stunde später gefasst das Ausmaß der Panne aus, sang dann nochmal ein paar Zeilen ihres Eröffnungslieds an, und man hatte schon damit gerechnet, dass sie gleich sagen würde: Ach komm, was soll’s, führe ich den ganzen Bumms einfach nochmal auf, Musik bitte!

Schon in dem zum Auftakt gezeigten Filmchen, in dem sie bei einem ihrer Konzerte verladen wird (indem sich ein vermeintlicher Fan auf der Bühne mit Handschellen an sie kettet und dann den Schlüssel nicht mehr wiederfindet), zeigte sie größtmögliche Gefasstheit. »Kannst du mir die Haare hier ein bisschen aus der Achsel ziehen?«, wies sie den Fesseltypen an und stimmte dann, von seiner Verschluss-Hantiererei gänzlich unbehelligt, ihr nächstes Lied an: »Lassen Sie sich nicht stören – es ist nur ein kleiner Österreicher, der an mir herumarbeitet.«

Schöneberger könnte tatsächlich ein großer Gewinn für »Verstehen Sie Spaß?« sein, dessen überschaubare humoristische Prämisse – »hihi, wir sind schlauer als diese Schussel da!« – ja längst ein ähnliches geschmackliches Relikt ist wie jene krustig verklebten Bonbons, die einem ältliche Tanten manchmal aus dem Bodensatz ihrer Handtaschen klauben. Dazu müsste man ihr aber mehr Freiheiten einräumen, in denen sie ihr besonderes Kapital, diese seltene Schamfreiheit, besser ausspielen könnte, als in den wirklich schier endlosen Gesprächsrunden mit ihren Gästen, die es zumindest schaffen, dass man sich das nächste Verladefilmchen herbeiwünscht.

Unspektakuläre Harmlosigkeiten

Paola erzählt aus den Anfängen der Show, wie es für sie war, ohne Handy auf Gesangstour zu sein, wenn Ehemann Kurt immer nur abends im Hotel anrufen konnte, dann geht es um ihr Minikleid, das sie 1968 beim Eurovision Song Contest trug, es bestach durch St. Galler Stickerei. Jana Ina Zarella findet, dass ihr Mann Giovanni immer besser aussieht, je älter er wird, er war letztens auch im italienischen Fernsehen in einer Show von Michelle Hunziker zu Gast, weswegen sogleich ein Oben-ohne-Foto von Michelles neuem Freund eingeblendet und besprochen wird, der heißt nämlich auch Giovanni. Man fühlt sich als Zuschauerin dabei, als säße man versehentlich im Wohnzimmer fremder Leute und würde gern gehen, sie bei ihrem Schwätzchen aber auch nicht stören wollen.

Die Verladefilmchen selbst sind unspektakuläre Harmlosigkeiten: Leute stellen ihre Ski in eigens eingerichteten Skiabstellverbotszonen ab und zetern, weil sie Strafe zahlen und mit Weihnachtsbescherungsfotos belegen sollen, dass die Skier überhaupt ihnen gehören. Die Influencer-Zwillinge Lisa und Lena patschen als Promi-Lockvögel in der Rolle begriffsstutziger Verkäuferinnen in Backwaren herum. Überhaupt werden anteilsmäßig viele bekannte Menschen als Anschmierer eingesetzt, außer Schöneberger selbst aber kein Promi verulkt.

Hans Sigl lässt, kostümiert als Modedesigner, bei einem vorgetäuschten Laufsteg-Casting einen Muskelmann mit pinkem Cape und Blumentopf-Hut herumstolzieren – das Netteste an diesem Einspieler ist allerdings die Reaktion einer Seniorin, als Sigl seine Maske abnimmt: »Das ist ja der Bergdoktor, ja lecko!«.

Giovanni Zarella tritt in einem Filmchen als schmieriger Hotelportier auf, der zum Spaß gängige Vorurteile über Italiener reproduziert: Er ist extrem ölig zu Frauen, will Hotelzimmer unter der Hand verschachern und Gästen gefälschte Uhren andrehen. »Ist halt ’n Italiener, das ist bei denen Mentalität!«, sagt natürlich einer der Verulkten, und wer das lustig findet, lacht wahrscheinlich auch wirklich über das eingeschickte und mit einem »Verstehen Sie Spaß?«-Bademantel prämierte Foto von einem Kakteenfeld mit einem WC-Hinweisschild mittendrin: Stacheln, Popo, Aua.

Gelungener ist die aufwändiger inszenierte Strafverulkung eines von seiner Frau nominierten Zuschauers, der seinem Umfeld regelmäßig mit mäßig geschmackvollen Streichen auf die Nerven geht. Nun wird ihm bei einer nächtlichen Untersuchung im Schlaflabor mittels manipulierter Überwachungsfilmchen und einem Körperdouble glaubhaft eingeredet, er wäre schlafwandelnd und in einem Batman-Kostüm durch die Räumlichkeiten marodiert, hätte in dieser Aufmachung eine Katze aus einem brennenden Haus gerettet und weitere kleinere Superheldenjobs übernommen.

Das ist tatsächlich einer der wenigen Scherze, die es mit dem ebenfalls gezeigten Retroclip von 1980 aufnehmen können. Dessen Setting könnte nicht simpler sein: Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern formiert sich zu einem Menschenwurm, der sich auf der Straße hinter einen beliebigen Passanten hängt und ihm fortan im Gänsemarsch folgt – schlichter, aber köstlicher Dadaismus, wenn sich die Gänsemenschen wie in einer Teilchensimulation sortieren, dann formieren, zwischendurch zerstreuen, wenn der Verfolgte irritiert stehen bleibt, und sich schließlich wieder zum Schwänzelanhang zusammenfinden.

Zum Finale wird Barbara Schöneberger dann auf eine Drehscheibe geschnallt. Am Ende jeder Sendung soll fortan etwas für sie Überraschendes passieren, hatte sie zu Beginn erklärt, und nun nesteln ihr Giovanni Zarella und Hans Sigl zuerst die Pumps von den Füßen, damit sie dann rotierenderweise von ihren Gästen mit Farbbeuteln beworfen werden kann. »Spaß ist besser als Krieg«, stand auf einer Kinderzeichnung, die vor der Show eingeblendet wurde. Daran kann man sich in diesen Minuten festhalten.