Vormittagsprogramm ARD verzichtet auf "heute"

Jetzt will die ARD auch nicht mehr: Nachdem das ZDF die Nachrichtenkooperation am Vormittag mit der öffentlich-rechtlichen Schwester platzen ließ, verzichtet die ARD ab Januar ihrerseits nun auch auf die "heute"- Nachrichten - es sei denn, das ZDF überlegt es sich doch noch einmal anders.  

Köln/Hamburg - Ein bisschen nach Kindergarten-Streiterei sieht es schon aus, was sich ARD und ZDF im Streit um ihre Nachrichten am Vormittag liefern. Erst ließ das ZDF die Nachrichten-Kooperation mit der öffentlich-rechtlichen Schwester platzen - jetzt schlägt die ARD zurück: Das Erste will ab Januar 2012 auch in den ZDF-Sendewochen seine "Tagesschau" senden, hieß es am Montag in einer Mitteilung des ARD-Senders WDR. Die Entscheidung der Intendanten sei zunächst auf ein Jahr befristet. "Es ist schade, dass das ZDF trotz zahlreicher Appelle bei seiner Entscheidung bleibt", sagte die ARD-Vorsitzende Monika Piel zur Begründung.

Dabei schien bis vor einem Monat doch noch alles so harmonisch zwischen den öffentlich-rechtlichen Geschwistern: Von Woche zu Woche wechselten sie sich ab, die ARD sendete vormittags "heute", wenn das ZDF dran war, und umgekehrt sendete das ZDF die "Tagesschau", wenn die ARD am Drücker war. Doch waren die Mainzer damit nach eigenen Angaben nicht mehr zufrieden. Sie wollen jetzt morgens um 9 und mittags um 12 Uhr nicht mehr die "Tagesschau" senden, sondern die eigenen "heute"-Nachrichten - um "schneller reagieren" zu können, wie ZDF-Chefredakteur Peter Frey verkündete.

Zudem wolle das ZDF dadurch seine Internet-Präsenz stärken. Es sei bislang nicht möglich gewesen, die ZDF-Online-Nachrichten auch an solchen Wochen umfassend zu versorgen, bei denen das Morgenmagazin in ARD-Hand lag, sagte ZDF-Fernsehrat Ruprecht Polenz. Die Kehrseite: Die 12-Uhr-Nachrichten sollen gekürzt und die "heute"-Sendung um 10 Uhr (die auch bisher nur in der ARD lief) gleich ganz gestrichen werden.

Für die ARD sei eine Kürzung des Informationsangebots um rund ein Drittel, wie es das Zweite plane, aber nicht hinnehmbar. "Deswegen werden wir - im Sinne der Zuschauer - nun auch in den ZDF-Sendewochen auf eigene Ausgaben der Tagesschau um 9, um 10 und um 12 Uhr setzen und zwar in der gewohnten Länge", sagte Piel. Immerhin streckte sie auch die Hand zur Versöhnung aus: "Sollte beim ZDF doch noch ein Umdenken stattfinden, sind wir jederzeit gerne bereit, die seit 30 Jahren funktionierende Kooperation wieder aufzunehmen."

Dass die Mainzer an einer Zusammenführung interessiert sind, ist aber eher unwahrscheinlich. Das ZDF "befreie" sich mit der Aufkündigung der Vormittags-Kooperation aus einer untragbaren Situation, teilte Frey nach seiner Entscheidung mit. Eine Beilegung der Familienfehde scheint also bislang eher unwahrscheinlich.

vks/dapd/dpa
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