Voyeurismus-Fernsehen Öffnen Sie dieser Frau nie die Tür!

Von und Daniela Zinser

2. Teil: Vera Int-Veen: Die Schädlingsbekämpferin


Vera Int-Veen in verwüsteter Küche: Moderatorin und Kammerjägerin
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Vera Int-Veen in verwüsteter Küche: Moderatorin und Kammerjägerin

Falls die Voyeurismus-Doku irgendwann zum klassischen Genre avancieren sollte, wird man sie als alte Meisterin des Fachs feiern. Vera Int-Veen hat schon bloßgestellt und gedemütigt, als das deutsche Privatfernsehen noch jung war: Zwischen 1996 und 2006 führte sie in mehr als 2000 Folgen ihrer Talkshow "Vera am Mittag" Freaks und Aussätzige aller Art vor. Danach versuchte sie diese Freaks und Aussätzigen in "Schwiegertochter gesucht" zu verkuppeln, und in der Sendung "Helfer mit Herz" überschüttete sie diese schließlich mit Geschenken.

Vor kurzem kam bei RTL dann noch "Mietprellern auf der Spur" hinzu, eine Mischung aus Horror-Deko-Show und Menschenjagd. Aus den Freaks und Aussätzigen waren angebliche Schmarotzer geworden. Die 43-Jährige zeigte in der gerade abgelaufenen Staffel des Formats Wohnungen, die zwar von Menschen bewohnt worden sind, aber allesamt so aussehen, als wären sie durch einen biblischen Schädlingsbefall verwüstet worden. Deshalb hatte Vera alle Hände voll zu tun: Sie tröstete hysterisch schreiende Hausbesitzerinnen - und versuchte, die inzwischen geflüchteten Parasiten aufzuspüren.

Ihre Methoden waren dabei möglicherweise besonders rabiat: Momentan nimmt die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) eine Folge der letzten Staffel unter die Lupe. Geklärt werden soll, ob sich Int-Veen ohne Erlaubnis Zutritt zur Wohnung einer Frau verschafft hat. In der fraglichen Sendung stellt das Team den 17-jährigen Roy aus Sachsen-Anhalt auf der Straße. Auf das Ansinnen, die Wohnung zu betreten, in der er mit einem Bruder und seiner pflegebedürftigen Mutter lebt, antwortet er zunächst undeutlich. Schließlich erwidert der Junge auf die Frage "War das ein Ja, oder war das ein Nein?" mit einem "Ja".

Die Schnittfolge in der fertigen Folge suggeriert allerdings, dass sich die Antwort auf die Erlaubnis zur gemeinsamen Wohnungsbesichtigung bezieht. Es sei aufgrund des Rohmaterials aber auch möglich, dass der Junge eine ganz andere Frage bejaht habe, erklärte die NLM. Letzteres legt ein Bericht auf "Bild.de" nahe, wo das Rohmaterial gezeigt wurde. Dort war auch zu sehen, wie der Junge nach dem Eindringen des RTL-Teams auf die Straße flüchtet. Kein Problem für Int-Veen: Während sie ihr Kamerateam dem Flüchtenden hinterherschickt, frohlockt sie: "Geil!"

Der Mieter als Ratte, die Moderatorin als leidenschaftliche Kammerjägerin - böser kann deutsches Privatfernsehen eigentlich nicht mehr werden. Christian Buß

insgesamt 167 Beiträge
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UlliK 11.08.2011
1. Tja, ...
Zitat von sysopBritt Hagedorn oder*Vera Int-Veen*wollen Ihnen helfen? Obacht!*Die Damen*tun nur so, um sich*dann gnadenlos an Ihrem*Elend zu weiden. Eine wahre Armada*dieser fiesen Voyeurismusmaschinen hält derzeit Einzug ins Privat-TV. Ein Überblick - von der Deko-Terroristin bis zur sadistischen Samariterin. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,775332,00.html
... was soll ich dazu noch sagen? Mit 'nem Six-Pack Carlsberg-Elephant-Bier haben die Damen doch einen hohen Unterhaltungswert. Und wer sich da zur Schau stellen und zum Affen machen läßt, ... der wird bestimmt gut bezahlt!
jos4711 11.08.2011
2. Normales Fernseh-Geschäft
Ich wundere mich nicht über die Sendungen, sondern über die Leute, die sie sich ansehen. Fernsehen ist m.E. sowieso ein Alte-Leute-Phänomen, das über kurz oder lang an Bedeutung verlieren wird. In meinem Freundeskreis (Alter grob 25-35) hat kaum einer einen Fernseher. Die wenigen, die einen haben, schalten ihn selten an.
fipsing 11.08.2011
3. Etwas mehr Eigenverantwortung
Gerade die privaten Sender leben von den Einschaltquoten um Werbung teuer verkaufen zu können. Diese Quoten sind anscheinend so hoch, sprich das Interesse ist da, das sich solch billige Produktionen rechnen. Die freien Märkte gehen nach der Nachfrage und somit sind diese Sendungen legitim. Über Qualität, Sinn oder Unsinn dieser Sendungen kann man, wie bei Geschmack üblich, nicht streiten. Alles andere wäre der Versuch einer Zensur wenn man den Müll verbieten würde. Sie könnten auch einen Artikel über die Reporter der BILD oder anderer Boulevard Zeitungen schreiben und kämen auch dazu das es Schrott ist. Auch hier gibt es, wie bei den Moderatorinnen, einen Journalismus der nur auf Selbstdarsteller oder Peinlichkeiten abzielt. Die Leute lieben es den Peinlichkeiten zuzusehen oder darüber zu lesen. Ich mag diese Sendungen nicht, ich verlange aber von jemanden der den Fernseher einschalten kann das er Eigenverantwortung für sich oder Verantwortung für seine Kinder trägt. Sich darüber aufzuregen ist müssig, keiner schaut es sich an und jeder sieht es. Zugeben? Nein, das wäre ja peinlich. So peinlich wie die Tatsache das keiner zugibt die FDP gewählt zu haben, war ja auch keiner.
katzekaterkarlo 11.08.2011
4. Wo bleibt hier ...
... eigentlich die Quote? Können nur Frauen solchen Schwachsinn verzapfen? Haben nur Frauen so wenig Mitgefühl?
tetaro 11.08.2011
5. Böse Zungen würden jetzt sagen
so würde die Welt aussehen, wenn das weibliche Geschlecht endgültig die Vorherrschaft errungen hätten. Überall Tapeten in Bonbonfarben, sinnlose Dekovasen und Obstschälchen, aus denen keiner was isst.
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