Krankenpfleger Niels H. 5000 Euro Honorar für Serienmörder

Für ein im WDR ausgestrahltes Interview bekam Niels H. nach Informationen des SPIEGEL 5000 Euro. Der Krankenpfleger steht im Verdacht, Dutzende Patienten in Delmenhorst und Oldenburg getötet zu haben.

Ehemaliger Krankenpfleger Niels H.
DPA

Ehemaliger Krankenpfleger Niels H.


Für ein im Westdeutschen Rundfunk (WDR) ausgestrahltes Interview mit dem zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Niels H. sollen 5000 Euro gezahlt worden sein. Die Äußerungen des Krankenpflegers wurden in der WDR-Reihe "Die Story" gesendet. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Der Krankenpfleger hatte auf der Intensivstation des Klinikums Delmenhorst Patienten mit Medikamenten in einen lebensbedrohlichen Zustand gebracht, um sie danach zu reanimieren und sich als Retter zu inszenieren; mehrere Opfer starben bei der Prozedur. Nach Exhumierungen gehen Ermittler inzwischen davon aus, dass H. auch für Todesfälle in einem Oldenburger Krankenhaus verantwortlich ist. Insgesamt starben mindestens 39 Menschen.

Der WDR teilte auf Anfrage mit, "eine entsprechende Zahlung der Autorin beziehungsweise der Produktionsfirma, für die sie gearbeitet hat, war dem WDR nicht bekannt". Andernfalls hätte der Sender das Material nicht verwendet und gesendet. Der WDR werde die Sendung nun "für die weitere Ausstrahlung sperren". Die Produktionsfirma dmfilm bestreitet, Geld an H. gezahlt zu haben. Zu einer Vereinbarung mit der Rechtsanwältin von H. wollte sich Geschäftsführer Christian Berg nicht äußern.

Niels H., 39, wurde im Februar vergangenen Jahres vom Landgericht Oldenburg zu lebenslanger Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt. Das Gericht war überzeugt davon, dass sich Niels H. des zweifachen Mordes, des zweifachen Mordversuchs sowie der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hatte. "Sie haben Menschen zu Objekten degradiert, damit Sie sich besser fühlen", hatte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann in der Urteilsbegründung konstatiert.

Im Prozess hatte sich Niels H. dem Gutachter Konstantin Karyofilis anvertraut und zugegeben, im Klinikum Delmenhorst an etwa 90 Patienten manipuliert zu haben, 30 von ihnen seien dabei gestorben. Nach dem Urteil begannen die Ermittler mit den Untersuchungen und Exhumierungen und gaben vor Kurzem bekannt, dass Niels H. im dringenden Tatverdacht steht, in Delmenhorst mindestens 27 weitere Patienten getötet zu haben - aber auch im Klinikum Oldenburg, wo er zuvor gearbeitet hatte, Menschen in Gefahr gebracht zu haben.

Nachtrag: In einer früheren Fassung des Textes hieß es in der Überschrift, dass die 5000 Euro Honorar von der TV-Produktionsfirma gezahlt wurden. Diese bestreitet die Zahlung an Niels H. aber, wie im Fließtext auch von vornherein berichtet wurde.

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