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11. April 2018, 19:12 Uhr

Anschuldigungen wegen Machtmissbrauch

Neuer Belästigungsvorwurf beim WDR

Belästigungsvorwürfe gegen einen Korrespondenten belasten den WDR. Jetzt wird ein zweiter Vorfall bekannt. Derweil äußert sich Intendant Tom Buhrow zu den Anschuldigungen - und verteidigt seine Hauspolitik.

Vergangene Woche war nach Recherchen von "Correctiv" und "Stern" bekannt geworden, dass ein Auslandskorrespondent des WDR zwei Mitarbeiterinnen und eine Praktikantin des Senders sexuell belästigt haben soll. Nun berichtet das Team von einem zweiten Fall, in den ein weiterer bekannter TV-Journalist verwickelt sein soll.

Wie das Recherchebüro "Correctiv" schreibt, sehe man den Mann nach wie vor regelmäßig bei "Tagesschau" und "Tagesthemen". In dem Bericht beklagen mehrere Kolleginnen und freie Mitarbeiterinnen anzügliches Verhalten des Mannes; Vorwürfe gegen ihn sollen laut "Correctiv" WDR-intern im Jahr 2010 bereits bekannt geworden sein. Eine ehemalige Redakteurin mit Zeitvertrag schildert, wie der Mann sie immer wieder zu Abendessen eingeladen und dabei auf ihre Brüste geschaut habe. Als sie nicht darauf einging, sei sie bei ihm in Ungnade gefallen. Ihr Vertrag wurde schließlich nicht verlängert.

Dieser und andere Fälle seien durch einen männlichen Kollegen an den Personalrat herangetragen und untersucht worden. Die zuständige Personalrätin habe den Eindruck gewonnen, dass es Grenzüberschreitungen gegeben habe. Entgegen ihren Vorschlägen zur Lösung des Konflikts sei schließlich aber nicht der Belästiger, sondern der Hinweisgeber abgemahnt worden. Der WDR soll dem Mann ausdrücklich verboten haben, von sexueller Belästigung zu sprechen.

Derweil hat sich auch Intendant Tom Buhrow zur Aufklärung von Belästigungsvorwürfen geäußert: Er glaubt nicht, dass der WDR beim Thema sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch nicht richtig hingeschaut habe. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der Intendant, Belästigung und Nötigung würden in seinem Haus nicht geduldet: "Keiner musste Angst haben, sich an unser Interventionsteam zu wenden."

Das Interventionsteam sei vor drei Jahren bewusst als Anlaufstelle gegründet worden, damit Betroffene sicher sein könnten, dass kein Vorgesetzter eine Beschwerde ignorieren könne. "Die Fälle, die dort gemeldet wurden, sind auch verfolgt worden - bis an die Grenze dessen, was arbeitsrechtlich möglich war." Allerdings habe er festgestellt, dass viele Kolleginnen und Kollegen von der Existenz dieses Ausschusses zu wenig wüssten, "und deshalb informieren wir gerade noch mal breit darüber".

Offenbar hätten aber die Veröffentlichungen der vergangenen Tage das Bewusstsein geschärft. Es meldeten sich gerade Frauen mit ihren Erlebnissen. "Ich begrüße es sehr, wenn jetzt Kolleginnen oder ehemalige Kolleginnen kommen und Hinweise geben, die sie vorher zurückgehalten haben", sagte Buhrow. "Denn erst dann können wir handeln."

Seit vergangener Woche belasten Belästigungsvorwürfe und der Umgang der Leitung damit den WDR. Die Vorsitzende des Personalrats war Ende der Woche nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen den Auslandskorrespondenten aus dem Interventionsteam zurückgetreten. In einer Mail erhob sie Anschuldigungen gegen die WDR-Führung: "Der Personalrat (...) hat immer wieder vergeblich gefordert, im absolut hierarchisch geprägten WDR eine (...) Ahndung von Machtmissbrauch und Herabwürdigung gegenüber Schwächeren und Abhängigen zu gewährleisten." Derlei Vorschläge seien aber etwa ins Lächerliche gezogen oder für überflüssig erklärt worden.

WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich hatte sich im Interview mit SPIEGEL ONLINEgegen Vorwürfe verteidigt, nicht durchgegriffen zu haben: "Das Gesamtbild ist nicht vollständig. Die Dinge sind komplexer als in den Medien dargestellt."

Wegen der Vorfälle hatte der Auslandskorrespondent zunächst einen Eintrag in die Personalakte erhalten, nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen war er freigestellt worden. Derweil gibt es immer mehr Vorwürfe gegen ihn: So berichtet die "Bild"-Zeitung von weiteren Anschuldigungen gegen den Mann. Das Blatt zitiert unter anderem eine ehemalige Praktikantin, die erzählt, dass der Journalist sich vor ihr entblößt habe. Zudem, so "Bild", sei die damalige Fernsehdirektorin des WDR bereits vor acht Jahren über Hinweise auf sexuelle Belästigungen informiert worden.

kae/eth/dpa

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