Literatur im TV WDR nimmt »Buchtipps« mit Christine Westermann aus dem Programm

WDR-»Literaturmarathon«, NDR-»Bücherjournal«: Immer mehr Literaturformate verschwinden aus den ARD-Programmen. Jetzt hat es auch die »Buchtipps« mit Christine Westermann erwischt. Die Begründung des Senders klingt nebulös.
Christine Westermann: »Fassungslosigkeit, Zorn, Traurigkeit, Resignation«

Christine Westermann: »Fassungslosigkeit, Zorn, Traurigkeit, Resignation«

Foto: WDR/Linda Meiers

Fünf Minuten pro Monat: In dem ohnehin begrenzten Timeslot stellte Moderatorin Christine Westermann in der WDR-Sendung »Frau tv« regelmäßig neue Buchtitel vor. Damit ist nun Schluss. Laut Westdeutschem Rundfunk (WDR) wird es keine weitere Ausgabe geben. Auf SPIEGEL-Nachfrage begründete der Sender die Entscheidung mit Nutzerumfragen und einem geplanten Relaunch. Nach der Sommerpause werde es bei »Frau tv« »Veränderungen geben hinsichtlich neuer Reihen, Design und Erzählformen«. Christine Westermann werde aber weiterhin Bücher für WDR2 rezensieren und das WDR5-Literaturmagazin moderieren.

Die »Süddeutsche Zeitung« hatte zuerst berichtet , dass die Rubrik nach der Sommerpause nicht weitergeführt wird. Christine Westermann bestätigte die Pläne demnach auf Anfrage. Die »Frau tv«-Redaktion habe sie vor fünf Wochen darüber informiert, dass das Format aus dem Programm genommen werde. Auch ihr gegenüber habe die Redaktion eine Zuschauerbefragung als Grund angegeben. Demnach zeigte die Mehrheit der Befragten kein Interesse an Büchern. Genaue Zahlen kenne sie aber nicht.

Westermann zeigte sich laut »Süddeutscher Zeitung« enttäuscht. Der Redaktion habe sie immer wieder vorgeschlagen, die Buchtipps zu modernisieren. Daraus sei aber nie etwas geworden: »Die Skala meiner Gefühle, nachdem ich es erfahren habe: erst Fassungslosigkeit, Zorn, Traurigkeit, Resignation.«

Christine Westermann moderiert derzeit mit Denis Scheck einmal pro Woche am Sonntag die Buchtipps auf WDR2. Im WDR-Fernsehen findet zehnmal pro Jahr das Literaturmagazin »Druckfrisch« statt. Anfang 2021 hatte eine Mitteilung des WDR für Unruhen gesorgt, wonach auf einem Sendeplatz am Morgen kein festes Literaturformat mehr ausgespielt werden sollte. WDR3-Programmchef Matthias Kremin betonte damals in einem Interview , Literaturformate nicht zusammenstreichen zu wollen. Es gehe darum, »mehr Flexibilität in der Programmgestaltung« zu erreichen.

In den letzten Monaten hatten öffentlich-rechtliche Sender bereits mehrfach Kürzungen von Literaturformaten vorgenommen. 2020 war zunächst der »Literaturmarathon« auf WDR5 aus dem Programm gestrichen worden. Im selben Jahr wurde auch das NDR-»Bücherjournal« eingestellt.

ime
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