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"Weihnachten mit Joko und Klaas": Gackerventil vor der Feiertagsdröhnung

Foto: Claudius Pflug/ ProSieben

"Weihnachten mit Joko und Klaas" Gackerventil vor der Feiertagsdröhnung

Die Formatwiederverwertungs-Revue versöhnt Nostalgie und Kacka-Humor. Das Richtige zum Jahresende: Ein Show gewordener Ugly-Christmas-Sweater - nicht traditionell hübsch, aber wahnsinnig gemütlich.

Wahrscheinlich gibt es im Jahreslauf keinen Zeitpunkt, an dem man bereitwilliger über ausgedachte Namen wie "Gertrud Bumsstiefel" und über marginal verfremdete Promi-Aliasse wie "Poritz Bleibfeucht" und "Peter Schlaff-Ei" lachen würde, als einen Tag vor Heiligabend. Weil man in den vergangenen Tagen länger, als es gesund sein kann, über Rotkohl nachgedacht hat, und weil der kleine, innerliche Bottich, in dem man den Brass des laufenden Jahres auffängt, schon gefährlich überschwappt.

Wie schon 2018 diente "Weihnachten mit Joko und Klaas" mit seinem Mix aus traditionellen Trademark-Spielen, zusammengeklaubt aus diversen Shows der beiden, als ventilöses Entlastungslachangebot. Das Ergebnis ist ein Show gewordener Ugly-Christmas-Sweater: nicht traditionell hübsch, aber wahnsinnig gemütlich.

Was bestimmt auch so ist, weil das Gemüt an Weihnachten ja besonders traditionsvernarrt ist und weil manche inzwischen abgewrackte Showelemente von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt für ihre Fans unbedingt das Potenzial zu nostalgischer Verklärung haben - einen "Austritt durch unsere eigenen Erinnerungen" nennt das Heufer-Umlauf.

Natürlich spielen sie in ihrer Weihnachtsrevue "Aushalten nicht lachen", und natürlich verliert das Team mit Joko drin, denn Joko ist der, der immer lacht, auch wenn sein Gegenspieler Matthias Schweighöfer ihm nur einen tatsächlich physischen Spiegel vorhält oder aus dem vor Fäkalsynonymen überbordenden fiktiven Tagebuch des kleinen Joko vorliest (für "einen Braunbären aus Darmstadt befreien" gibt es wohl wirklich nur dieses kleine Verzweiflungszeitfenster kurz vor Weihnachten, um zu wirken). Aber es werden auch Hähne in kleine Hosen in Geflügelgröße gesteckt, um den Brexit nachzuspielen, Fotos von ulkigen Kröten gezeigt, und Klaas ist einmal sehr putzig als Maus verkleidet.

Es gibt ein wirklich amüsantes Wiedersehen mit der Idee der "Rückwärtsshow", ursprünglich mal in der "Besten Show der Welt" vorgestellt. Wenn Winterscheidt und Heufer-Umlauf in ihrer erprobten Rubrik "Satirehits" bekannte Lieder auf wichtige Themen des vergangenen Jahres umdichten, merkt man bestürzt, wie traurig man tatsächlich darüber ist, dass es diese früher mal so geliebte Jahresrückblickssendungsrubrik nicht mehr gibt, in der auf der Straße aufgegabelte Menschen ihre Hits des Jahres singen.

Diese Jahreslieder könnten zu einer alljährlichen Ersatztradition reifen, irgendwann müssen Traditionen ja mal anfangen: Wenn Winterscheidt, verkleidet als Billie Eilish, deren "Bad Guy" zum Wohnungsmarkt-Protestsong "Miethai" ummodelt und Palina Rojinski Shakiras "Waka Waka" als E-Roller-Ethno-Stampfer darbietet ("Akku aus Afrika!") oder Titel wie "Es tut mir leid, Boris Johnson" und "17 Jahr, Wendler da" aufgerufen werden, erinnert das wohlig an die Liedverballhornungen aus frühen Otto- und Mike-Krüger-Tagen.

Die wahrscheinlich anarchischste, kaum mehr topbare Weihnachtssendung aller Zeiten lieferte wohl 1991 Harald Schmidt, der darin den vorweihnachtlichen Rassismuspegel von Wohnungsvermietern testete, indem er mit einem lidschäftig verkleideten Roberto Blanco als potenziellem Mieter bei einer Wohnungsbesichtigung aufkreuzte.

Bei Joko und Klaas richtet Ina Müller in einer Wiederaufnahme des "Circus Halligalli"-Spiels "Dürften wir?" immerhin in einer Studenten-WG eine echte Krippe mit Stroh, Lämmchen, Eseln und einem Jesuskind aus Mett ein. Es gibt Ebay-Kleinanzeigen-Karaoke mit Fahri Yardim, Max Giesinger wird zwischenzeitlich für eine Weile in einem Sessel vergessen, Sarah Connor gewinnt - wie bei "Joko & Klaas gegen ProSieben" - beim Refrain-Erahnungsspiel "Plötzlich taub". Und Olli Schulz resümiert das Jahr anhand der Videoclips auf seinem Handy, zeigt kotzende Hunde, rektal belastete Schnupperfinger und behaglich blubbernde Schweinerüssel im Schlammbad - tatsächlich ist das nur die konsequente Fortführung abstruser Jahresrückblicks-Schnipselparaden.

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