Westergaard-Posse beim ZDF Umstrittener Karikaturist darf doch zu Lanz

Ende einer unrühmlichen Angelegenheit: Erst hatte das ZDF Kurt Westergaard ausgeladen, dann verwickelte sich der Sender in Widersprüche. Jetzt ist der umstrittene Mohammed-Karikaturist doch bei "Markus Lanz" zu sehen - neben Schlagerveteranen und Tanzsternchen.

AP

Erst wurde der Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard ausgeladen, dann warf er dem ZDF Selbstzensur vor. Der Sender verteidigte sich daraufhin auf wenig überzeugende Weise und schließlich musste ZDF-Programmchef Thomas Bellut sogar öffentlich einräumen, in entscheidenden Details über die Ein- bzw. Ausladung falsch informiert worden zu sein. Doch jetzt hat das alles ein Ende: Am Donnerstagabend ist Kurt Westergaard, Zeichner einer der umstrittenen Mohammed-Karikaturen, doch in der ZDF-Show "Markus Lanz" zu sehen.

Wer die Posse allerdings bisher verfolgt hat, den dürfte diese Entscheidung ein wenig erstaunen. Denn die vormalige Ausladung Westergaards hatte der ZDF-Programmchef in der "Süddeutschen Zeitung" Anfang Mai ja unter anderem damit begründet, es gehe "auch um das richtige Format und um die anderen Gäste der Sendung."

Bedenken, die mittlerweile offenbar zu Belluts Zufriedenheit aus dem Weg geräumt wurden. Das richtige Format ist und bleibt "Lanz". Und auch mit den anderen Gästen kann der Programmchef leben: dabei sein werden der Schlagerveteran Peter Kraus, sowie "Let's Dance"-Juror Joachim Llambi samt Sophia Thomalla, einer Finalistin der RTL-Show.

Nun sind diese Menschen allesamt bislang nicht unbedingt in Sachen Karikaturendebatte, Meinungsfreiheit oder islamischer Fundamentalismus aufgefallen. Für Bellut ist diese bunte Mischung dennoch kein Hinderungsgrund mehr: "Inhaltlich stehen die einzelnen Gäste und Themenkomplexe - wie bei 'Markus Lanz' üblich - in keinem Zusammenhang. In diesem Fall wurden sie noch dazu getrennt voneinander aufgezeichnet", so der ZDF-Programmchef zu SPIEGEL ONLINE.

Ohne Publikum aufgezeichnet

Anfang Mai hatte Bellut zudem noch eine Sondersendung bei "Markus Lanz " mit Westergaard "als einzigem Gast" in Erwägung gezogen: "Meine Aussage, Herrn Westergaard als einzigen Gast befragen zu wollen, hatte den Hintergrund, dass wir aus Sicherheitsgründen keine weiteren Gäste in die Runde mit ihm nehmen wollten. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, ein Gespräch nur mit ihm und ohne Publikum aufzuzeichnen", sagte er jetzt.

Auch die Idee, Westergaard zu Maybrit Illner zu schicken, hat Bellut wieder verworfen - dabei hatte er mit seiner Aussage, "Illner" sei "auch ein Ort für so ein schwieriges Gespräch" indirekt Zweifel an der Fähigkeit von Lanz genährt, Westergaard kompetent befragen zu können.

"Im Falle einer umfassenden politischen Diskussion hätte sich 'Maybrit Illner' sicherlich angeboten. Letztlich haben wir uns dann aber für ein persönliches Gespräch mit Herrn Westergaard entschieden und dafür ist das Format 'Markus Lanz' - und selbstverständlich auch der Moderator - genau das richtige."

Per Einspielfilm kommen neben Zeichner Westergaard noch Michel Friedman, der Imam Ramazan Ucar, der Hamburger Bischof Hans-Jochen Jaschke und auch die dänische Sängerin Gitte Henning zu Wort. Von ihr dürfte der Übergang zu Peter Kraus dann tatsächlich nicht mehr allzu schwer fallen. "Markus Lanz", glaubt denn auch Bellut, "wird mit seiner Moderation eine angemessene Überleitung zwischen den verschiedenen Teilen herstellen". Und zwischen so vielen Menschen fällt ein Herr Westergaard dann ja ganz sicher auch nicht mehr auf.

sha



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