Fotostrecke

Frank Elstner wird 70: Er hat's erfunden

Foto: dapd

Show-Legende Frank Elstner Der wahre Bagger-König

Was Thomas Gottschalk gerade schmerzlich erlebt, hat sein Vorgänger längst durchlitten: Nach "Wetten, dass..?" muss man durch die Hölle. Frank Elstner hat seine Niederlagen verkraftet. Jetzt wird der Show-Erfinder 70 Jahre alt und zeigt dem Nachwuchs noch immer, was ein Moderator können muss.

Vorigen Sommer hat Frank Elstner noch einmal "Wetten, dass..?" moderiert. In der Arena von Mallorca sagte er eine Baggerwette an, und man hatte das Gefühl, Zeuge eines bedeutenden Fernsehmoments zu sein. Wer in den achtziger Jahren aufgewachsen war, fühlte sich augenblicklich in seine Kindheit zurückversetzt. So wie wenn man beim Entrümpeln sein altes Lieblings-Playmobilmännchen wiederfindet, das zwar nicht mit der Coolness einer Wii-Konsole mithalten kann, aber immer noch so gleichbleibend freundlich dreinschaut wie früher.

Elstners Haare sind längst weiß und seine Brillengläser nicht mehr bildschirmfüllend, ansonsten aber war es in jener Sommernacht noch einmal wie damals. Das mit der Baggerwette machte Elstner so routiniert, als hätte er all die Jahre vorm Spiegel heimlich "Wetten, dass..?" vor sich hinmoderiert. Und nur darauf gewartet, dass man ihn fragt, ob er es nicht noch einmal vor einem Millionenpublikum tun wolle. Thomas Gottschalk, der seinen Vorgänger spontan aus dem Publikum auf die Bühne gerufen hatte, staunte: "Er macht das nicht schlecht!" Worauf Michelle Hunziker begeistert sekundierte: "Er hat's erfunden!"

In Drachenblut gebadet

Elstner nämlich stellte den beiden Männern, die mit Baggern Ping Pong spielten, nicht nur kundig Fragen nach ihrer Technik - er hörte sogar interessiert ihren Antworten zu. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten stand bei "Wetten, dass..?" nicht der Moderator im Mittelpunkt, sondern die Kandidaten. Die kleine Zeitreise zeigte, wie die Sendung sich unter ihrem künftigen Moderator entwickeln müsste, von dem damals noch keiner wusste, dass es Markus Lanz sein wird.

In jener Nacht ahnte auch niemand, zu welch tragischer Figur Thomas Gottschalk im Vorabend des Ersten werden würde. Kein Jahr später befindet sich der Quotenkönig von Mallorca auf dem Tiefpunkt seiner Karriere, weil er sich in ein Abenteuer hineingestürzt hatte, das wenig durchdacht war, all seine Schwächen bloßlegte und von den Zuschauern so konsequent ignoriert wurde, dass die ARD am Mittwoch das Aus von "Gottschalk Live" beschloss.

Vielleicht ist es ja zwangsläufig so, dass man sich als Moderator nach "Wetten, dass..?" für unverwundbar hält, als habe man in Drachenblut gebadet. Elstner hatte die Sendung nach sechs Jahren 1987 abgegeben, weil er glaubte, mit einer neuen Show noch einen draufsetzen zu können. Stattdessen wurde das mit Ideen überfrachtete "Nase vorn" sein größter Flop. Nachdem auch seine nächste Erfindung "Elstner und die Detektive" beim Publikum durchfiel, war er erst mal weg vom Fenster.

Mit Konfektionsware zurück nach oben

Mit Konfektionsware wie dem nachmittäglichen RTL-Quiz "Jeopardy" arbeitete Elstner sich wieder nach oben, die Übernahme der ARD-Show "Verstehen Sie Spaß?" brachte ihn auf die große Bühne zurück, Konzept und Moderator harmonierten jahrelang in freundlicher Harmlosigkeit. Nach wie vor präsentiert Elstner gemeinsam mit Ranga Yogeshwar "Die große Show der Naturwunder". Und im dritten Programm des SWR am späten Samstagabend die Talkshow "Menschen der Woche" - für reifere Zuschauer im Südwesten ein Pflichttermin, denn Elstner ist verlässlich.

Er entstammt einer Zeit, als Moderatoren noch Herren waren. Seinen Stil hat er nie einer Mode angepasst. Er wendet sich gern an die "lieben Zuschauer zu Hause" oder erklärt dem Studiopublikum, dass eine Leistung oder Äußerung eines Gasts "einen Applaus wert" sei. Droht das Gespräch für sein Gegenüber unangenehm zu werden, sagt Elstner, man müsse das jetzt "nicht vertiefen". Manche Gäste komplimentiert er charmant mit der Behauptung hinaus, dass er sich "noch stundenlang mit Ihnen unterhalten" könne, aber leider sei die Sendezeit vorangeschritten.

"Menschen der Woche" kommt aus dem Alten E-Werk in Baden-Baden, das einst das Kurhaus und mehrere Geschäfte der Stadt mit Energie versorgte. Heute steht es unter Denkmalschutz und hat als Talk-Kulisse noch einmal eine schöne Verwendung gefunden. Gäbe es so etwas wie einen Denkmalschutz für Showmaster, gälte der selbstverständlich zuallererst für Frank Elstner, der in seiner großen Zeit das halbe ZDF mit Unterhaltungs-Energie versorgt hat. An diesem Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.