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"Wetten, dass..?" in Bremen: Markus Lanz und die "zweite Pubertät"

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

"Wetten, dass..?" Lanz am letzten Zipfel

"Wetten, dass..?" startet in eine neue Show-Saison. Die Kritiken für den ZDF-Dino fielen zuletzt verheerend aus - und diesmal? Immerhin waren wieder Weltstars zu Gast, wenn auch solche, die ihren Karrierezenit längst überschritten haben. Und Markus Lanz strampelte sich ab, als ginge es um sein Leben.

Man hätte sich gewünscht, die Kamera wäre noch ein wenig an Cher und Harrison Ford drangeblieben, nachdem Markus Lanz sie gemeinsam von seiner Couch in die Freiheit entlassen hatte, mit den lyrischen Worten "Da sind sie weg, da sind sie dahin". Nur um vielleicht zu hören, ob das zuvor Erlebte die beiden nachhaltig verstört hat. Immerhin musste Cher sich von Lanz fragen lassen, ob sie eigentlich mal was mit Jimi Hendrix hatte. Und Ford musste die Schlagersängerin Helene Fischer in einem Rhönrad über die Bühne rollen.

Markus Lanz jedenfalls war sichtlich stolz, bei der ersten "Wetten, dass..?"-Ausgabe nach der Sommerpause endlich wieder US-Stars begrüßen zu können. Und nicht solche RTL-Knallchargen, wie seine Redaktion sie ihm im Juni auf Mallorca vorgesetzt hatte, wofür ihm von Kritikern und Zuschauern kräftig der Hintern versohlt worden war.

Dass Cher, Ford, aber auch der später hinzugekommene Sylvester Stallone allesamt Relikte vergangener Jahrzehnte sind, passte ganz gut. Schließlich ist diese Show längst selbst ein Relikt. Sie exisitiert nur noch als Verheißung. Jeder Ausgabe wohnt die Hoffnung inne, es könnte noch einmal kurz so funkeln wie früher. "Wetten, dass..?" ist der letzte Zipfel Kindheit der heute 30- bis 40-Jährigen, nur deshalb gibt es diese Sendung noch.

Gefährlich nah am Lippert-Level

Lanz, wie gesagt, war sehr glücklich über die illustren Gäste. So glücklich, dass er sich beim Umgang mit ihnen zwischendurch gefährlich nah am untereren Wolfgang-Lippert-Level bewegte, aus dessen Zeit bei "Wetten, dass..?" vor allem in Erinnerung geblieben ist, wie er Phil Collins mit den Worten "You can say you to me" das Du anbot und Paul McCartney den Schweiß von der Stirn tupfte. Seinem Gast Harrison Ford etwa bescheinigte Lanz nicht nur immer wieder Coolness und Größe, er ermunterte auch Helene Fischer, den Mann, der Indiana Jones war, ruhig mal anzufassen.

Ford schaute an diesem Abend öfter mal verdutzt drein, machte aber tapfer alles mit. Von einem durchsichtigen Regenschirm beschützt sah er einem Kandidaten zu, der rohe Eier über ein Dach warf und diese mit einer Pfanne wieder aufzufangen versuchte. Weil ihm das nicht gelang, musste Ford einer Dagmar aus dem Publikum den Anrufbeantworter besprechen. Laut Lanz ein "spektakulärer Wetteinsatz".

Überhaupt war des Moderators Schatzkästlein an Sensationsbeschreibungen und Superlativen an diesem Abend mal wieder übervoll. Selbst seinen eigenen Einsatz, bei verlorener Stadtwette ein rohes Ei zu schlürfen wie Stallone in "Rocky", kündigte er mit höchster Dramatik an. Aber dazu kam es dann doch nicht, weil in Bremen offenbar keine hundert Beamte aufzutreiben waren, die sich als Indiana Jones verkleidet in die Arena aufmachen wollten.

Sprachliche Rittberger

Markus Lanz strampelte sich durch seine Moderation, als ginge es um sein Leben. Er hatte nicht nur jede Menge biografische Details seiner Gäste parat, die er in sprachlichen Rittbergern darbot (zu Ford: "Sie sind einer, von dem ich weiß, dass er selber Pilot ist"). Er brachte auch Filmzitate ein. Erzählte von seinem Sohn. Versuchte, auch mal witzig zu sein. Lanz strengte sich mehr an als sein Vorgänger Thomas Gottschalk es je getan hatte, aber das kann natürlich auch für den Zuschauer leicht anstrengend wirken.

Die Wetten waren nett anzusehen. Schwimmer zogen ein Schiff. Ein Mädchen ging auf senkrecht aufgestellten Lippenstiften entlang. Und weil "Wetten, dass..?" inzwischen längst zum größten Teil ein Selbstzitat ist, wurden endlich mal wieder Bierflaschen geöffnet, diesmal nicht von einem Bagger, sondern von einer Dampfwalze.

Nein, es gab schon viel schlimmere "Wetten, dass..?"-Ausgaben als die vom vergangenen Samstagabend. Man könnte sogar sagen: Alle Beteiligten machten das Beste, was man aus einer von Markus Lanz präsentierten 32 Jahre alten Showidee machen kann.

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