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"Wetten, dass..?"-Stammgäste: Die Sofa-Sänger

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Popstars bei "Wetten, dass..?" Der Wahnsinn, Anastacia kommt!

Mit "Wetten, dass..?" endet der Versuch, alle, wirklich alle Menschen mit einer einzigen TV-Show anzulocken. Damit sind jetzt auch einige Pop-Musiker gefährdet, die besonders diese Show befördert hat - die All-inclusive-Sofa-Stars.

So etwa ein Stündchen, bevor Markus Lanz das Ende der Sendung verkündete, war "Wetten, dass..?" noch einmal ganz bei sich. Wer zufällig hineinschaltete, wurde mit jenem behaglichen Gefühl des Erwartbaren versorgt, für das die Show stand: Als musikalischer Gast wurde Anastacia angekündigt, jene US-Sängerin, die der Kollege Arno Frank in seiner Sendungsrezension zu Recht als "in Deutschland weltberühmt" bezeichnete.

Anastacia trat am 26. Januar 2002 ins Leben der "Wetten, dass..?"-Gucker, ganz in Orangetöne gekleidet. Eine Brille mit orangefarbenen Gläsern auf der Nase, sang sie "One Day In Your Life". Der fast schon sagenumwobene Set-Designer Pit Fischer hatte ihr ein paar griechische Säulen auf die Braunschweiger Bühne gestellt. Vor dort fand die Sängerin ihren Weg in die Mitte der deutschen Gesellschaft, die zu amüsieren (und damit auch zu repräsentieren) ja der unausgesprochene Anspruch von "Wetten, dass..?" war.

Bei ihrem fünften und letzten Auftritt am Samstag (schwarzer Blazer/ Lederhosen-Kombi, schwarz geschwungene Augenbrauen, Leuchtbuchstaben-Bühnenbild) gehörte Anastacia längst zum Inventar der Sendung und nahm damit exakt die Rolle von Jennifer Rush ein (fünf Auftritte von 1985 bis 1996): die der trotz Rauhstimme und Lederstoff niemanden verschreckenden Rockröhre.

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Promi-Gäste über "Wetten, dass..?": "Es war schmerzhaft"

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Bei der Entscheidung, welche Musik-Acts geladen werden sollen, darf bei "Wetten, dass..?" ja nicht nur aus Quotengründen die Verhinderung des Wegzapp-Impulses zählen, sondern es herrschte auch eine gewisse Sorgfaltspflicht - wenn schon die ganze Familie zuschauen soll, dann darf Omi keinen Herzkasper kriegen und für den Enkel sollte es auch nach 22 Uhr noch halbwegs jugendfrei sein.

So kommt am Schluss Peter Maffay dabei heraus.

19-mal war der aus Siebenbürgen stammende Barde als Musiker zu Gast, mal mit Tabaluga, mal ohne, mal in Leder, mal in Jeans. (Datenquelle: Wikipedia , Auszählung: SPIEGEL ONLINE) Mit Udo Jürgens (14 Auftritte) und Herbert Grönemeyer (zwölfmal dabei) folgen weitere hauptsächlich auf Deutsch singende Künstler auf der Hitliste der häufigsten Gäste. Sie alle stehen für den größtmöglichen Konsens - ernsthaft etwas gegen sie zu haben, das fiele schwer. Und natürlich sind sie relativ leicht verfügbar.

Doch "Wetten, dass..?" brüstete sich ja immer auch mit der Internationalität seiner Gäste. Robbie Williams, der insgesamt zehnmal in der Show sang, ist ein Musterbeispiel für den All-inclusive-Sofa-Star, der für "Wetten, dass..?" stets gesucht wurde: Zu Anfang, zu Take-That-Zeiten, war er ein Teenie-Idol, dann war er mittendrin im Pop-Geschehen, nur um mit seinen Swing-Alben später auch die reiferen Semester anzusprechen.

Solche umfassend ansprechenden Persönlichkeiten sind natürlich selten, so dass sich eine Idealkombination von Gästen herauskristallisierte. Dazu gehörten beinahe zwingend: ein sanfter Altherren-Star, zumindest in der Gottschalk-Ära (wie Rod Stewart, Lionel Richie oder Joe Cocker), einmal Klassik-Crossover (ob Carreras oder Villazón - Hauptsache ein bekanntes Gesicht) und - bitte nicht ganz so laut kreischen! - ein Teenie-Act (Justin Timberlake oder die Backstreet Boys waren je fünfmal da).

Die Künstler dieser Kategorien werden ihren Weg sicher auch ohne "Wetten, dass..?" weitermachen. Doch manche werden es zukünftig in Deutschland schwerer haben. Der kanadische Jazz-Sänger Michael Bublé zum Beispiel dürfte seine Karriere hierzulande fast ausschließlich "Wetten, dass..?" zu verdanken haben. Im Radio selten zu hören, war er seit 2005 schon fünfmal beim breitest angelegten Spektakel zu Gast, das das deutsche Fernsehen bisher zu bieten hatte.

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