Erste westdeutsche TV-Nachrichtensprecherin Wibke Bruhns ist tot

Sie war die erste Frau, die im westdeutschen Fernsehen die Hauptnachrichten präsentierte. Mit 80 Jahren ist die Moderatorin und Bestsellerautorin Wibke Bruhns gestorben.

Karlheinz Schindler/ DPA

Die erste Nachrichtenmoderatorin des ZDF, Wibke Bruhns, ist am Donnerstagabend im Alter von 80 Jahren gestorben. Dies habe die Familie dem ZDF bestätigt, sagte eine Sprecherin des Senders.

Bruhns, 1938 in Halberstadt geboren, kam über ein Volontariat bei der "Bild"-Zeitung zum Journalismus. Die Ausbildung brach sie jedoch in der Folge des Mauerbaus 1961 aus politischen Gründen ab und wechselte als freie Mitarbeiterin zum NDR-Fernsehen, wo sie als Redakteurin und Moderatorin tätig war.

1971 war sie die erste Frau, die eine Nachrichtensendung im westdeutschen Fernsehen präsentierte: Am 12. Mai 1971 feierte sie ihre Premiere in der Spätausgabe der ZDF-Nachrichten "heute", am 24. Mai war sie schließlich erstmalig in der Hauptausgabe um 19 Uhr zu sehen. Deutschlandweit war Bruhns die zweite Moderatorin einer Nachrichtensendung: Von 1963 bis 1976 hatte bereits Anne-Rose Neumann in der Sendung "Aktuelle Kamera" des DDR-Fernsehens die Nachrichten verlesen.

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Wibke Bruhns: Mehr als eine Nachrichtenvorleserin

Ihre Erinnerungen an diese Zeit hielt Wibke Bruhns 2012 in ihrem Buch "Nachrichtenzeit" fest. Anfang der Siebzigerjahre engagierte sich Bruhns im Wahlkampf für die SPD, was eine Diskussion um ihre politische Neutralität auslöste. Unter anderem forderte Niedersachsens CDU-Chef Wilfried Hasselmann, dass Bruhns in den Wochen vor der betreffenden Bundestagswahl vom Bildschirm verbannt werde.

1973, nach rund 380 "heute"-Sendungen, verließ Bruhns das ZDF und arbeitete neben ihrer Tätigkeit als TV-Moderatorin für verschiedene Dritte auch als Autorin für den "Stern". 1979 ging sie als Nahostkorrespondentin für das Magazin nach Jerusalem. Ihre Eindrücke und Erlebnisse schilderte sie in dem 1982 veröffentlichten Buch "Mein Jerusalem".

Anchorwoman und EXPO-Sprecherin

Von 1984 bis 1988 berichtete Bruhns für den "stern" aus Washington. Während dieser Zeit veröffentlichte sie im Magazin "GEO" eine viel beachtete Reportage über das "Vietnam Veterans' Memorial" in der US-Hauptstadt ("Die Mauer der Versöhnung"). Für die "Beschreibung des Krieges als endlose Reihe persönlicher Opfer" wurde ihr 1989 der Egon-Erwin-Kisch-Preis verliehen.

Nach ihrer Rückkehr aus den USA arbeitete Bruhns wieder verstärkt im Fernsehen, unter anderem beim privaten Nachrichtensender VOX als dessen "Anchorwoman" sowie später als Leiterin der Kulturredaktion des damaligen Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB). Ihr letzter öffentlichkeitswirksamer Job war der Posten als Sprecherin der EXPO 2000 in Hannover.

Danach machte sich Bruhns vor allem einen Namen als Autorin von Sachbüchern. So legte sie 2004 mit dem Titel "Meines Vaters Land" ein vielbeachtetes Buch über ihren Vater vor, den 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichteten Nazi-Gegner und Mitwisser des gescheiterten Hitler-Attentates vom 20. Juli, Hans-Georg Klamroth.

Bruhns war zwei Mal verheiratet. Aus ihrer zweiten Ehe mit dem Schauspieler, Autor und Regisseur Werner Bruhns stammen ihre Töchter Annika und Meike Bruhns.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war zu lesen, Wibke Bruhns sei die erste deutsche TV-Nachrichtensprecherin gewesen. Wir haben den Fehler korrigiert.

hpi/dpa



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