Aufregung um Kinderbücher ZDF hält an Winnetou-Filmen fest

Der Wirbel um Winnetou-Kinderbücher hat seltsame Folgen: Nun wirft die »Bild«-Zeitung TV-Sendern vor, keine Karl-May-Verfilmungen aus den Sechzigern mehr zu zeigen. Das ZDF hat da durchaus Pläne und die ARD keine Lizenzen mehr.
Lex Barker, Pierre Brice und Ralf Wolter in »Der Schatz im Silbersee«

Lex Barker, Pierre Brice und Ralf Wolter in »Der Schatz im Silbersee«

Foto:

dpa/ picture alliance / dpa

Im Angesicht der derzeitigen Winnetou-Debatte hält das ZDF an den klassischen Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker fest und zeigt einen davon bald am Tag der Deutschen Einheit. »Das ZDF besitzt Ausstrahlungsrechte für diverse Karl-May-Filme, die in den nächsten Jahren zur Sendung kommen«, teilte eine Sprecherin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit. »›Winnetou und das Halbblut Apanatschi‹ wird beispielsweise am 3.10. um 11.30 Uhr ausgestrahlt«, sagte sie. In dem Film – einer deutsch-italienisch-jugoslawischen Koproduktion von 1966 – sind auch Uschi Glas und Götz George zu sehen.

Derzeit tobt eine zum Teil heftige Debatte über kulturelle Aneignung und Rassismus. Sie entstand nach der Zurückziehung zweier Begleitbücher zu einem neuen Winnetou-Film für Kinder.

Besonders prägend für Generationen in Deutschland sind die Karl-May-Verfilmungen aus den Sechzigerjahren mit Pierre Brice als Winnetou. Die »Bild«-Zeitung hatte in einer seltsamen Volte berichtet, dass die ARD keine Winnetou-Filme mehr zeigt. Von der ARD-Programmdirektion hieß es am Freitag, die ARD könne derzeit keine »Winnetou«-Filme ausstrahlen, denn die Lizenzrechte seien schon 2020 ausgelaufen.

»Wirtschaftliche Gründe«

Für Lizenzkäufe in der ARD zentral zuständig ist die Tochterfirma Degeto. Eine Sprecherin der Degeto bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage, dass die Lizenzen ausgelaufen und nach aktuellem Stand auch nicht frei verfügbar seien. Die Filme waren demnach zwar Teil eines Lizenzpaketes, die Lizenzen würden aber für jeden Titel individuell verhandelt. Es habe keine inhaltlichen Beweggründe gegeben, dass man die »Winnetou«-Lizenz 2020 auslaufen ließ, hieß es von der Degeto weiter: »Die Nichtverlängerung hatte wirtschaftliche Gründe.«

Die Zeiten in den Neunzigerjahren, in denen das ZDF mit der Wiederholung von »Winnetou«-Filmen auf Zuschauerzahlen von über fünf Millionen kam, sind lange vorbei. Trotzdem sind die von Horst Wendlandts Rialto Film produzierten Werke immer noch regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Bei Kabel Eins beispielsweise schauten am 14. April 2020, einem Dienstag, 1,18 Millionen Menschen den »Schatz im Silbersee« – ein Marktanteil von 3,6 Prozent.

Bei Amazon Prime Video und anderen Video-on-Demand-Anbietern sind die Klassiker sowieso jederzeit im Angebot. Auch Kinos können die »Winnetou«-Filme weiterhin vorführen. Der Croco Filmverleih & Vertrieb  aus Berlin, der sich auf die Wiederaufführung von Filmklassikern spezialisiert hat, brachte die »Winnetou«-Trilogie wieder heraus; am 14. Dezember soll das 60-jährige Jubiläum von »Der Schatz im Silbersee« mit einem Re-Release des Films gefeiert werden.

feb/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.