Starkoch Puck auf Disney+ Wolfgang, das schmeckt nicht!

Der Österreicher Wolfgang Puck ist in den USA fast so berühmt wie Arnold Schwarzenegger. Nun porträtiert der Produzent des Netflix-Erfolgs »Chef's Table« den Starkoch – mit viel Soße, aber wenig Geschmack.
Starkoch Puck: Ein Österreicher, in den USA berühmt für seine Pizza

Starkoch Puck: Ein Österreicher, in den USA berühmt für seine Pizza

Foto: Disney+

Der eine begann seinen Aufstieg in den USA als Muskelmann, der andere in der Küche eines schlechten französischen Restaurants. Beide arbeiteten sich nach oben und verkörpern heute den amerikanischen Traum: Arnold Schwarzenegger und Wolfgang Puck sind die berühmtesten Österreicher in den Vereinigten Staaten.

Der eine brachte es zum Filmstar und Gouverneur, der andere zum beliebtesten Gaumenverwöhner der Filmstars. Keine Oscarverleihung ohne die Kreationen von Wolfgang Puck. 2020 etwa gab es gefüllte Reispapierrollen mit Gurke und Käse-Makkaroni.

Seit Jahrzehnten lieben ihn Hollywood-Bewohner, in seinem Restaurant Spago am Sunset Strip in Los Angeles aßen schon in den Achtzigerjahren Barbra Streisand, Tom Hanks, Sean Connery und Lionel Richie. Heute betreibt Puck mehr als 70 Betriebe in der ganzen Welt – die meisten servieren Wiener Schnitzel – beschäftigt 5000 Mitarbeiter und setzt dreistellige Millionenbeträge im Jahr um.

Koch Puck: Vom Kartoffelschäler zum Multimillionär

Koch Puck: Vom Kartoffelschäler zum Multimillionär

Foto: Gabe Ginsberg / Getty Images

Man sollte meinen, Wolfgang Puck hätte viel zu erzählen. In »Wolfgang« bringt er allerdings das Kunststück fertig, über 70 Minuten zu reden und dabei kaum etwas zu sagen. Außer Sprüchen aus dem Handbuch des erfolgreichen Neu-Amerikaners.

»Wir alle machen Fehler im Leben.«

»Glaube an dich, und du wirst erfolgreich sein.«

»Folge deinen Träumen.«

Das ist nicht unbedingt Pucks Fehler. Zumindest wäre es Aufgabe des Regisseurs gewesen, tiefer zu graben, Facetten freizulegen, die Puck nicht so gern zeigt. Aber David Gelb, der auch für die Kochserie »Chef's Table« bei Netflix verantwortlich ist, kleistert seinen Film mit der visuellen Entsprechung einer besonders klebrigen Béchamelsauce zu. Die Bilder sehen aus wie geleckt, aber Geschmack haben sie keinen.

Dabei ist Pucks Geschichte faszinierend. In Kärnten als ungeliebtes, uneheliches Kind aufgewachsen, vom Stiefvater terrorisiert: Puck wollte immer weg von zu Hause. Wohl fühlte er sich allein in der Küche. Mit 14 Jahren beginnt er als Küchenjunge in einem Hotel, schält Kartoffeln, spült, lässt sich von den Köchen anschreien.

Aber Puck setzt sich durch. Er geht zunächst nach Frankreich und lernt unter Raymond Thuilier, bevor er in den Siebzigern ohne den sprichwörtlichen Cent in der Tasche nach Kalifornien auswandert. Da ist Puck 24 Jahre alt. In Los Angeles kocht er in dem französischen Restaurant Ma Maison, einem beliebten, aber schäbigen Laden mit Plastikstühlen und greller Inneneinrichtung.

Puck beschafft sich frisches Gemüse von lokalen Bauern, besteht auf bester Qualität der Zutaten, und mit leiser Beharrlichkeit macht er aus dem Ma Maison einen Erfolg. Mehr als das: Puck setzt Fertiggerichten, künstlichen Geschmacksstoffen, industrieller Massenproduktion gelerntes Handwerk entgegen und die Wertschätzung von Ernährung als kulturellem Gut.

Auch deshalb hob seine Karriere in den Achtzigerjahren ab. Mit seiner California Cuisine, einer Fusionsküche aus italienischen, französischen und asiatischen Ingredienzen, tourte er durch die Fernsehsender. Im Spago konnte die Hollywood-Crowd ihm beim Kochen zusehen. Joan Collins servierte er eine legendäre Räucherlachspizza mit Kaviar. Reduktion und Luxus waren bei Puck kein Widerspruch, sondern eine Geheimformel. Der Koch trat hinterm Herd hervor und wurde selbst zum Star.

Gelb vollzieht die einzelnen Stationen dieser Karriere zwar nach, aber er macht daraus keine Geschichte. Sein Porträt »Wolfgang« bleibt vage und schwammig. Das entspricht der enervierenden Gleichförmigkeit, die auch schon die mittlerweile acht Staffeln von »Chef's Table« und Ableger wie die Serie »Streetfood« auszeichnet.

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Ein Koch muss sich ständig verändern, sagt Puck an einer Stelle in »Wolfgang«, und auch Gelbs Kochserien erzählen immer von Transformation: vom Kampf der Protagonisten gegen widrige Umstände, Traumata, Katastrophen. Letztlich vom Finden einer künstlerischen Stimme.

Dabei sind die Filme selbst aber erstaunlich unflexibel. Sie folgen einem festgelegten visuellen und dramaturgischen Muster, das nie variiert wird. Bei Gelb sehen die Kochkünstler zwar aus wie Rockstars oder Figuren aus einem Hollywood-Drama, aber durch die ewige Wiederholung entsteht ein mit der Zeit immer ungenießbarerer Einheitsbrei.

»Wolfgang« wirkt wie eine besonders lange und uninspirierte Folge von »Chef's Table«. Dort lernt der Zuschauer zumindest interessante Charaktere und Kochstile kennen. Puck wirkt dagegen bieder und verschlossen, eher wie ein Unternehmer denn wie jemand, der am Herd sein Innerstes ausdrückt.

Die wichtigsten, kritischen Fragen bleiben ungestellt: Wie verträgt sich ständige Expansion mit angeblich hohen Qualitätsstandards? Warum muss es überhaupt immer mehr sein? Warum verkauft Puck nun selbst Fertiggerichte, gegen die er einst antrat? Und was ist er nun eigentlich – Wiener-Schnitzel-König oder ein Kochkünstler?

Stattdessen gibt es mehr Plattitüden aus dem Selbstoptimierungsseminar:

»Ich will die Menschen glücklich machen.«

»Essen ist Familie. Familie ist Essen.«

Vielleicht, dieser Gedanke drängt sich auf, ist Puck eher ein begnadeter Selbstdarsteller als ein wirklich inspirierender Koch.

Ab 25.6. bei Disney+