SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Mai 2017, 09:31 Uhr

"Tatort"-Star

Wotan Wilke Möhring über Männlichkeit und Blockflötespielen

Kochen, nähen, auf der Toilette hinsetzen: "Tatort"-Star Wotan Wilke Möhring, den viele für den Inbegriff des harten Kerls halten, spricht in SPIEGEL FERNSEHEN über moderne Geschlechterbilder.

Wotan Wilke Möhring, 49, legt keinen Wert darauf, als männlich zu gelten. Das sagt der "Tatort"-Star im Interview mit dem TV-Magazin SPIEGEL FERNSEHEN, das an diesem Freitag mit einer zweiten Ausgabe testweise in Hessen erscheint. "Ich kann kochen, flicken, einen Hosenknopf annähen. Und, als ehemaliger Waldorfschüler, Blockflöte spielen. Ich bin mir nicht zu schade, alles zuzulassen, was als unmännlich gelten könnte. Also empfindlich, zerbrechlich, gerührt oder nah am Wasser gebaut zu sein."

Auch bei der Erziehung seiner Kinder lege er keine klassischen Geschlechtermaßstäbe an: "Wenn mein Sohn zu Karneval als Prinzessin gehen will, darf er das. Und wenn er möchte, flechte ich ihm auch einen Zopf."

Mit der Gender-Diskussion hingegen kann Möhring wenig anfangen - weil er vieles "für selbstverständlich" halte. "Muss man jetzt monatelang eine Debatte über Toiletten führen? Jeder geht dahin, wo er will, fertig aus. Ich verstehe das Problem nicht", so Möhring. Er plädiert für Unisex-Klos, "solange man vorher anklopft. Übrigens, ich setze mich auf der Toilette auch gern hin. Ist das jetzt weiblich? Nee, ich find's einfach bequem."

Für die "Tatort"-Reihe verkörpert Möhring den Bundespolizist Thorsten Falke, zuletzt war er in einem starken Fall über deutsche Dschihadisten zu sehen. Für die Zukunft der Krimireihe wünscht er sich mehr Kommissarinnen: "Fände ich gut. Sofern die Zielgruppe das mitmacht. Wichtig ist nur, dass man nicht in Klischees verfällt. Dass die sich ständig anzicken oder über Mode unterhalten müssen. Es wäre auch schön, wenn mehr Frauen Regie führen würden."

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung